Ursula Wegmann stürzt sich in die Welt der Oberschurken, wenn sie jede Woche „ihren“ Jerry Cotton liest. Der FBI-Agent feiert jetzt 65. Dienstjubiläum. Und die Kamenerin landet im Sonderband.

Kamen

, 12.08.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mal wieder rast Jerry Cotton, New Yorker FBI-Agent und Ein-Mann-Show gegen das organisierte Verbrechen, durch die Straßen der Metropole. Auch 65 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Romanhefts. Ursula Wegmann aus Kamen kann sehr gut nachvollziehen, wie das ist, in seinem Auto zu sitzen. Den Wagen kennt sie aus nächster Nähe.

Das Foto mit ihr und dem knallroten Jaguar E-Type, den sie im Spionagemuseum „Off Limits“ in Schneverdingen besichtigte, landete sogar in einem aufwendig gestalteten Jerry-Cotton-Sonderband, der zu einer Cotton-Verfilmung mit den Schauspielern Christian Tramitz, Christian Ulmen und Christiane Paul aufgelegt wurde.

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Jerry Cotton - der Film

In die Welt der Agenten gestürzt

„Es war immer mein Wunsch, einmal den Jaguar zu sehen und zu berühren“, sagt der 87-jährige Jerry-Cotton-Fan. Bei einer Tagesfahrt zum Schneverdinger Heideblütfest hatte sie spontan einen Abstecher gemacht - und sich in die Welt der Spione und Agenten gestürzt.

Im Herbst feiert die Jerry-Cotton-Welt ihr 65. Jubiläum. Im Jahr 1954 erschien das erste Romanheft mit dem Titel „Ich suchte den Gangster-Chef“ als Nr. 68 in der Reihe „Bastei Kriminalroman“, bevor der neue Held eine eigene Serie bekam. Und dann einer der erfolgreichsten Spürnasen der Krimi-Geschichte wurde.

Mörder im Visier: Kamenerin mit Jerry Cotton auf Verbrecherjagd

Den roten Jaguar immer dabei. Ursula Wegmann trägt eine handfeste Jerry-Cotton-Erinnerung immer bei sich. © Janecke

Kamenerin im Cotton-Sonderband abgebildet

Das ist aber nur eine von vielen Geschichten, die Ursula Wegmann mit Jerry Cotton verbindet. Von Anfang an, bereits in den 50er-Jahren, ist sie dabei, als die ersten Cotton-Romane erschienen. „Da gab es die Hefte noch nicht lange“, erinnert sie sich. Unzählige Romane und Sonderhefte hat sie seitdem gelesen, zahlreiche davon bewahrt sie in ihrer kleinen Innenstadt-Wohnung auf, zusammen mit dem Sonderband, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat. Denn Ursula Wegmann hat es dort hineingeschafft. Zusammen mit dem roten Jaguar, den einst George Nader fuhr, der in Spielfilmen Jerry Cotton verkörperte.

Auf Seite 163 ist die Kamenerin, die ihr Foto an den Bastei-Lübbe-Verlag sandte, in dem Band von Martin Compart „G-Man Jerry Cotton - Eine Hommage an den erfolgreichsten Krimihelden der Welt“ abgebildet.

„Ihr Foto ist eines der schönsten und originellsten Cotton-Bilder und wird in unserem Sonderband gezeigt“, hatte ihr der Verlag vor der Veröffentlichung schriftlich mitgeteilt. Und für einen Cotton-Fan ist so eine Nachricht gleichbedeutend, als würde man direkt neben dem Agenten im roten Auto sitzen... „Ich hatte gar nicht damit gerechnet - es gibt doch so viele Jerry-Cotton-Fans“, sagt Wegmann und lacht.

Mörder im Visier: Kamenerin mit Jerry Cotton auf Verbrecherjagd

Ursula Wegmann im Spionagemuseum „Off Limits“ in Schneverdingen. Sie machte bei einem Ausflug zum Heidefest einfach mal einen Abstecher. © Janecke

Autogrammkarte „Für Ursula“ von Heinz Weiss

Der Cotton-Sonderband, in dem Wegmann verewigt wurde, ist von der Stiftung Buchkunst zu einem der schönsten deutschen Bücher des Jahres 2010 gewählt worden. Die Kamenerin hat für das Buch, um das sich noch die schützende Klarsichthülle der Verpackung spannt, genauso einen Sonderplatz in ihrer Wohnung wie für die Autogrammkarte, die ihr der bekannte deutsche Schauspieler Heinz Weiss, der Cottons Kollegen Phil Decker spielte, zum Geburtstag unterschrieben hat - mit der Widmung: „Für Ursula“. Aber nicht nur die Filme, sondern auch die Groschenromane erzeugen Bilder vor ihren Augen, wenn sie Krimis mit den Titel „Süße Bienen, blaue Bohnen“, „Er nannte sich Mr. Pyro“, „Libretto für einen Mord“ oder „Die Farben des Todes“ liest.

Mörder im Visier: Kamenerin mit Jerry Cotton auf Verbrecherjagd

Ursula Wegmann und ihre zahlreichen Jerry-Cotton-Bände in Groschenheftformat. © Janecke

Was Wegmann an den Krimis besonders schätzt

Was Wegmann an den Krimis besonders schätzt? Nicht nur die spannenden Geschichten um Mord und Totschlag, sondern auch die Dialoge, wie sie sagt. „Da habe ich schon lauthals gelacht, was die sich so erzählen“, sagt sie und grinst. Wie die schlagfertige Antwort auf eine plötzliche Entwicklung: „Und Schweine können fliegen“. Oder „Ja - und der Weihnachtsmann ist grün“. Und sie schätzt auch, dass die Handlung an Originalschauplätzen stattfindet. Egal ob im Central Park, im Madison Square Garden oder auf dem Broadway.

Mittlerweile kennt Wegmann die Stadt samt Nebenstraßen wie ihre Westentasche und kann sich orientieren, obwohl sie noch nicht einmal da war. Wohin mit den vielen Heften? Die sammelt sie nicht, dafür ist die Stadtwohnung zu klein. Bis auf einige Sonderbände landen sie beim Büchermarkt des Lions-Clubs Kamen-Westfalen.

Sogar einen Stadtplan, um die Krimis nachzuvollziehen

Aufgehoben hat sie einen New Yorker Stadtplan, damit sie die Geschichten und ihren geografischen Werdegang genau verorten kann. Es wäre noch einmal ein Lebenstraum, dorthin zu fliegen.

Doch für die ehemalige Volksschülerin, die dann in einem Restaurant abends in der Küche geholfen hat, hat sich das nicht ergeben. Aber egal. „Ich bin ja jede Woche in New York“, ruft die Seniorin vergnügt. Und wedelt mit zwei neuen Bänden, die sie sich gerade aus dem Zeitschriftenmarkt geholt hat: „Der Club der Schwarzen Witwen“ und „Die Rückkehr der Black Panther“.

Und so findet sie sich bestens zurecht in der Welt der Schurken und Oberschurken. Jerry Cotton würde sie wohl gern einmal zur Verbrecherjagd im roten Jaguar mitnehmen. Er könnte davon profitieren.

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