In der Pandemie sind Eltern auf Beratungen und Ansprechpartner angewiesen. Vor allem mit jungen Kindern ist die soziale Isolation schwer zu ertragen, weil der Austausch unter den Familien in dieser Phase wichtig ist. In Anlaufstellen wie die Villa FIB bekommen Eltern Hilfe. © picture alliance/dpa
Familien

Mit Baby auf sich allein gestellt: Ohne Austausch fühlen sich viele Eltern unsicher

Gerade in den ersten Lebensjahren des Kindes ist es für Familien wichtig, sich auszutauschen und auch zu vergleichen. Doch Krabbelgruppen und Co. fallen gerade weg. Für sie gibt es Hilfe.

„Im ersten Lebensjahr vernetzen Eltern sich eigentlich. Jetzt sind viele auf sich allein gestellt“. Nicole Börner kümmert sich im Kamener Rathaus um Familienangelegenheiten und weiß, was diese aktuell bedrückt.

Die Beratungen, die weiterhin angeboten werden, laufen jetzt vor allem telefonisch oder per Mail. Ein Vergleich zum persönlichen Gespräch ist das zwar nicht, aber das Team um Börner spürt, wie wichtig es gerade jetzt ist, für die Familien da zu sein.

Eine Gruppe, die sich gerade viel meldet, sind Familien mit jungen Kindern, die auf sich alleine gestellt sind. „Sie sehen nur sich und ihr Kind. Es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten, wo sie andere Kinder sehen – wie zum Beispiel Krabbelgruppen“, erklärt die Jugendhilfeplanerin.

„Ohne Austausch entsteht Unsicherheit.“ Vor allem Familien mit ersten Kindern wissen schließlich nicht immer, ob sie alles richtig machen oder ihr Kind sich normal entwickelt.

„Familien belastet die soziale Isolation, sie sind auf sich alleine gesellt“, berichtet Ivonne Antzoulatos, Koordinatorin der Villa FIB, die städtischen Anlaufstelle für Familie, Information und Beratung (FIB).

Familien, die Hilfe brauchen, können in der Villa FIB anrufen

Das Team der Villa am Rathausplatz 4 ist für Kamener Familien ist weiter erreichbar und gibt ihr Bestes, um zu helfen. Das können konkrete Tipps für den Alltag zu Hause sein oder Angebote, die die Familien wahrnehmen können – zum Beispiel die Erziehungsberatungsstelle, die sich noch einmal vom Familienbüro unterscheidet. „Manchmal hilft es auch schon, jemanden zum Reden zu haben“, sagt Antzoulatos.

Das Familienbüro der Villa FIB will sich digitaler aufstellen. Koordinatorin Ivonne Antzoulatos, Jugendhilfeplanerin Nicole Börner und Fachbereichsleiter Johannes Gibbels (v.l.) freuen sich außerdem über frisch renovierte Räumlichkeiten, in denen bald Familien begrüßt werden. © Claudia Pott © Claudia Pott

Das Team um Börner und Antzoulatos ist derzeit dabei, das Familienbüro der Villa FIB auszubauen – optisch und inhaltlich. Möglich macht das unter anderem eine Förderung des Landes aus dem Programm „kinderstark – NRW schafft Chancen“. Und so sollen Besucher nach dem Lockdown von einem neuen Ambiente und frisch gestrichenen Wänden begrüßt werden.

Familienbüro der Stadt Kamen will digitaler werden

Die Familien sollen aber künftig nicht mehr nur persönlich erreicht werden, sondern auch digital. „Wir ermitteln aktuell die Bedarfe der Familien. Sie sollen mit einbezogen werden“, erklärt Antzoulatos. Wollen Familien Videoberatungen, besteht Interesse an einer besonderen App? All solche Fragen werden aktuell gestellt und beantwortet, damit das digitale Angebot des Familienbüros erweitert werden kann.

Die Weiterentwicklung soll aber analoge Angebote, die gut angenommen werden, keinesfalls ersetzen, sondern eine Ergänzung sein. „Bindungs- und Erziehungsarbeit lebt von persönlichen Gesprächen“, sagt Börner. Jemandem in die Augen sehen oder tröstend die Hand auf die Schulter legen: Das funktioniert digital nicht.

Die digitalen Möglichkeiten sollen ebenfalls genutzt werden, um mehr Familien zu erreichen – zum Beispiel über die Sozialen Medien. Familien sind nicht auf sich allein gestellt und können sich gerne melden. Gerade jetzt ist das wohl eine wichtige Botschaft.

Villa FIB

Anlaufstelle für Familien

  • Die Villa FIB am Rathausplatz 4 in Kamen steht Familien in den unterschiedlichsten Belangen zur Seit. FIB steht für Familie, Information und Beratung
  • Dienste: Fachberatung Kindertagespflege, Familienhebamme, Familienservice für Familien mit Neugeborenen, Beratung von Familien mit Fluchterfahrung, Schulsozialarbeit und Beratung zu Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket und mehr
  • Kontakt: Offene Sprechstunde : Montag, 10 bis 12 Uhr, und Donnerstag, 15 bis 17 Uhr sowie Termine nach Vereinbarung, Tel. (02307) 148-4100
  • Weitere Informationen unter www.stadt-kamen.de (zu finden unter „Leben und mehr“, „Familie und Jugend“)
Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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