Claudia Winnefeld (r.) verkauft in Zeiten des Lockdowns Mode „an der Tür“. Kundinnen wie Ute Blaschke nehmen sie zum Anprobieren mit nach Hause. © Stefan Milk
Corona-Lockdown

Modegeschäft überlebt ohne Online-Shop: „Frau Winnefeld weiß, was ich mag“

Der Lockdown dauert bis mindestens Mitte Februar. Claudia Winnefeld vom gleichnamigen Modegeschäft hält durch. Obwohl sie keinen Online-Shop betreibt. Sie setzt auf „Call & Collect“.

Freitagvormittag vor dem Modegeschäft Winnefeld an der Adenauerstraße: Wer glaubt, zu Lockdown-Zeiten sei die Ladenzeile wie ausgestorben, liegt falsch. Stammkundin Ute Blaschke wartet vor der geöffneten Tür auf die Ware, die Inhaberin Claudia Winnefeld ihr im Laden gerade zusammenstellt. „Frau Winnefeld weiß, was ich mag“, sagt Blaschke mit einem freundlichen Lächeln hinter der FFP2-Maske.

Stammkundschaft nutzt Abholservice bei Winnefeld

Sie selbst darf wegen des Lockdowns das Geschäft nicht betreten, doch sie nutzt den Bring- und Abholservice, den Winnefeld seit einigen Wochen anbietet.

Hinter ihr wartet schon die nächste Kundin, die einen warmen Rock für den Winter sucht. Auch sie darf ein Teil zum Anprobieren mit nach Hause nehmen.

Bezahlt wird später, wenn der Rock passt und behalten werden soll. Eine dritte Kundin tut kurz darauf genau das, bezahlt die für gut befundene Ware per EC-Karte an der Ladentür. „So habe ich auch noch nie eingekauft“, schmunzelt sie.

Service soll zeigen: „Wir sind noch da“

Läuft der Laden etwa auch im Lockdown? Claudia Winnefeld schüttelt den Kopf. Die Umsätze seien schon gering, das Einkaufserlebnis natürlich nicht mit den Zeiten vor der Pandemie zu vergleichen. An Markttagen wie diesen Freitag sei aber etwas mehr los. „Es kommt schon die eine oder andere Kundin, aber es ist vor allem ein Service“, sagt die Einzelhändlerin. „Um präsent zu bleiben und zu zeigen: Wir sind noch da.“

Für viele Kundinnen wäre eine Schließung ihres Geschäfts ein „kleiner Albtraum“, sagt Claudia Winnefeld. © Stefan Milk © Stefan Milk

Ihre beiden Mitarbeiterinnen sind während des Lockdowns in Kurzarbeit, es gäbe gewiss gute Gründe zur Klage, doch Winnefeld strahlt Zuversicht aus. „Ich bin guten Mutes, dass wir auch den zweiten Lockdown überstehen und nach der Wiederöffnung wieder durchstarten“, sagt die 53-Jährige, die mit Mode aufgewachsen ist.

Ihr Eltern führten jahrzehntelang das Modegeschäft Stannat am Willy-Brandt-Platz, wo heute die Parfümerie Pieper eine Filiale unterhält. Nachdem sie in Ruhestand gegangen waren, eröffnete ihre Tochter 2008 ihr eigenes Geschäft an der Adenauerstraße.

Für Kundinnen wäre eine Schließung ein „kleiner Albtraum“

Natürlich hat es eine eigene Internetseite, aber keinen Online-Shop. In Anlehnung an das bekannte „Click & Collect“ von Ikea und anderen großen Ketten spricht Winnefeld davon, „Call & Collect“ anzubieten. Ihre Kundinnen rufen an, lassen sich beraten und holen sich die Ware dann kontaktlos ab. Der erste Vorgeschmack auf die Frühjahrs- und Sommerkollektion ist bereits eingetroffen.

Claudia Winnefeld nutzt die Gelegenheit, um ihr Ladenlokal mit der neuen Ware, frischer Dekoration „und Überraschungen“ bestmöglich auf die Zeit nach dem Lockdown vorzubereiten.

Ob die Wiedereröffnung am 15. Februar möglich sein wird, kann derzeit niemand seriös vorhersagen, zu unsicher ist die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie. „Aber wir fokussieren uns darauf“, sagt Winnefeld.

Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. „Ich möchte auch positive Stimmung verbreiten. Viele meiner Kundinnen sind Stammkundinnen. Sie sagen, es wäre kleiner Albtraum, wenn gerade mein Laden schließen würde.“

Das Modegeschäft von Claudia Winnefeld, Adenauerstraße 8, bietet während des Lockdowns einen Bring- und Abholservice an. Montags bis freitags von 9.30 bis 12 Uhr ist Claudia Winnefeld persönlich und telefonisch unter Tel. (02307) 9410663 erreichbar.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
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