Grünes Licht für die Südkamener Spange aus dem Verkehrsministerium. Im Mai sollen die Bauarbeiten für Bahnbrücke und Ortsumgehung beginnen. Ab 2023 können Züge schrankenlos durch Kamen brausen.

Kamen

, 03.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bahn frei für das Dauerprojekt Südkamener Spange. Im Sommer 2023, etwa 41 Jahre nach der ersten Planung, sollen die ersten Fahrzeuge über die neue Verkehrsachse im Kamener Süden rollen: Der schienengleiche Bahnübergang an der Südkamener Straße, der letzte zwischen Dortmund und Berlin, soll dann Geschichte sein.

Das wäre dann auch das Ende einer Dauerplanung, die bereits im Jahr 1982 ihren Anfang genommen hat. Zuletzt waren an der Realisierung Zweifel aufgekommen, weil aus den Verkehrsministerien des Landes und Bundes kein grünes Licht in Sicht war. Die von der Bahn beantragten Sperrpausen drohten – wie in anderen Jahren zuvor – erneut zu verstreichen.

Nach 41 Jahren kommt die Bahn doch noch: Ab 2023 zischen Züge schrankenlos durch Kamen

Ludwig Holzbeck (l.) und Jürgen Busch stellten am Montag die Pläne für die Südkamener Spange vor. Ab Sommer 2023 könnten die ersten Fahrzeuge über die südliche Ortsumgehung rollen. © Borys Sarad

Erleichterung über grünes Licht für die Südkamener Spange

Die Erleichterung, dass dieses nun vermutlich nicht wieder eintreten wird, ist am Montag zu spüren, als Ludwig Holzbeck, Baudezernent des Kreises Unna, und sein Kollege Jürgen Busch, Sachgebietsleiter Tiefbau, die Details jenes Bauprojekts vorstellen, das in den vergangenen Jahren so oft von der Schiene gesprungen ist.

„Na klar. Die Freude ist groß“, sagt Busch. „Ich habe jetzt achteinhalb Jahre an dem Projekt mitgearbeitet. Das ist durchaus ein Meilenstein.“ Und Holzbeck ergänzt: „Wenn es jetzt nicht geklappt hätte, wäre die Planung wohl wieder für drei, vier Jahre in der Schublade verschwunden.“ Denn so lange dauert eine Vorplanung, um auf einer so wichtigen Bahnstrecke bauen zu können. Auf der Strecke zwischen Köln mit Berlin liegen stark nachgefragte ICE-Verbindungen.

Baustart im Mai mit den ersten Vorarbeiten

Der Baustart für die ca. 1300 Meter lange Ortsumgehung im Kamener Süden erfolgt im Mai mit den ersten Vorarbeiten. Etwa 7000 Fahrzeuge, so die Berechnungen der Planer, werden auf der neuen Achse zwischen Westicker Straße und Dortmunder Allee verkehren.

„Wir erwarten dann eine klare Abnahme des Verkehrs auf der Hochstraße, Westicker Straße und Südkamener Straße“, führt Busch aus.

Vor allem der Verkehr aus dem Hemsack, wo Firmen wie Vahle und Gülde angesiedelt sind, kann über die Süd-Spange abfließen und muss nicht mehr über den engen Mini-Kreisverkehr vor dem Rathaus zur Hochstraße abzweigen.

Diese Entlastung geht auf Kosten der Dortmunder Allee, wo mehr Durchgangsverkehr in Richtung A1 erwartet wird – über Henry-Everling-Straße und Unnaer Straße zur entsprechenden Anschlussstelle.

Nach 41 Jahren kommt die Bahn doch noch: Ab 2023 zischen Züge schrankenlos durch Kamen

Die Detailplanung der Südkamener Spange zwischen Westicker Straße (links) und der Dortmunder Allee (rechts). Die Strecke ist ca. 1300 Meter lang. © Kreis Unna/A.Risch


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Kostenexplosion auf 33,9 Millionen Euro

Die Zweifel an dem Projekt waren zusätzlich auch durch die Kostenexplosion auf jetzt 33,9 Mio. Euro genährt worden. Damit hat sich die ursprüngliche Schätzung von 13 Mio. Euro nahezu verdreifacht. Im Jahr 2015 waren zwischenzeitlich ca. 20 Mio. Euro kalkuliert worden.

Der Eigenanteil des Kreises Unna, der bei Planungsbeginn bei 2,5 Mio. Euro lag, beträgt nun etwa acht Mio. Euro. Den Löwenanteil von ca. 26 Mio. Euro teilen sich Bund, Land und die Netz AG der Deutschen Bahn.

Nicht nur allgemeine Baukostensteigerungen sind Kostentreiber, sondern auch Planungsänderungen, die ein deutlich aufwendigeres Bauverfahren vorsehen, vor allem wegen des hohen Grundwasserstandes. „Das steht dort bis zur Grasnarbe“, sagt Busch.

Das Trogbauwerk muss deswegen mit Bohrpfählen, die bis in vier Meter Tiefe reichen, verankert werden. Die Dränage ist ausgeklügelt, auch während der Bauzeit muss ständig gepumpt werden. „Sonst haben wir dort ein neues Schwimmbad. Ich weiß, dass das in Kamen benötigt wird – aber nicht an dieser Stelle“, sagt Busch schmunzelnd.

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Ausschreibung für das Trogbauwerk ist bereits erfolgt

Die Genehmigung aus dem Bundesverkehrsministerium ist am 15. Januar beim Kreis Unna eingegangen. Offiziell trägt das von allen Behörden unterzeichnete Papier den umständlichen Namen „2. Nachtragsvereinbarung als Kostenerhöhungsantrag zur Kreuzungsvereinbarung für die Projektfinanzierung“.

Dass das lange auf der Kippe stehende Projekt doch noch etwas wird, hat sich schon vor Wochen abgezeichnet. Die Bahn hat die europaweite Ausschreibung für den Bau des Trogbauwerks schon im Dezember veröffentlicht – allerdings wegen der fehlenden Genehmigung noch unter Vorbehalt. „Aber man war sich dort offenbar sehr sicher, dass es jetzt etwas wird“, so Holzbeck.

Die vorzeitige Veröffentlichung der Ausschreibung bringt nun einen kleinen Zeitvorsprung. Bereits Mitte Februar ist die sogenannte Submission, sprich: die Bewerbungen werden geöffnet und verglichen, bevor es zur Vergabe an ein Unternehmen kommt. Etwa ein Jahr Bauzeit ist für das Brückenbauwerk eingeplant, danach anderthalb Jahre für den Straßenbau. Dann könnte sie Wirklichkeit sein, die Südkamener Spange. Falls wirklich nichts mehr von der Schiene springt.

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