Mit Udo Lindenberg auf Tour von Konzert zu Konzert. Für Maya Woller aus Kamen geht ein Traum in Erfüllung. Sie ist Teil des Chors „Kids on Stage“, der mit Udo vor tausenden Fans abrockt.

Kamen

, 28.07.2019, 13:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

12.000 Zuschauer, die rhythmisch ihre Arme schwenken, als Panik-Rocker Udo Lindenberg die Rockballade „Wir ziehen in den Frieden“ singt. Unterstützt wird er vom Kinder- und Jugendshowchor „Kids on Stage“, dessen Stimmen den hitverdächtigen Refrain in das große Rund der Westfalenhalle tragen. Gänsehautmomente, für die auch Maya Woller aus Kamen sorgt. Die 18-jährige Kamener Gymnasiastin ist eine der jugendlichen Sängerinnen, die gerade auf der großen LED-Wand zu sehen ist, mit dem Mikro in der Hand, daneben ein in knalligen Farben schillerndes Peace-Zeichen.

Mit Udo Lindenberg auf der Bühne: Vor Zehntausenden abgerockt! Jetzt mit Musikvideo!

Maya Woller groß im Bild bei Lindenbergs Liveshowkonzert in der Lanxess Arena in Köln. Gerade wird sie vor tausenden Zuschauern groß auf die LED-Wand projiziert. © Privat

Maya Woller ist eine von 40 Stimmen jenes Chors, den Udo Lindenberg liebevoll als seinen „Straßenkinderchor“ bezeichnet. Wochenlang sind die Junioren mit im Boot, immer zwischen Bühne und Hotel. Dazu gehören auch die Düsseldorfer Kim (19), Valerie (21) und Emily (16), die mit Maya in Dortmund auf der Bühne stehen. „Wir sind ein echtes Team. Wie eine zweite Familie“, sagt Kim, die in Düsseldorf Jura studiert. Die Vier stellen sich den Fragen unserer Redaktion, um von dem eindrucksvollen Chor, der jetzt auch eine CD unter dem Titel „Generation Morgen“ veröffentlicht hat, zu berichten. Während es für Kim, Valerie und Emily schon die fünfte Lindenberg-Tour ist, die sie mit dem Chor begleiten, erlebt Maya das zum ersten Mal. „Ein unfassbares Gefühl, da oben auf der Bühne zu stehen“, sagt die Kamenerin, die leidenschaftlich gern singt, vor allem Soul und Pop, und dafür auch Gesangsunterricht genommen hat. Als es im Frühjahr zum Casting für die Show ging, hatte sie nicht damit gerechnet, dass sie gleich eine Zusage erhält. Doch die erhielt sie: Für einen von drei mehrwöchigen Blöcken der Tour, die deswegen aufgeteilt ist, damit die Junioren abgelöst werden können. Denn mehr als drei Wochen auf Achse, das ist nur was für die Profis rund um den markanten Altrocker mit den Eierlikör geölten Stimmbändern.

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Udo Lindenberg zu Beginn des Konzerts im Anflug aus dem Panik-Universum direkt in die Dortmunder Westfalenhalle. Maya Woller steht da schon mit den „Kids on Stage“ für den Auftritt bereit. © Schaper

„Man sieht diese Menschenmenge, echt krass!“

Und in der Tat: Lindenberg, der 73-Jährige mit den elastischen Beinen, wirkt fit wie Turnschuh, nicht ganz so fit wie bei der Tour vor zwei Jahren, aber er muss ja noch Kräfte sparen, weil er, wie er an dem Abend in Dortmund ankündigt, auch noch in 30 Jahren im Club der Hundertjährigen da oben stehen will. Maya, die gerade ihr Fachabi am Gymnasium Kamen gebaut hat, blickt freilich nicht so weit in ihre Konzert-Zukunft. Sie steht in mehr als zehn Konzerten auf der Bühne - der Start erfolgt in Hamburg, dann geht es über Hannover, Köln, Mannheim, Stuttgart und Oberhausen nach Dortmund. Dort gibt es, wie in anderen Städten auch, zwei Konzerte hintereinander. Und wie ist es dort oben auf der Bühne vor tausenden Zuschauern? „Unfassbar!“, ruft sie. „Am Anfang hat man natürlich ein bisschen Angst. Doch wenn man merkt, wie einem die Leute zujubeln, löst sich die Anspannung, dann macht das richtig Spaß.“ Valerie, die Biochemie in Düsseldorf studiert, bestätigt das: „Wenn die Scheinwerfer auf uns gerichtet sind, dann kann man zwar vorn nur die ersten Reihen sehen. Aber wenn dann mal zwischenzeitlich aufgeblendet wird und man sieht, dass es so eine Menge ist, ist das echt krass.“

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Generation Morgen heißt die neue CD des Chors „Kids on Stage“. © Privat

Über „Spinatköpfe“ beim Soundcheck lustig gemacht

Die Jungs und Mädchen von „Kids on Stage“ stehen nicht nur einmal an dem Abend auf der Bühne, sondern gleich mehrfach. Nebelkanonen zischen, Flammenwerfer heizen ein, ein Goldstreifenregen legt sich über das Publikum. Emotional wird es bei „Wozu sind Kriege da?“, wilder bei „Honky Tonky Show“ oder „Candy Jane“. Chorgesang auch beim Klassiker „Sonderzug nach Pankow“ und bei „Du heißt jetzt Jeremias“. Bei der wilden Performance zu „Candy Jane“, so die Sängerinnen, könnte man auch mal länger den Blick ins Publikum werfen. „Wir dürfen einfach wild herum tanzen. Dafür ist weniger Konzentration notwendig und man kriegt auch was von der Stimmung mit.“ Dann haben sie auch ihre grünen Perücken auf und wirken, als wären sie einem bunten Comicstreifen entsprungen. „Darüber hat Udo schon seine Witze gemacht und uns beim Soundcheck Spinatköpfe genannt. Aber wir haben ihn natürlich zurückverarscht!“

Lindenberg, die fleischgewordene Kunstfigur

Überhaupt Lindenberg, die fleischgewordene Kunstfigur. Keiner mit Starallüren, wie die Chorsängerinnen versichern. „Er gibt nicht den Chef, ist immer total entspannt und wirkt wie ein Teil des großen Teams“, sagt Schülerin Emily, die schon mit drei Jahren bei „Kids on Stage“ angefangen hat - weil ihre Schwester schon dabei war. Man spüre deutlich, so die Mädchen, dass es Lindenberg nicht wichtig sei, dass sich alles nur um ihn drehe. „Ihm geht es auch um die Anderen, dass sie gut performen können.“ Eben wie „Kids on Stage“. Auch von den anderen Künstlern, die bei den Touren waren, egal ob Clouseau oder Otto Waalkes, sei der Chor voll akzeptiert - „da sagt niemand, da singt jetzt der Kinderchor“. Und auch Maya stellte fest, dass all die namhaften Künstler ziemlich unkompliziert sind. Sie hofft, dass sie vielleicht auch nächstes Jahr auf der Bühne steht, wenn die Tour verlängert wird. Noch ein bisschen Honky Tonk Show? Maya wäre dabei!

Auch bei Christina Stürmer und Stefanie Heinzmann

Kids on Stage

  • „Kids on Stage“ bezeichnet sich nicht nur als Kinder- und Jugendshowchor mit Sitz in Düsseldorf und Hamburg. Er sieht sich auch als große Familie aus Kids und Teens im Alter von 6 bis 25 Jahren.
  • Seit 20 Jahren singen die „Kids on Stage“ unter der Leitung von Michele Huesmann live und im Studio für die Stars der Pop- wie auch der Kindermusikszene.
  • Die Kids sind außer bei Udo Lindenberg auf Alben von Christina Stürmer, Stefanie Heinzmann, Xavier Naidoo, Daniel Wirtz, Andre Rieu oder Vicky Leandros sowie auf Produktionen von Volker Rosin, Rolf Zuckowski, Tom Lehel, Frank und seine Freunde oder Familie Sonntag zu hören. Im TV sind sie gern gesehene Gäste großer Shows wie Ein Herz für Kinder, Stars mit Herz, Schlag den Raab, der Bambi-Verleihung, The Dome oder MTV Unplugged.
  • Mit „Generation Morgen“, dem ersten eigenen Album der „Kids on Stage“, und der ersten Singleauskopplung „Himmelsläufer“ setzt die rund 40-köpfige Truppe „einen so bisher ungehörten Pop- und Rockakzent in der Familienmusik“, wie der Chor wirbt.
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