Viel Gelächter und launige Sprüche bei der Verleihung des Heerener Horns

dzSatirische Feier

Aus dem Heerener Mahl wird das Heerener Neander-Mahl. Ein satirischer Rückblick bei der karitativen Speisung, bei der unter anderem Landesbauministerin Ina Scharrenbach geehrt wird.

Kamen

, 18.01.2019, 22:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zum 24. Mal das Heerener Mahl. Zum 24. Mal neue Preisträger, deren das Horn eines Rindviechs stolz um den Hals baumelt. Hornträger der Nummer 72, 73 und 74 sind Landesbauministerin Ina Scharrenbach, Feuerwehrchef Rainer Balkenhoff und Carmen Heimplatz, ehemalige Zweigstellenleiterin der Heerener Volksbank. Sie standen am Freitagabend im Mittelpunkt der vom Heerener Schweineclub vergebenen Ehrungen im Lutherzentrum, in dem es mit 200 Gäste kuschelig eng wurde.

Wahnwitzig, wortwitzig

Zuvor jedoch wieder zuverlässig viel Gelächter um launige Sprüche, wahnwitzige Gedanken und wortwitzige Einfälle. Freiherr Friedrich-Christian von Plettenberg führte nicht ganz ernst gemeint in den Ortsteil-Alltag vor grauer Vorzeit, genauer: Er beleuchtete das „Heerener Mahl im Lichte der Geschichte der Menschheit“, wie sein satirischer Vortrag lautete. „Ich habe mich oft gefragt, wie ein Heerener Mahl wohl ausgesehen hätte, wenn es früher oder sogar sehr viel früher erfunden und durchgeführt worden wäre“, sagte er schmunzelnd. Es habe Spaß gemacht, diesen Gedanken fortzuspinnen und sich vorzustellen, wie es wäre, „wenn wir in einer völlig anderen Zeit zu Tische säßen“. Und er bat ausdrücklich darum, dass ein jeder seine Vorstellungskraft nutzen sollte, um sich die Szenarien lebendig auszumalen.

Viel Gelächter und launige Sprüche bei der Verleihung des Heerener Horns

Freiherr Friedrich-Christian von Plettenberg hatte das Manuskript dank Heftklammern erstmals immer richtig im Griff. © Marcel Drawe

In der Heerener Höhle

Zum Beispiel jene Höhle, in der 200 Heeren-Wervandertaler um einen großen Steinbrocken herumhockten, um riesige Mengen halbgaren Fleisches von Tieren zu verzehren. „Der Schweineclub wäre eher ein Mammut-Club – und die Auszeichnung würde wohl darin bestehen, die drei besten Jäger vom Stamme der Heeren-Wervandertaler mit den Knochen des letzten Festmahls zu bewerfen.“

Plettenberg springt mehrfach durch die Zeit und landet dann im Mittelalter, wo er Ähnlichkeiten mit der Tafelrunde und deren Ritter ausmacht. In Anspielung an den ehemaligen Pfarrer Herbert Ritter sagte er grinsend. „Wir haben im Schweineclub zwar einen Haufen Bauern, aber nur einen Ritter. Hier wäre erst einmal ein gewisser Nachholbedarf zu versorgen!“

Mit Puderperücken

Zuzeiten des Feudalismus und des Barocks dann ein Heerener Mahl im Zeichen der Dekadenz von Versailles. Eine schöne Vorstellung, wie der Freiherr findet, mit 20-gängigen Menüs und die Jungs vom Schweineclub in knielangen Gehröcken, geschminkten Rotbäckchen und lockigen Puderperücken. Eine am Ende vielleicht dann doch nicht so gute Idee, so Plettenbergs plötzliche Erkenntnis: „Die Epoche mündete in die Französische Revolution, und ich habe partout keine Lust, im neuen Ortsnebenzentrum irgendwann auf der Guillotine zu landen.“

Das Mahl im Jahr 2050

Es gibt aber nicht nur den Blick zurück in eine mögliche Mahl-Historie, sondern auch den Vorausblick mit futuristisch-virtuellem Charme ins Jahr 2050, wo die Einladung über die sozialen Netzwerke verteilt wird und die Kandidaten digital vorgestellt werden – über eine sichere und diskrete App unter Beachtung der Datenschutzgrundverordnung, Version 7b. „Alle Gäste, die sich eingeloggt haben, können sich per Splitscreen in den Gruppen von bis zu 20 Teilnehmern auf einer Heerener-Mahl-Facetime-Session sehen und miteinander chatten“, malt Freiherr Plettenberg ein Zukunftsbild, um dann versöhnlich zu schließen: „Jede Epoche hat ihre Vor- und Nachteile, doch es ist schön, dass unser Heerener Mahl in dieser und keiner anderen Zeit stattfindet als der unsrigen.“

Viel Gelächter und launige Sprüche bei der Verleihung des Heerener Horns

Ein geselliges Ereignis mit großem Unterhaltungsfaktor: Das Heerener Mahl im Lutherzentrum. © Marcel Drawe

Die drei Träger des Heerener Horns

Ina Scharrenbach, 1976 in Kamen geboren, befindet sich, so Plettenberg in seiner Laudatio, seit 2012 als Berufspolitikerin auf einem atemberaubend steilen Karrierepfad, nachdem sie im Jahr 1999 mit nur 23 Jahren für die CDU Mitglied im Stadtrat geworden war. „Ihre Ambitionen zeigten sich schon beim ersten Besuch der Fraktionssitzung, kamen sie doch mit einem Rennrad angefahren, welches vom Lenker, Rahmen und Mechanik auf Triathlon, also multidisziplinärem Extremsport, ausgelegt war.“ Und Plettenberg hat noch andere Anekdoten bei seinen Recherchen über die Preisträgerin gesammelt. „1984, als Achtjährige, übten sie, animiert durch die Leichtathletik-Übertragungen der Olympischen Spiele in Los Angeles im elterlichen Hause Kugelstoßen und zwar mit großen Kohlköpfen.“ Einer dieser Kohlköpfe habe dann folgerichtig die große Scheibe im Gewächshaus des elterlichen Betriebes ruiniert. Plettenbergs Fazit über die Politikerin auch mit Blick auf kommende Herausforderungen: „Keine Angst vor großen Tieren oder Gemüsen!“

Carmen Heimplatz absolvierte ihre Ausbildung ab 1971 bei der Sparkasse in Unna und wechselte später zur Volksbank in die damals neue Filiale in Heeren-Werve. „Das kommt einem Wechsel von Schalke zu Dortmund gleich“, frotzelte Plettenberg: „Sie sind also gewissermaßen der Andreas Möller, der Jens Lehmann und der Rolf Rüssmann der lokalen Bankenbranche in einer Person.“ Nicht nur das: Sie sei auch „Miss Eigenheim“, weil man getrost sagen könne, dass ein Drittel der aufstehenden Wohnbausubstanz in Heeren-Werve über ihren Schreibtisch gegangen sei. Anderlei Finanzierungsgeschäfte seien der Grund, dass in der Heeren-Werver Bauernschaft fast jede Ernte-, Pflege-, Acker- oder Zugmaschine mit zweitem Vornamen Carmen heiße.

Rainer Balkenhoff, seit 1988 Feuerwehrmann in Kamen, hat die Ausbildung zum Feuerwehrmann in zwei statt drei Jahren durchlaufen, wie Plettenbergs Recherchen ergeben haben. „Immer getrieben von dem Bestreben an der Front für ihre Mitmenschen tätig sein zu dürfen, eben genau dort, wo es brennt.“ Dieser Charakter habe dazu geführt, dass er selbst dann zum Einsatz fuhr, als die Ehefrau mit dem ersten Kind in den Wehen lag. Es fügte sich, dass er es nach getaner Dienstpflicht gerade noch rechtzeitig in den Kreißsaal schaffte. „Und so erblickte Ihr erster Sohn den Vater gleich in der dampfenden, blinkenden, rauchigen Uniform“, so Plettenberg. Dies habe zweierlei Folgen gehabt: „Ihr Sohn wurde Feuerwehrmann und im Krankenhaus glaubten alle werdenden Mütter dieser Nacht an Geister, da Sie auf der Suche nach ihrer Gattin, in voller Uniform mit Helm, Leuchtdioden und Atemmaske bedauerlicherweise den richtigen Kreißsaal als letzten besuchten!“

Viel Applaus am Ende für die launige Laudatio und die von Lukas Thiel routiniert moderierte Veranstaltung.

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