Irrweg K3: Die Radtour ist auf der Karte anders als auf den Wegweisern. Das sorgt für Verwirrung. Dennoch bietet die Strecke wunderbare Momente - wie am Wickeder Pleckenbrinksee.

Kamen

, 12.08.2019, 11:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf geht´s! Auf die dritte Strecke der Kamener Kurz-Radtouren. Doch schon nach einem Kilometer gilt es, kräftig auf die Bremse zu gehen. Die Ausschilderung sorgt für Verwirrung. Während die violette Linie auf der Karte Richtung Norden nach Husen führt, zeigen die Wegweiser nach Westen. Der komplette Nordwest-Bereich der Tour ist nicht ausgeschildert. Die Tour ist gekappt. Der Bogen durch Dortmund-Husen fehlt. Stattdessen geht es gleich zur Körne.

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So schön ist Kamen: Unterwegs auf dem K3

Mit dem Rad über Stock, Stein und Irrwege: Jetzt geht`s über den K3 - mit drei Tourvideos!

Unterwegs auf dem K3. Die Karte der Stadt Kamen ist neu aufgelegt worden und gehört zur Tourensammlung von K1 bis K10. © Stadt Kamen


Trotzig der Karte gefolgt und auf Irrweg gelandet

Aber es gibt ja die Karte. Und der folgen wir nun beinahe trotzig und ignorieren den K3-Wegweiser, der geradeaus führt. Stattdessen geht es vom Jägerweg nach rechts in die Birkenstraße mit der Vorbeifahrt an den aufwendig gestalteten Straßenschildern der Straßen Im Rehwinkel, Dachsweg, Fasanenweg und Am Fuchsbau.

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Dann scharf links in die Waldstraße, wo im Februar Rodungsarbeiten in einem Privatwald durchgeführt wurden, weil der Bestand geschädigt war. Schon zu diesem Zeitpunkt hatten die Forstarbeiter große Dürreschäden ausgemacht - noch aus dem Vorjahr. „Die Fichte stirbt aus“, sagten sie, als sie die Bäume fällten. Wer jetzt an die Waldränder blickt, auch später auf der Tour in Wickede - kann so manches Klimaopfer unter den Bäumen entdecken. Jetzt geht es zunächst vorbei an zahlreichen Holzpoltern - so wird das in der Forstwirtschaft sortierte Lang- oder Kurzholz bezeichnet, das nach der Holzernte auf einem Sammelplatz zur Abfuhr bereitliegt.

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K3-Wegweiser an der Körne. Hier verläuft die abgekürzte K3-Route, die auf dem Plan deutlich länger ausgezeichnet ist. Die Extratour führt nach Husen und ist eine schöne Abwechslung. © Janecke

Was auf der Karte steht, ist richtig!

Am Ende der Waldstraße ist Dortmund-Husen schon erreicht. Jetzt heißt es aufpassen. Radwegweiser gibt es nicht mehr, auch keinen Hinweis auf den K3, der ja jetzt ganz woanders herläuft.

Aber wir bleiben stur. Was auf der Karte steht, ist richtig. Also weiter über den südlichen Zipfel der Straße „Im Telgei“ in die Straße „Bauerholz“. Schnell steht man dort vor dem Bahnübergang der Linie Dortmund-Hamm, weil man die Abfahrt links in den Wiedeloh verpasst hat. Egal, man kann auch die Denkmalstraße nehmen. Und erhält noch einen Blick auf die Kirche der Evangelischen Friedenskirchengemeinde Dortmund-Nordost. Das „Haus Lahr“ wird als Einkehrmöglichkeit empfohlen.

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Dann aber wird es erst richtig kompliziert. Denn wenn man der Karte folgt, landet man auf einem gesperrten Betriebsweg des Lippeverbandes: „Betreten verboten“ steht dort. Da es aber einen Trampelpfad neben dem Tor gibt, den offenbar viele Leute nutzen, dauert die Verwirrung nicht lang.

Nach 200 Metern landet man schon wieder auf einem offiziellen Weg: An dem gut ausgebauten Körne-Radweg des Lippeverbandes, der zurück zur Körnebrücke führt, an der der K3 wieder ausgeschildert ist. Hier treffen die Karten-Route und Realität aufeinander! Der kleine Bogen außerhalb der Wegweisung hat sich allemal gelohnt - wer nicht den gesperrten Weg fahren will, kann ihn auch gut umfahren!

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Idyllische Impressionen auf der Körnebrücke in Wasserkurl. Sie führt auf die südliche Strecke in Richtung des Pleckenbrinksees. © Janecke

Nun also der Radweg K3, jetzt aber richtig!

VOM K1 BIS ZUM K10

ZEHN ROUTEN DURCH KAMEN

  • Die K(amener)-Routen 1-9 wurden bereits Anfang der 1980er-Jahre entwickelt. Neue Radwegeverbindungen wie der Seseke-Weg und eine Vielzahl von Verbesserungen im Radwegenetz ermöglichen nunmehr optimierte Strecken. Hinzugekommen ist voriges Jahr die Kulturroute K10 des Kulturkreises Kamen.
  • Die Touren sind alle zwischen 10 und 15 Kilometer lang, berühren auch die Nachbarstädte und -gemeinden und sind etwa in einer Stunde zu bewältigen.
  • Die Nutzung der K-Routentipps ist einfach: Die gewünschte Route – ob nach Länge, Schwierigkeitsgrad oder Sehenswürdigkeit – auswählen, in einer Halterung am Fahrrad-Lenker befestigen oder zwischendurch draufschauen. Schon kann es losgehen. Und wenn es etwas länger sein darf, lassen sich die Routen durch die vielen Überschneidungspunkte kombinieren. Die Karten, die man sich von der Seite der Stadtverwaltung herunterladen kann, sind kompatibel für die gängigen digitalen Endgeräte und Navigationssysteme. Die Downloads, Links und GPS-Daten gibt es unter www.fahrrad-kamen.de.
  • Möglich wurde die neue Ausgabe der Kamener Radkarten durch Fördermittel des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, die die Stadt Kamen als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW (AGFS) erhalten hat. Die neue Fahrradkarte ist im Fachbereich Planung, Bauen und Umwelt im Rathaus der Stadt Kamen erhältlich.

Nun also der K3, jetzt aber richtig. Endlich Wegweiser - und die Karte kann mal auf dem Gepäckträger klemmen bleiben. Idyllischen Wegen folgend führt er über die Körne, Husener Straße, Wickeder Straße und Westraße auf den Pleckenbrink, dort wo eines der Glanzlichter der Tour zu sehen ist. Der relativ unbekannte Pleckenbrinksee.

An einer rustikal überdachten Schautafel kann man sich über das relativ junge Bergsenkungsgewässer, das im Herbst 2007 entstanden ist, informieren. Der grund- und regenwassergespeiste See bedeckt zeitweise eine Fläche von über 5,6 Hektar und ist bis zu 1,5 Meter tief.

Er entstand in einem um 1930 entstandenen Bergsenkungsbereich auf einer landwirtschaftlichen Fläche nach Defekten an der Drainage und der Pumpeinrichtung. „Dadurch entstand in kürzester Zeit ein von Grund- und Regenwasser gespeistes Gewässer, welches sofort von Vögeln, inzwischen aber auch von Teichfröschen, Bergmolchen, Libellen und vielen anderen Wasserinsekten genutzt wird“, heißt es auf der Tafel.

Vögel sind dort abgebildet, die den See als Rast- und Brutplatz nutzen - wie die Schafstelze, der Höckerschwan oder der Kiebitz.

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Unterwegs auf dem K3: Der Pleckenbrinksee ist ein im Herbst 2007 in Dortmund-Wickede entstandenes Bergsenkungsgewässer. Viele Vögel sind dort zu beobachten. © Janecke

Buderussiedlung und Hochschulcampus Unna

Und wieder Obacht. Denn jetzt haben wir nicht aufgepasst, eine Abfahrt verpasst und haben schon das Zentrum von Wickede erreicht. Dann eben zurückgeradelt vorbei an einigen Walkinggruppen, die das ländliche Flair für den Abendsport nutzen.

Über die Wasserkurler Straße erreicht man die Wasserkurler Straße auf Unnaer Gebiet und biegt in die malerische Buderussiedlung mit ihren historischen Siedlungshäusern ein. Auf einer Infotafel erfährt man, dass die ersten 80 Häuser der Bergarbeiterkolonie vor 100 Jahren zum Jahreswechsel 1917/18 fertiggestellt wurden. Wer mehr erfahren möchte?

Auf in den Sattel und durchstarten! In der Siedlung ist übrigens auch die Hochschule Unna zu finden. Auch hier lohnt der Blick auf das modernisierte Gelände.

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Der relativ unbekannte Pleckenbrinksee. An einer rustikal überdachten Schautafel kann man sich über das relativ junge Bergsenkungsgewässer, das im Herbst 2007 entstanden ist, informieren. © Janecke

Nun geht´s über Stock und Stein

Die Irrfahrt zum Anfang, nun ein Weg über Stock und Stein. Der K3 lässt nichts aus. Lässt man die historische Siedlung hinter sich, geht es auf einen schmalen Feldweg, der einen fast aus dem Sattel hebt, wenn man zu schnell fährt.

Dafür gibt es sensationelle Blicke Richtung Sonnenuntergang, wo Licht und Wolken am Himmel ein kleines Lichtkunst-Spektakel veranstalten. Ein lohnenswerter Blick, bevor man Wasserkurl erreicht und fast wieder am Ausgangspunkt ist.

Am Ende sollten etwa über neun Kilometer auf dem Tacho stehen - weil es über Zubringer aus Kamen-Mitte dorthin ging, sind es am Ende etwa 20.

Und dennoch eine schöne Feierabendtour mit kleinen Tücken, die die Fahrt interessant machen!

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So schön ist Kamen: Unterwegs auf dem K1

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