Die Kamener Turmretter müssen weiter auf die Millionensumme für die Sanierung des Förderturms warten. Für das Projekt steht laut einer Vorschlagsliste in diesem Jahr kein Geld zur Verfügung. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.

Kamen

, 11.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unterm Kamener Förderturm wird auch in diesem Jahr wieder gerockt. Die Veranstaltungsmacher um Ulrich Marc planen eine Neuauflage des „Seilfahrt“-Musikfestivals am Schacht Grillo 1. Das Fest mit Livemusik mehrerer Bands auf einer Konzertbühne und begleitenden Aktionen der Monopolisten soll am 6. Juni 2020 stattfinden und erneut Hunderte Besucher auf das sonst unzugängliche ehemalige Zechengelände locken.

Stiftung braucht Geld für Sanierung

Was auf dem Zechengelände sonst noch zu rocken ist: die Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles aus Förderturm und Maschinenhaus. Die Freunde des Kamener Wahrzeichens machen sich Hoffnungen darauf, dass öffentliche Mittel in Millionenhöhe fließen, damit die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur das Sanierungsprojekt in Angriff nehmen kann. Doch nun nährt eine interne Vorschlagsliste Befürchtungen, dass die Turmsanierer erneut leer ausgehen könnten.

Die Industriedenkmal-Stiftung besitzt den rostroten Riesen-Dreibock und das Ziegelhaus mit dem Seilscheiben-Antrieb seit 2016 und beantragte erstmals im Jahr 2018 eine Summe von vier Millionen Euro für die Sanierung. Der Förderantrag ging an das von Ina Scharrenbach (CDU) geleitete Bauministerium und wurde 2019 zum ersten Mal negativ beschieden. 2019 wiederholte die Stiftung ihren Antrag, diesmal für das Städtebau-Förderprogramm 2020. Nun droht offenbar erneut eine Nullrunde.

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Vorschlagsliste ohne Monopol

Zeche Monopol

Sanierungspläne für Grillo 1

  • Am Förderturm, wo 1981 die Kohleförderung eingestellt wurde, ist eine „umfangreiche Sanierung aller Bauteile“ erforderlich, wie es in einem vorläufigen Sanierungskonzept heißt. Dazu kommt beispielsweise der Einbau einer Wendeltreppe, die den Aufgang bis zur Seilscheiben-Ebene ermöglicht.
  • Das Maschinenhaus, ein Würfel aus Ziegeln und Beton, wird vom Keller bis zum Dach ertüchtigt – hinzu kommt beispielsweise der Einbau einer Fluchttreppe und einer WC-Anlage. Eine von zwei Umformer-Anlagen des Seilscheiben-Antriebs wird ausgebaut, mit den Bauteilen wird der andere vervollständigt.

Auf einer Vorschlagsliste für das Städtebauförderprogramm 2020 wird das Kamener Projekt lediglich mit der Förderpriorität B aufgeführt. Dies bedeutet: Das Projekt entspricht zwar den Zielen des Programms, die Unterlagen sind vollständig und prüffähig und der Antrag ist bewilligungsreif; aber bei mehreren Anträgen einer Kommune wird das Projekt nachrangig und/oder „aus Budgetgründen“ bzw. „regionalen Verteilungsgründen“ zweitrangig behandelt.

Die Vorschlagsliste stammt offenbar aus dem Ministerium oder den nachgeordneten Behörden und wurde vor einigen Tagen von der CDU im Regionalverband Ruhrgebiet verbreitet. In dem Dokument ist eine Tabelle mit dem Titel „Einplanung Städtebauförderprogramm NRW 2020“ enthalten. Daraus geht hervor, welche Projekte aus Städten von Ahaus bis Wettringen mit welcher Summe eingeplant sind. Auch Kamen ist gelistet: Mit 48.000 Euro für den Abschluss der Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes und 480.000 Euro für diverse Heerener Projekt vom „Grünen Klassenzimmer“ bis hin zur Umgestaltung des Nebenzentrums. Neben dem Projekte „Zeche Monopol: Sanierung Schacht Grillo“ steht unter „Förderung 2020“ eine schwarze Null. Die Vorschlagsliste wurde laut einem Eintrag zuletzt am 18. Dezember 2019 aktualisiert.

Angesprochen auf die schwarze Null für Monopol in der Vorschlagsliste, verwies eine Sprecherin der Industriedenkmal-Stiftung darauf, dass das Antragsverfahren noch nicht abgeschlossen und das Ergebnis noch nicht bekannt sei. Die Dortmunder Stiftung ist in solchen Antragsverfahren schon erprobt und weiß, dass es einen langen Atem braucht. Es könne manchmal Jahre dauern, bis ein Projekt zum Zuge komme, sagte Stiftungssprecherin Marita Pfeiffer. Unter dem Dach der Stiftung befinden sich mehrere Industriedenkmäler wie die Kokerei Hansa in Dortmund und die Zeche Prosper in Bottrop.

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Bauministerium: Alles ist offen

Das Bauministerium in Düsseldorf will weder bestätigen noch dementieren, dass für die Zeche Monopol kein Geld vorgeschlagen ist. Das Ministerium trage derzeit aus allen fünf Regierungsbezirken die Förderanträge aus 396 Städten und Gemeinden zusammen und werde das diesjährige Förderprogramm im ersten Quartal 2020 bekannt geben, sagte Sprecher Robert Vornholt.

Das Ministerium wird von der Kamenerin Ina Scharrenbach (CDU) geleitet, die sich in einer Doppelrolle befindet. Sie führt das maßgebliche Haus, das für die Verteilung der Städtebaufördermittel zuständig ist, leitet aber auch das Kuratorium der Industriedenkmal-Stiftung. Einen Heimvorteil für Kamener Projekte bedeutet das aber nicht.

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