Mit neuer Erfindung auf Sand gebaut: Darum ist das Sandwerk Kamen jetzt Vorbild in Hamburg

dzGWA und Klimaschutz

Am Wertstoffhof aus gewöhnlicher Erde hochwertigen Sand machen. Das Sandwerk, eine Erfindung aus Kamen, sorgt überregional für Furore: Hamburg baut eine Kopie und will viel CO2 einsparen.

Kamen

, 17.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wird so lange geschüttelt und gerüttelt, bis nur noch feinkörniger Sand übrig bleibt. Das Sandwerk in Kamen, das am Heeren-Werver Wertstoffhof aus gewöhnlicher Erde Sand in Baustellen-Qualität herstellt, ist nun Vorbild in der Hansestadt Hamburg. „Vor anderthalb Jahren war eine Delegation bei uns vor Ort, jetzt ist in Hamburg der Bau der Anlage in Auftrag gegeben worden“, berichtet Andreas Hellmich, Sprecher der kreiseigenen Abfallgesellschaft GWA.

In Hamburg soll dabei etwas gelingen, was vor Ort noch nicht so gut klappt: Den Recycling-Sand gleich wieder zu verwenden. Zum Beispiel auf Baustellen für den Rohrleitungsbau. Dafür wurde im dortigen Rathaus sogar die „Fachanweisung für Aufgrabungen in öffentlichen Wegen“ geändert.

Die Sandwerk-Geschäftsführer Ulrich Drolshagen (l.) und Martin Döbber (r.) zusammen mit Ludwig Holzbeck und dem Umweltpreis, die die GWA-Tochter, die  „GWM-Sand“ heißt, erhalten hat.

Die Sandwerk-Geschäftsführer Ulrich Drolshagen (l.) und Martin Döbber (M.) zusammen mit Ludwig Holzbeck und einem Umweltpreis, der nach Heeren-Werve geht. © Stefan Milk

Überzeugungsarbeit für ein Qualitätsprodukt

In der Baubranche vor Ort muss hingegen noch Überzeugungsarbeit für das Qualitätsprodukt „made in Heeren-Werve“ geleistet werden. Statt möglicher 20.000 Tonnen Recycling-Sand verlassen in diesem Jahr lediglich 8.000 Tonnen das Werk in Heeren-Werve.

Hellmich macht dafür vor allem die Ausschreibungen in den einzelnen Kommunen und Gewohnheiten der Bauunternehmen verantwortlich. „Es müsste die Bereitschaft vorhanden sein, in den Ausschreibungen Recycling-Sand zu nennen. Unternehmen müssten alte Verhaltensweisen ändern.“

Sand, der aus deponiertem Mutterboden gewonnen wird. In Heeren-Werve ist eine Verfahren ausgetüftelt worden, das Vorbildcharakter hat.

Sand, der aus deponiertem Mutterboden gewonnen wird. In Heeren-Werve ist ein Verfahren ausgetüftelt worden, das Vorbildcharakter hat. © Marcel Drawe

Ressourcen schonen und CO2 einsparen

In Hamburg ist man überzeugt davon, dass die neue Bodenrecyclinganlage dabei helfen wird, Ressourcen zu schonen und CO2 einzusparen. Der dortige Umweltsenator Jens Kerstan (Bündnisgrüne) sagte. „Die Bodenentsorgung nach Baggerarbeiten kann bei vielen Bauvorhaben ein Kostentreiber sein und für einen hohen CO2-Ausstoß beim Transport sorgen.“

Allein bei „Stromnetz Hamburg“ fallen nach Angaben des städtischen Verteilnetzbetreibers jährlich zwischen 20.000 und 40.000 Tonnen Bodenmaterial an. Außerdem muss unbelasteter Sand gekauft und herangeschafft werden, um die Gräben mit den Leitungen wieder zu füllen. Die Erfindung aus Kamen soll das ändern.

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Das Sandwerk in Kamen

Umweltpreis geht nach Kamen

Ein Umweltpreis könnte jetzt auch in Kamen und Umgebung dafür sorgen, dass die Branche stärker auf den Recycling-Sand aufmerksam wird. Aus bundesweit 370 Bewerbern wurde das Sandwerk ausgewählt und als „Projekt Nachhaltigkeit 2020“ ausgezeichnet.

Die Jury, so heißt es in der Begründung, sei der Überzeugung, dass das Projekt „einen besonders großen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Region und darüber hinaus leistet.“

Die GWA und der Versorger Gelsenwasser sind jeweils zu 50 Prozent an der Gesellschaft zur Weiterverwendung von Mineralstoffen (GWM) beteiligt. Gelsenwasser benötigt den Sand vor allem zum Einbau seiner Wasserrohrleitungen.

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