Die Polizei war mit drei Streifenwagen im Einsatz. © Carsten Fischer
Polizeieinsatz

Mit Stichwaffe und Lanze: Mann rastet auf Kamener Marktplatz aus

Auf dem Kamener Marktplatz kehrt keine Ruhe ein: Ein polizeibekannter Mann ist erneut in aller Öffentlichkeit ausgerastet. Diesmal schwingt er eine Metallstange als Stichwaffe und einen Schilderpfosten als Lanze.

Szenen wie bei einem Amoklauf mit einer Stichwaffe in einer Fußgängerzone spielten sich am Dienstagnachmittag auf dem Kamener Marktplatz ab: Ein Mann fuchtelte schreiend mitten auf dem Platz mit einer langen, dünnen Metallstange herum, die in der Sonne blitzte. Außerdem riss er ein Verkehrsschild aus der Verankerung und schwenkte es bedrohlich wie eine Lanze.

Seniorin wählte den Notruf

Während Passanten nicht ausschließen konnten, dass der Aggressor jeden Moment wahllos auf andere Menschen einsticht oder einschlägt, und den Notruf wählten, richteten sich die Aggressionen des Ausgerasteten offenbar gegen einen bestimmten Mann. Diesen versuchte er mit der Verkehrsschild-Lanze und mit der Metallstange zu treffen. Der Angegriffene wich jedoch zurück und blieb unverletzt. „Das war nicht spaßig“, sagte eine 75-jährige Seniorin, die beim Anblick der beängstigenden Szenen den Notruf wählte.

Angreifer flüchtet auf dem Fahrrad

Offenbar von mehreren Zeugen alarmiert, war ein Streifenwagen mit drei Polizistinnen und Polizisten binnen Minuten zur Stelle, zwei weitere Streifenwagen mit weiteren mindestens fünf Beamten folgten. Bevor die Polizei erschien, hatte der Lanzen- und Metallstangen-Schwinger jedoch seine Waffen abgelegt und sich auf ein Fahrrad geschwungen. Er verschwand in Richtung Koepeplatz von der Bildfläche.

Polizisten bei der Befragung von Zeugen am Tatort.
Polizisten bei der Befragung von Zeugen am Tatort. © Carsten Fischer © Carsten Fischer

Aus Aussagen von Zeugen lässt sich der Vorfall rekonstruieren. Demnach hielten sich mehrere Frauen und Männer, die der Trinkerszene zugerechnet werden, an einer Sitzbank neben dem Marktbrunnen auf. Der Mann sei mit seinem Fahrrad vorgefahren und sei in aggressiver Stimmung gewesen, die Metallstange habe er dabei gehabt. „Eine Frau saß dort. Er hat sie so fest geschlagen, dass sie hinter den Mülleimer flog“, sagte ein unbeteiligter Kamener, der den Schlag von der anderen Seite des Marktbrunnens aus beobachtete.

Mann stellt sich schützend vor Frau

Nach dem Angriff auf die Frau soll sich ein Umstehender schützend vor sie gestellt haben. Diesen soll der Mann dann mit der Metallstange und dem Verkehrsschild bedroht und angegriffen haben. Der Angegriffene versuchte, auf Abstand zu dem Aggressor zu bleiben.

Noch während die Polizisten die Zeugen am Tatort befragten, erfuhren die Beamten über Funk, dass Kollegen den mutmaßlichen Angreifer auf der Flucht gefasst hatten. Er wurde in Gewahrsam genommen. Der Mann ist polizeibekannt und war in den vergangenen Wochen schon in zwei andere Vorfälle am Marktbrunnen verwickelt. Einmal schwang er eine Metallkette als Waffe.

Die Frau, die von dem Angreifer ins Gesicht geschlagen wurde, ist eine 30 Jahre alte Kamenerin. Sie sagte, der Mann stelle ihr seit einiger Zeit nach. Zuletzt sei sie von ihm am vorigen Samstag auf offener Straße in der Nähe des Bahnhofs Kamen bedroht worden. Zudem habe er sie am vorigen Freitag vor dem Tedi-Markt am Edelkirchenhof „zusammengetreten“. Sie habe ihn deshalb bei der Polizei angezeigt. Dies sei nicht der erste Vorfall, den sie der Polizei gemeldet habe. „Ich werde von ihm gestalkt“, sagte sie.

Ein älterer Mann, der häufig am Trinker-Treffpunkt zu sehen ist, kennt den mutmaßlichen Stalker als Unruhestifter: „Wir haben Angst vor ihm.“ Und eine Frage ist bei den Umstehenden zu hören: „Warum läuft er noch frei herum?“ Unklar war, wie lange der Tatverdächtige im Polizeigewahrsam bleibt. Die Polizei erteilte allen Anwesenden einen Platzverweis. Städtische Ordnungshüter waren nicht an dem Einsatz beteiligt.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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