Mit den Songs von Max Giesinger, Tim Bendzko und Revolverheld

Die Hochzeit gerettet

Die Zuschauer der Konzertaula Kamen werden Teil der Festgemeinde und studieren die schwungvolle Party-Choreografie ein. Das klangvolle Stück hat aber nur in wenigen Phasen Rettung nötig.

Kamen

, 16.12.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit den  Songs von Max Giesinger, Tim Bendzko und Revolverheld

Maike (Valerie Wilhelm) und Lars (Niklas Lundßien) in den letzten Stunden ihrer Hochzeit, die sie überwiegend singend verbringen mit den Hits der deutschen neuen Singer-Songwriter-Generation. Während die Geschichte zuweilen klamaukig ist, überzeugen die Darsteller mit ausdrucksstarken Stimmen.Drawe © Marcel Drawe

Wenn 650 Zuschauer zur fröhlichen Festgemeinde werden, stehend die Welle machen, mit den Armen wickelnd kreisen und dann dem Brautpaar zuwinken, dann ist die Mission des Abends in der Konzertaula übererfüllt: Nur noch schnell die Hochzeit retten! So lautet der Titel des Stücks des Gute-Laune-Musicals des Paderborner Theaterbetriebs „Großstadt-Entertainment“.

Immer wieder Lacher, rhythmisches Klatschen und Applaus. Das Ensemble um Valerie Wilhelm (Maike) und Niklas Lundßien (Lars) trifft den Nerv des Publikums in der rappelvollen Konzertaula. Zwischendurch gleitet die Geschichte um Maike und Lars dennoch immer mal wieder ins klamaukhafte ab, auch die Witze sind zuweilen eher geschmacklos als pointiert, wenn homophobe Schlachtrufe geschmettert werden.

Doch eigentlich stehen die Songs im Mittelpunkt der Hochzeitsgeschichte, die nur als Klammer dient, um Songs von Max Giesinger, Tim Bendzko, Revolverheld, Silly und Frida Gold zu interpretieren. Ein Höhepunkt das von Mark Forster und Felix Jaehn komponierte Lied „Hör auf die Stimme“, das kreativ umgedichtet wird in „Hör auf die Muddi – ...sie gibt dir Quark, war immer da, auch beim ersten Kuss im Park!“ Wieder rhythmisches Klatschen. Und in der Folge immer wieder sehr gefühlvolle Interpretationen mit sehr guten Stimmen aller sechs Darsteller – nur die Tonanlage ist zunächst etwas kratzig und gibt Anlass zur Nachjustierung.

Die lose um die Lieder gedrechselte Story dreht sich um plötzlich aufkeimende Zweifel kurz vor dem Gang zum Altar – Maike und Lars sind sich ihrer Sache plötzlich nicht mehr sicher, nachdem das Ehevorbereitungsgespräch mit dem schwerhörigen und schlechtsichtigen Pfarrer, der für slapstickartige Einlagen sorgt, abgewickelt ist – und natürlich wird kein noch so abgedroschenes Klerikalklischee ausgelassen. „Verkaufen Sie auch Ablassbriefe?“, fragt Lars kritisch, als sich der mit Kardinalsmütze bekleidete Ortspfarrer als sehr konservativ erweist.

Die Geschichte nimmt mehr und mehr an Schwung auf, mitreißend auch dann, wenn die drei Freunde zusammen schmettern – wie bei „Männer sind Schweine“ von den Ärzten. Intoniert beim Jungesellenabschied im schwarz-gelben Trikot mit dem vielsagenden Aufdruck „Letztes Auswärtsspiel“.

Am Ende tosender Beifall für eine unterhaltsame Hochzeitsrettung. Natürlich lautete die Antwort „Ja!“

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