Der Künstler Denis Klatt begleitet den Rennzirkus, um am Rande der Boxengasse Bilder zu fertigen. Erster prominenter Kunde ist ein kalifornischer NBA-Star. Aber auch Hamilton blickte ihm über die Schulter.

Kamen

, 11.10.2018, 16:04 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wenn die Formel 1 in Kamen anbremst, dann ist das ein richtiger Hingucker. Aktionskünstler Denis Klatt dirigiert mit feinen Sprühstößen die Farbdose über die Fassade des Wohn- und Geschäftshauses am Markt 15. Mehrere Meter breit und hoch ist das Graffiti, das in den vergangenen Tagen am Alten Markt entstanden ist. Es zeigt einen durchzugskräftigen Rennwagen, und es weist hin auf die Formel1-Ausstellung, die am Samstag, 13. Oktober, in der Galerie „Zeitlos“ eröffnet wird.

Formel 1: Mit schnellster Kunst der Welt in Kamen angebremst

Denis Klatt beginnt sein Werk. Mit einem Beamer wirft er die Konturen an die Wand. © Borys Sarad

Die Bremsen gelöst

Dreitagebart, gesprenkeltes Textil, ein nach hinten gedrehtes Käppi. Denis Klatt, 40 Jahre alt, ist Dortmunder Künstler mit Wurzeln in Bergkamen. Zwischen 2004 und 2008 gehörte er dem Künstlerbund „Schieferturm“ an. Doch seit diesem Jahr sind für ihn alle lokalen Bremsen gelöst, seitdem er dem engen Kreis des Formel1-Zirkus‘ angehört. Plötzlich in einer Reihe mit Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen. Zumindest fast. Denn er malt live Bilder mit temporeichen Renn-Motiven. Live-Painting in der VIP-Lounge, zu der zahlungskräftiges Publikum, Promis, Fahrer und deren Familien Zutritt haben. „Das ist mega-spannend. Aber von den Rennen bekomme ich wenig mit. Das ist, als wenn man beim BVB im Stadion wäre, aber bei dem Spiel kellnern müsste“, sagt er lachend. Aber er kellnert nicht, sondern malt ausgesprochen virtuos. Ein Bild wirft er gerade an die Wand in Kamen, um die Formel1-Ausstellung, bei der auch der Motorsport-Künstler Armin Flossdorf dabei ist, anzukündigen.

Formel 1: Mit schnellster Kunst der Welt in Kamen angebremst

Die Konturen des Boliden hat Denis Klatt mithilfe eines Beamers an die Wand gebracht. Jetzt vollendete er das Werk mit dem Rennwagen des früheren Formel1-Stars Ayrton Senna. Am Samstag zeigt er weitere Bilder, die direkt an den Rennstrecken entstanden. © Borys Sarad

Hamilton getroffen

Die Kunst am Rande der Bande, besser: am Rande der Piste, bleibt nicht unbemerkt. Lewis Hamilton stand an seiner Seite, um ihn bei der Arbeit zu beobachten, Vettels Ehefrau Hanna Prater sprach mit ihm über seine Arbeitsweise. An drei Rennen dieser Saison war er dabei – in Hockenheim, Budapest und Spa. Das Dröhnen der Motoren immer in den Ohren. „Beim letzten Rennen war es plötzlich so laut, dass mein Herz einen Satz gemacht hat. Ich dachte, das wäre ein Düsenjet“, schmunzelt er, weil er es für wahrscheinlicher hielt, dass der Lärm von einem Rennwagen erzeugt wurde. „Aber es war wirklich ein Flugzeug, das im Tiefflug unterwegs war.“ Die ersten Minuten, die er an der Strecke wirkte, so sagt er, seien aufregend gewesen – die Hände zittrig im Angesicht der elitären Umgebung. „Aber dann war ich schnell wieder locker.“

Sein Auftrag ist eigentlich, binnen einer Stunde ein Formel1-Bild anzufertigen. „Das muss dann schnell und effektiv passieren“, sagt er. Eben wie an der Rennstrecke. Sprühdose und sogenannte Marker (Malstifte auf Acrylbasis, die sich der Sprühdosen-Farbpalette anpassen) sind seine Werkzeuge. In seinem Dortmunder Atelier probierte er vor seinem ersten Auftritt aus, ob er es schafft, die Frist von einer Stunde zu halten. „Ich schaffte es. Aber als ich dann vor Ort war, hieß es: Sie haben heute vier Stunden Zeit!“

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Anatomie-Studien

Einen Rennwagen zu malen, das erscheint nicht schwierig. Es sei denn, man muss das Tempo einfangen und die zahlreichen technischen Details. „Ich habe regelrechte Anatomie-Studien betrieben, um zu verstehen, was das alles ist“, sagt Klatt über die viele Technik, aus der ein Rennwagen zusammengesetzt ist. Auf die Wand der Galerie „Zeitlos“ hat er ein älteres Modell gebannt – einen Honda-McLaren des 1994 tödlich verunglückten Rennfahrers Ayrton Senna. Die Konturen hat er mithilfe eines Beamers an die Wand geworfen. Anschließend beginnt die Arbeit mit Sprühdose und Markern. Damit er freihändig arbeiten kann und trotzdem auf seine Vorlage auf dem Smartphone blicken kann, hat er aus Holzstücken einen selbst konstruierten Halter für den Gürtel gezimmert, der auch eine Powerbank trägt.

NBA-Star erster Kunde

Und so sind bereits einige Bilder entstanden, die nun weltweit mit dem Formel1-Zirkus mitreisen und ausgestellt werden, auch wenn er nicht dabei ist. Denn alle Rennen – wie in Tokio oder Mexiko – besucht er nicht, aus Kostengründen. Die Reisen muss er selbst bezahlen. Und dennoch feiert auch er Erfolge wie Hamilton und Co: In Budapest verkaufte er gleich zwei Bilder an den ehemaligen NBA-Basketballer Metta World Peace von den Los Angeles Lakers, der auch als Rapper aktiv ist.

Und so sind nun zwei seiner Formel1-Werke per Luftfracht – schneller als jeder Formel1-Bolide – auf dem Weg nach Kalifornien.

Formel 1: Mit schnellster Kunst der Welt in Kamen angebremst

Paul Pierce von den Boston Celtics (M.) kämpft um den Ball gegen Sasha Vujacic und Ron Artest von den Los Angeles Lakers. Artest ist der erste Kunden für die Formel1-Kunst des Kameners Denis Klatt. © dpa

Der NBA-Star Metta Wold Peace

Ron Artest, wie er eigentlich heißt, wurde 1999 von den Chicago Bulls an 16. Stelle der ersten Auswahlrunde gedraftet. Für seine Leistungen im ersten Profijahr wurde er 2000 in das NBA All-Rookie Second Team berufen. Es folgten Stationen bei den Indiana Pacers, Sacramento Kings, Houston Rockets, New York Knicks und – unterbrochen durch Ausflüge in die chinesische und italienische Liga – den Los Angeles Lakers.

Der Forward gilt als einer der besten Verteidiger der National Basketball Association (NBA) und wurde dafür nach der Saison 2003/04 zum „NBA Defensive Player of the Year“ vor Ben Wallace von den Detroit Pistons gewählt. Artest machte immer wieder durch Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam. In der Saison 2004/2005 rastete er während einer Partie bei den Pistons aus und schlug auf die Zuschauer ein, nachdem er zuvor provoziert und mit einem Becher Bier beworfen worden war. Aufgrund dessen musste Artest die Rekord-Sperre von 73 Spielen verbüßen (Rest der Saison 2004/05 + Playoffs). Anfang der Saison 2005/06 sorgte er für den nächsten Skandal, indem er einen Trade zu einem anderen Team forderte. Daraufhin wurde er von seinem Club suspendiert. Am 25. Januar 2005 einigten sich schließlich die Pacers mit den Sacramento Kings auf einen Tausch, der ihn im Tausch für den dreimaligen All-Star Predrag Stojaković nach Sacramento schickte. Im September 2011 ließ Artest seinen Namen in „Metta World Peace“ ändern. Dabei ist Metta, ein aus dem Buddhismus stammender Begriff für Freundschaft und Liebe, der Vorname, World Peace („Weltfriede“) der Nachname.

Die Ausstellung „Formel1-Kunst in Kamen“ beginnt am Samstag, 13. Oktober, um 17 Uhr, Markt 15. Am Samstag, 13. Oktober, gibt es nicht nur Sportwagen in zwei Dimensionen. Auch echte McLaren und Porsche werden vor der Galerie geparkt.
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