Nach Auto-Attacke auf Ehefrau: Haftbefehl wegen Mordversuchs erlassen

dz59-Jähriger in Haft

Die Ermittler gehen nach der Auto-Attacke von Wasserkurl in Kamen von einem Mordversuch des Ehemanns aus. Der 59-Jährige soll seine Frau angefahren haben, weil sie ihn verlassen hatte. Ein Haftbefehl ist beantragt.

Kamen, Methler

, 30.09.2019, 14:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die mutmaßliche Auto-Attacke eines verlassenen Ehemanns spielte sich in der Hauseinfahrt eines grauen Mehrfamilienhauses an der Wasserkurler Straße 50 in Methler ab. Dort soll ein alkoholisierter Kamener (59) am Sonntagmorgen seine Frau aus Rache absichtlich mit dem Auto angefahren, gegen eine Wand gedrückt und schwer verletzt haben. Die Frau hatte ihn zuvor verlassen. Aufgrund der Umstände gehen die Ermittler von einem Mordversuch aus. „Wer mit einer gewissen Wucht auf jemand zufährt, nimmt den Tod billigend in Kauf“, sagte Henner Kruse von der Staatsanwaltschaft Dortmund.

Haftbefehl beantragt

Während sich die 60-jährige Frau am Montag nach einer Notoperation noch im Krankenhaus befand, wurde der dringend tatverdächtige Ehemann am Montag einem Haftrichter vorgeführt. Der Richter am Amtsgericht Kamen erließ auf Antrag der ermittelnden Staatsanwältin Sandra Lücke einen Haftbefehl: Verdacht auf versuchten Mord, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, gefährliche Körperletzung, Trunkenheit im Verkehr und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Der Ehemann machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Laut den Ermittern soll er die Tat bislang bestritten haben. Er wurde am Sonntag kurz nach dem Vorfall in der bisherigen gemeinsamen Wohnung an der Schulzenheide festgenommen.

Nach Auto-Attacke auf Ehefrau: Haftbefehl wegen Mordversuchs erlassen

Staatsanwalt Henner Kruse (Archivbild): „Er soll auf sie zugebrettert sein“. © dpa

Das sagt die Staatsanwaltschaft

Und so soll sich die Tragödie laut Staatsanwaltschaft abgespielt haben: Die Frau eröffnet ihrem Mann am Sonntagmorgen, dass sie ihn verlassen will. Das will der Ehemann offenbar nicht akzeptieren. „Mehrfach soll er in der Wohnung versucht haben, auf seine Frau einzuwirken“, so Staatsanwalt Kruse. Nachdem die Frau die Wohnung verlassen hat, fährt der Mann mit dem Auto rund 700 Meter neben und hinter ihr her. Dabei soll er Drohungen ausgesprochen haben.

Mittlerweile hat die Frau die Wasserkurler Straße erreicht und ist auf dem Gehweg in Richtung Unna-Massen unterwegs. Mit ihrem Verfolger im Nacken flüchtet die Frau in die Hofeinfahrt des Hauses Wasserkurler Straße 50. Dort soll der Mann sie vorsätzlich angefahren haben, „wobei er tödliche Verletzungen in Kauf nahm“, so Staatsanwalt Kruse. „Er soll auf sie zugebrettert sein.“ Die Wucht des Aufpralls lässt sich anhand der beschädigten Hausfassade erahnen.

Was die Nachbarn mitbekommen haben

Stichwort

Mord

Ein Mörder wird laut Paragraf 211 des Strafgesetzbuchs mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet. Auch ein Mordversuch kann mit lebenslanger Haft bestraft werden. Die Strafe kann gemildert werden und liegt dann bei drei bis 15 Jahren.

Der Tatort liegt in einem dörflich geprägten Wohnviertel, gegenüber vom Awo-Kindergarten. Eine rund 25 Meter lange Einfahrt führt vom Gehweg des Hauses Wasserkurler Straße 50 auf einen Hinterhof. Nachbarn wurden am Sonntagmorgen zu Zeugen des Polizei- und Rettungseinsatzes in der Einfahrt. „Als ich aufgestanden bin, standen da ein Krankenwagen, ein Notarztwagen und zwei Polizeiautos“, sagte eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden will. Zunächst habe sie an einen medizinischen Notfall bei einer Nachbarin gedacht. Ihr sei aufgefallen, dass die Polizei recht lange vor Ort geblieben sei. Später habe sie die Nachricht von dem Verbrechen im Radio gehört.

So ist der Zustand der verletzten Frau

Die verletzte Ehefrau wurde laut Staatsanwaltsschaft mit mehreren Platzwunden und einem gebrochenen Oberschenkel in ein Dortmunder Krankenhaus gebracht. Dort musste die 60-Jährige notoperiert werden. Die Verletzte war zunächst nicht vernehmungsfähig. Die Polizei hoffte, im Laufe des Montags eine Aussage zu bekommen.

Nach Auto-Attacke auf Ehefrau: Haftbefehl wegen Mordversuchs erlassen

Die Ehefrau soll bei der Auto-Attacke gegen diese Wand gedrückt worden sein. Sie erlitt eine Oberschenkelfraktur und Platzwunden, so die Staatsanwaltschaft. © Borys Sarad

Was der Ehemann den Ermittlern sagte

Der Ehemann soll die Verletzte nach der Auto-Attacke am Tatort zurückgelassen haben und mit dem Wagen nach Hause zurückgekehrt sein. Polizisten trafen den alkoholisierten 59-Jährigen kurze Zeit später in der Wohnung an der Schulzenheide an. Der Mann, ein niederländischer Staatsangehöriger, wurde vorläufig festgenommen, sein Auto sichergestellt. Der Beschuldigte musste sich einer Blutprobe unterziehen und seinen Führerschein abgeben.

Im Fall einer Verurteilung wegen Mordversuchs droht dem Beschuldigten im äußersten Fall eine lebenslange Haft. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann seine Frau aus niedrigen Beweggründen mit dem Auto attackierte. „Aus Rache darüber, dass sie ihn verlassen wollte“, sagte Staatsanwalt Kruse.

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