Stöberei näht Masken statt Kostüme – für den etwas höheren Preis gibt es einen Grund

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Weil in der Kamener Stöberei keine Kostüme mehr gefragt sind, werden dort fleißig Masken genäht – zunächst für Mitarbeiter, jetzt für alle. Wer eine kauft, rettet damit vielleicht einen Arbeitsplatz.

Kamen

, 28.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Neben den Absagen für Hochzeiten und Mottopartys haben wir bereits Stornierungen für die Oktoberfeste“, sagt Schneiderin Carmen Funk. Der Kostümverleih in der Kamener Stöberei steht derzeit still. Obwohl das Sozialkaufhaus an der Unnaer Straße nach vierwöchiger Schließung wieder geöffnet ist, gibt es im Kostümverleih keine Nachfrage.

Doch die beiden Schneiderinnen des Verleihs sind trotzdem gut beschäftigt, denn sie haben aus der Not eine Tugend gemacht und nähen bereits seit mehren Wochen Stoffmasken. Und die sind spätestens seit Montag sehr gefragt – schließlich herrscht in NRW seit dieser Woche Maskenpflicht. „Seit Samstag haben wir 180 Masken verkauft, weitere 110 sind bestellt“, so DasDies-Geschäftsführer Maciej Kozlowski am Montag.

Mit den Masken können die Näherinnen trotz Stillstand etwas Gutes tun

„Wir sichern gerade Arbeitsplätze für benachteiligte und behinderte Menschen.“
DasDies-Geschäftsführer Maciej Kozlowski

Das Interesse an den Masken ist hoch – nicht nur bei Kunden. Über 500 Masken hat der Kostümverleih schon für den eigenen Bedarf der AWO-Einrichtungen im Kreis Unna nach den Vorgaben der Uniklinik Essen genäht. „Als Inklusionsunternehmen, das überwiegend Menschen mit Benachteiligungen und Behinderungen beschäftigt, sind wir da noch mehr zum Schutz gefordert“, so Kozlowski.

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Auch unter den Kunden gebe es viele aus der Risikogruppe. Und so kam die Idee auf, selber Masken zu nähen. Da mittlerweile alle DasDies-Services ausgestattet sind, kann nun jeder davon profitieren.

„Natürlich würden wir lieber die neuen Kostüme entwerfen und damit unsere Kunden glücklich machen“, sagt Funk. Doch so hätten sie und ihre Kolleginnen nun einen etwas anderen „Maskenball“, mit dem sie Menschen glücklich machen können.

Die beiden Schneiderinnen nähen professionell und verwenden extra dafür angeschaffte Stoffe. Außerdem werden mit dem Verkauf der Masken Arbeitsplätze gesichert – so kommt der Preis von 7,50 Euro pro Maske zustande.

Die beiden Schneiderinnen nähen professionell und verwenden extra dafür angeschaffte Stoffe. Außerdem werden mit dem Verkauf der Masken Arbeitsplätze gesichert – so kommt der Preis von 7,50 Euro pro Maske zustande. © privat

Die Masken, die in Kamen gefertigt werden, werden in den DasDies-Stöbereien in Kamen, Bönen, Lünen und Bergkamen angeboten. Sie können für 7,50 Euro gleich mitgenommen oder falls der Vorrat ausgeschöpft ist, bestellt werden. Der Preis von 7,50 Euro sorgte in den Sozialen Medien für Diskussionen. Doch dass die Masken vielleicht etwas teurer sind als an anderer Stelle hat einen Grund.

Mit dem Kauf werden Arbeitsplätze für behinderte und benachteiligte Menschen gesichert, erklärt Kozlowski.

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DasDies-Chef erklärt, wie der Preis von 7,50 Euro zustande kommt

Auf Nachfrage erklärt er genau, wie es zu diesem Preis gekommen ist. „Bei uns sind zwei fest angestellte Kräfte, eine Schneidermeisterin und eine Gesellin, für die Produktion im Einsatz. Diese arbeiten auch nicht mit gespendeten Stoffen und Materialien, sondern mit für die Maskenproduktion eingekauftem Material“, erklärt er.

„Natürlich würden wir lieber die neuen Kostüme entwerfen.“
Damenschneidermeisterin Carmen Funk

Als gemeinnütziges Unternehmen und Inklusionsbetrieb könne und dürfe die DasDies Service GmbH keine Überschüsse und große Rücklagen erwirtschaften. „Wir sichern gerade Arbeitsplätze für benachteiligte und behinderte Menschen. Wir sehen uns in der aktuellen Lage auch nicht als Konkurrenz, sondern nur als Ergänzung für andere Anbieter, um die große Nachfrage zu stillen“, so Kozlowski. Wenn ehrenamtliche Initiativen viele Menschen mit dem Mund-Nasen-Schutz ausstatten, freue ihn das.

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