Kampf dem Plastikmüll: Diese Kamenerin schmiedet ein Bündnis gegen den Einweg-Wahnsinn

dzPlastikmüll

Hier ein Coffee-to-go, da eine Tüte aus dem Fast-Food-Restaurant, schnell gekauft, schnell wieder weggeworfen: Wir haben ein riesiges (Müll-)Problem. Eine Kamenerin schmiedet jetzt ein Aktionsbündnis gegen Plastikmüll-

Kamen

, 04.03.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf dem Weg ins Büro noch einen Coffee-to-go. Heiß gebrüht, Deckel drauf und den Becher dann im nächsten Abfalleimer entsorgt. So nicht! Umweltberaterin Jutta Eickelpasch, seit 23 Jahren in der Kamener Verbraucherzentrale aktiv, hat genug von dem gedankenlosen Einweg-Konsum. Und will vor Ort ein Aktionsbündnis schmieden, an dem sich Schulen, Jugendzentren und interessierte Einrichtungen beteiligen können. Sie bereitet gerade ein erstes Treffen vor, das im zweiten Jahresquartal stattfinden soll. Mitstreiter werden gesucht.

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Wie man Einwegmüll vermeidet

Es geht nicht nur um Coffee-to-go. Sondern auch um Plastiktüten, beschichtete Pizzakartons, Pommesschalen und Wasser aus der Plastik-Einwegflasche. „So wird der Kaffeebecher nach 15 Minuten zu Abfall, der meist nicht recycelt wird, weil der leere Becher in einem Mülleimer in der Stadt landet.“ Dabei sei es durchaus auch cool und trendy, auf Mehrweg zu setzen. „Der Kaffeebecher kann durchaus ein Statussymbol sein, wenn er individuell gestaltet ist. Man hat einen persönlichen Bezug“, deutet sie auf einige Behälter, die sie selbst in Gebrauch hat. Einen aus Edelstahl, einen anderen mit einer raffinierten Prägung. „Das sind Dinge, die man auch schätzt.“ Das gelte selbst für Kinder und Jugendliche, die in der Schule sogenannte Emil-Flaschen, wiederbefüllbare Glasflaschen, verwenden. „Da hat man Spaß an schönen Materialien, das ist doch viel schöner! Und die Freunde sagen oftmals: Sowas will ich auch haben!“

Jutta Eickelpasch mit den Mehrwegbechern, die man individuell gestalten kann.

Jutta Eickelpasch mit den Mehrwegbechern, die man individuell gestalten kann.

Die Kaffee-Brüher machen mit

In der Praxis, so hat sie festgestellt, könne man in Kamen selbst beim Coffee-to-go problemlos auf Mehrweg setzen. An 22 Standorten – Bäckereien, Supermärkten, Fastfood-Restaurants und Tankstellen – hat sie den Test gemacht. Und an 20 Stellen floss der Kaffee direkt in ihren eigenen Becher – und nicht in Plastik. „Und einige haben mitgemacht, obwohl die Vorgaben der Zentralen das gar nicht vorsehen“, berichtet sie. Und die meisten hätten gerne mitgemacht.

Ingeborg Repenning benutzt stets selbst gestrickte Beutel zum Einkaufen. Plastik kommt der Kamenerin nicht in die Tüte.

Ingeborg Repenning benutzt stets selbst gestrickte Beutel zum Einkaufen. Plastik kommt der Kamenerin nicht in die Tüte. © Stefan Milk

Auf Plastiktüten verzichten, aber wie?

Wer zum Einkauf unterwegs ist und nebenbei aus dem trendigen Einweg-Becher seinen Kaffee schlürft, der kann auch gleich auf die Plastiktüte verzichten. Doch das klappe, so weiß die Umweltberaterin, im Alltag nicht immer, obwohl es sich viele immer wieder vornehmen würden. „Wenn ich die Stoffbeutel zuhause lasse, dann kann ich sie nicht benutzen“, mahnt Eickelpasch. Deswegen sollte man immer Stoffbeutel im Kofferraum haben. „Das ist eine reine Gewohnheitssache“, ermuntert sie. Ingeburg Repenning, die in Kamen-Mitte wohnt und alle Einkäufe zu Fuß erledigt, ist so jemand, der voll und ganz auf Stoffbeutel setzt. „Sogar passend zur Baskenmütze“, lacht sie und zeigt verschiedene Modelle, verziert mit Mustern oder aufgestickten Blüten. „Gestrickt von meiner Tochter, passend zur Kleidung“, freut sie sich.

Daten zum Müll

222 Kilo pro Kopf

  • In Deutschland werden immer mehr Verpackungen verbraucht. Im Jahr über 18 Millionen Tonnen oder 222 Kilogramm pro Kopf. Das hat das Bundesumweltamt ermittelt.
  • Verpackungen aus Kunststoff sind besonders beliebt. Ihre Verwendung hat sich seit 1995 fast verdoppelt.
  • Serviceverpackungen, also alle Verpackungen, in denen Lebensmittel, Getränke oder Gerichte direkt im Geschäft, in der Bäckerei oder in der Imbissbude verpackt werden, haben seit dem Jahr 2000 um fast 40 Prozent zugenommen.
  • Die Menge der Pizza-Kartons hat sich verdoppelt und die Menge der Getränkebecher mit Zubehör ist laut Verbraucherzentrale um 245 Prozent angestiegen.
  • Wer bei dem Aktionsbündnis mitmachen möchte, melde sich an der Kirchstraße 7, Telefon: (02307) 43801-01. Öffnungszeiten montags 9 bis 13.30 Uhr, dienstags 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, mittwochs geschlossen, donnerstags 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, freitags 9 bis 13.30 Uhr.

Als Gegner von Plastikprodukten hat die 82-Jährige auch keine Scheu, jüngere Leute anzusprechen und für Stoffbeutel zu werben. „Auch in der Fleischerei lasse ich mit die Dinge immer in Papier und Mehrwegboxen mitgeben“, berichtet die frühere Industriekauffrau, die seit 55 Jahren hier lebt. Eine besondere Beziehung hat sie zur Verbraucherzentrale: Im Jahr 1976 zählte sie zu den Gründerinnen der Ortsarbeitsgemeinschaft der Verbraucher, dem Vorgänger der Einrichtung an der Kirchstraße.

Heimat to go. Für mehr Mehrwert beim Mehrweg gibt es auch einen Becher des Hellweger Anzeigers.

Heimat to go. Für mehr Mehrwert beim Mehrweg gibt es auch einen Becher des Hellweger Anzeigers. © Stefan Milk

Das Aktionsbündnis

Für Jutta Eickelpasch ist es durchaus von Wert, auch im Alltag verantwortungsvoll zu handeln. Und das will sie jetzt mit dem Aktionsbündnis ausbauen. Erstes Beispiel am Samstag beim Karnevalszug der Diesterwegschule, die Mehrwegbecher von der GWA bestellte. 500 Stück. „Und ich habe gesagt: Ich spüle mit!“ Gleiches bei einem Theaterstück für Jugendliche in der Konzertaula, wo 300 Mehrwegbecher genutzt wurden. Beim Tag der Offenen Tür in der Villa ZiB am Rathaus soll das am 4. April passieren.

„Wir schätzen doch die Umwelt wert, um den Planeten attraktiv zu halten.“ Und man müsste das nicht nur langfristig sehen, sondern auch als kurzfristiges Ziel benennen. „Jeder kann mitmachen, jeder kann im Kleinen helfen.“

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