Einbrecher am Fenster einer Wohnung (Symbolfoto): Die Pandemie wirkt sich auch auf das Geschäft von Kriminellen aus. © Andrey Popov - stock.adobe.com
Kriminalität

Mit Grafiken: So wirkt sich die Pandemie auf Einbrüche in Kamen und Bergkamen aus

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Die Zahl der Einbrüche ist seither relativ gering, doch die Kriminellen suchen sich freilich andere Betätigungsfelder.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind viele Menschen deutlich häufiger und deutlich länger zuhause, arbeiten am heimischen Schreibtisch statt im Büro oder betreuen die Kinder, wenn sie nicht in die Kita oder Schule gehen können. Die starke Präsenz in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus dürfte Einbrechern ihr „Geschäft“ erschweren, so die Vermutung – und ein Blick in die Einbruchszahlen der vergangenen Jahre sowie eine Einschätzung des Polizeisprechers stützen sie.

„Es besteht sehr wohl ein Zusammenhang zwischen Wohnungseinbrüchen und der Pandemie“, sagt Bernd Pentrop von der Kreispolizeibehörde in Unna. „Es sind deutlich weniger Einbrüche. Ob das nur an der Pandemie liegt, wissen wir nicht. Aber wir führen es vor allem darauf zurück, dass mehr Menschen zuhause sind“, so Pentrop.

Zu erwähnen ist freilich auch, dass sich der Rückgang in absoluten Zahlen nur in Bergkamen ablesen lässt, während in Kamen ein differenzierterer Blick nötig ist.

In Bergkamen sank die Zahl der „erfolgreichen“ Wohnungseinbrüche von 103 im Jahr 2017 über 85 bzw. 86 in den Jahren 2018 und 2019 auf nur noch 62 im Corona-Jahr 2020. Für das laufende Jahr 2021 veröffentlicht die Polizei noch keine Zahlen.

In weiteren 35 Fällen blieb es bei einem Einbruchsversuch; dieser Wert lag in den Vorjahren stets über 40. In die Statistik der Polizei finden freilich nur die Fälle Eingang, in denen auch eine Anzeige erstattet wurde.

Dass weniger eingebrochen wurde und es auch weniger häufig versucht wurde, lässt sich hingegen für Kamen so pauschal nicht sagen. Auch hier gibt es zwar einen Rückgang im Vergleich zum Jahr 2017, als die Polizei noch 96 Wohnungseinbrüche im Stadtgebiet zählte.

Doch die 56 Einbrüche im Jahr 2020 bedeuteten einen leichten Anstieg im Vergleich zu 2019 (+6). Wer näher hinsieht, erkennt freilich, dass 27 von 56 Einbrüchen in Kamen 2020 auf den Zeitraum von Januar bis März entfielen, also vor Ausbruch der Pandemie erfolgten. 31 Einbrüche scheiterten zudem, mehr als 2019 (17) und 2018 (27), aber weniger als 2017 (42).

Allen Jahren ist überdies eines gemein: In der „dunklen“ Jahreszeit, also im Herbst

und Winter, wurde häufiger eingebrochen.

Dass es oft beim Versuch bleibt, führt die Polizei auch auf ihre Präventionsarbeit wie die kostenlose Beratung zum Einbruchschutz zurück.

Die Corona-Pandemie hat sich aber noch auf eine andere Weise auf die polizeiliche Arbeit ausgewirkt. Der Schwerpunkt in der Kriminalitätsbekämpfung hat sich verlagert von Einbruchsdelikten zu Straftaten zum Nachteil älterer Menschen. Damit sind etwa Betrugsversuche wie Anrufe von falschen Polizeibeamten oder der Enkeltrick gemeint, die wiederum in Pandemiezeiten Hochkonjunktur haben. Die Opfer ereilt oft ein schlimmes Schicksal, indem sie ihre gesamten Ersparnisse verlieren.

Hier versucht die Polizei durch Aufklärungsarbeit vor allem unter Senioren gegenzusteuern, kümmert sich aber auch stärker als früher um die Verfolgung der oftmals überörtlich agierenden Täter.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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