Zuhause in Methler: Angelina Knipping mit Tochter Rosa und Sohn Henri, den Urenkeln von Rosemarie und Josef Knipping. © Stefan Milk
Stadtteilcheck

Methler: Ein Ort für den Sport, wo Wohnungen knapp sind

Die Knippings wohnen mit vier Generationen in Methler. Auch die Urgroßeltern zogen aus der Großstadt in den Ort im Grünen, der viele Sportmöglichkeiten bietet. Wohnungen sind begehrt.

Rosemarie und Josef Knipping schwärmen davon, wie sie früher mit ihrem Enkelkind Angelina zum „Wasserspielplatz“ in Methler gegangen sind. Inzwischen ist die Enkelin eine 27-jährige Frau und hat mit ihrem Partner Philipp Eckmann zwei Kinder. Und wieder ist die Familie zum Spielplatz spaziert.

„Das ist für mich einer der schönsten Orte in Methler“, sagt Angelina Knipping. Ein Ort, mit dem die junge Mutter angenehme Kindheitserinnerungen verbindet. Ihr zweijähriger Sohn Henri spielt jetzt auf dem Klettergerüst. Bei dem kleinen Ausflug ist auch die sechs Monate alte Tochter Rosa dabei. Für Rosemarie und Josef Knipping ist es eine willkommene Unternehmung mit Enkelin und Urenkeln.

Aus der Großstadt nach Methler

Vier Generationen der Familie wohnen in Methler, einem Ort, dem Angelina Knipping im Stadtteilcheck überwiegend gute Noten gab. „Ich wohne gerne im Dorf“, sagt die angehende Schulreferendarin. Dort ist sie aufgewachsen. Und auch die Großeltern sind inzwischen überzeugt, dass Methler ein idealer Wohnort ist. Die Eheleute haben lange in Dortmund-Brackel gelebt. „Die Kinder wollten immer, dass wir hierher ziehen. Anfangs habe ich mich gesträubt. Heute bin ich froh, dass es so gekommen ist“, sagt der 83-jährige Josef Knipping.

Angelina Knipping: „Der Wasserspielplatz ist für mich der schönste Ort in Methler.“
Angelina Knipping: „Der ,Wasserspielplatz‘ ist für mich der schönste Ort in Methler.“ © Stefan Milk © Stefan Milk

Dass Großstädter nach Methler ziehen, ist für Ortsvorsteher Ulrich Klein nicht neu. Der Wasserkurler hört das immer wieder. Ihn freut, dass Methler im Kamener Stadtteilcheck vergleichsweise gut weggekommen ist. „Im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, dass die Leute zufrieden sind“, sagt er. Der westliche Stadtteil mit seinen Ortslagen Wasserkurl, Kaiserau, Westick und Methler schneidet bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Umfrage in keiner Kategorie schlechter ab als der Stadtdurchschnitt, bei Sportangeboten, Sicherheitsgefühl, Sauberkeit und Grünflächen besser. „Grünflächen hätten wir gern noch ein bisschen mehr, Wald haben wir kaum“, meint Klein. Bei den Sportangeboten sei „für jeden etwas“ dabei. Was den Wasserspielplatz angeht, bedauert er, dass dieser viele Funktionen eingebüßt habe. „Man hat versucht, dies am Leben zu erhalten, aber immer wieder hat es dort Vandalismus gegeben.“

Kreis Unna

Übersicht Stadtteilcheck

Eine Übersicht mit den Ergebnissen aus Kamen, Bergkamen, Unna, Fröndenberg und Holzwickede gibt es bei hellwegeranzeiger.de/stadtteilcheck.

Sportvereine, Kirche, Bürgerhaus

Angelina Knipping vergab für Sportangebote, Seelsorge, Radfahren und – wohl auch wegen des Wasserspielplatzes – für Grünflächen die volle Punktzahl. „Die Corona-Zeit, wo man nicht wegfahren konnte, hat gezeigt, wie viel man auch am eigenen Wohnort mit zwei kleinen Kindern unternehmen kann“, sagt sie und erwähnt dabei auch Angebote der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde, in der sie aktiv ist, und des Bürgerhauses Methler. Für Jugendliche und junge Erwachsene gebe es aber in Methler insgesamt relativ wenig, deshalb vergab sie in der Kategorie „Jugend“ des Stadtteilcheck nur vier von zehn Punkten.

Das wurde gut bewertet

Nahversorgung: Fünf Punkte vergibt Angelina Knipping für die Einkaufsmöglichkeiten – und damit weniger als das Methleraner Ergebnis mit 8,4. Bei der Bewertung kommt es auf die Perspektive an, wie Ortsvorsteher Ulrich Klein feststellt. Wer wie Knipping im alten Dorf Methler wohnt, vermisste die letzte Bäckerei. Auch in Wasserkurl ist das Nahversorgungsangebot schlecht. „Außer Kartoffeln und Eier“, meint Klein mit Blick auf den einen oder anderen Hofladen.

Ortsvorsteher Ulrich Klein. © Stefan Milk © Stefan Milk

Zentrale Bereiche sind durch die Handelsketten Rewe und Norma relativ gut abgedeckt, womit sich Klein die Gesamtnote 8,7 für das Nahversorgungsangebot erklärt. Positiv habe sich wohl ausgewirkt, dass Rewe den Standort an der Einsteinstraße aufgewertet habe. „Der alte Markt lief nicht so gut. Früher fuhren die Methleraner zum Einkaufen nach Husen, jetzt ist es umgekehrt“, meint er. Klein hat gehört, dass sich auch „bei Norma etwas tut“, also eine mögliche Erweiterung ansteht. Wünsche, dass auch Aldi oder Lidl nach Methler kommen, wurden bislang nicht erhört.

Das wurde negativ bewertet

Wohnungsangebot: Nicht jeder kann sich glücklich schätzen, in einem Haus zu wohnen wie Angelina und ihr Partner Philipp Eckmann mit den beiden Kindern. Aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bekommt die Methleranerin mit, dass es schwierig ist, etwas Passendes zu finden. „Sie müssen aus Methler raus.“ Deshalb hat sie das Wohnungsangebot nur mit drei Punkten bewertet, deutlich schlechter als der Durchschnitt der Umfrageteilnehmer (Note: 6,2). Knipping kennt Leute, die darauf hoffen, einen Bauplatz im neuen Baugebiet („Klimaschutzsiedlung“) zu bekommen. Das liegt in Sichtweite der Seniorenwohnung ihrer Großeltern. Der 83-jährige Josef Knipping freut sich schon auf die neuen Nachbarn. „Wo ein bisschen Leben ist, da ist es schön, und wo Kinder sind, da ist Stimmung“, sagt er.

Die hohe Nachfrage nach Wohnungen, die Angelina Knipping zu einer eher schlechte Note für den Wohnungsmarkt veranlasste, kann Ortsvorsteher Klein bestätigen. „Immer wenn Bauland erschlossen wird, ist das sofort weg“, sagt er. Für das neue Baugebiet am Kiebitzweg gebe es „unheimlich viele Bewerber“. Ob weitere Baugebiete ausgewiesen werden, zum Beispiel auf dem ehemaligen Sportplatz an der Heimstraße, ist politisch noch nicht entschieden. Neue Wohnungen seien an Stelle des Hotel-Restaurants „In der Kaiserau“ geplant – eine Entwicklung, die er mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet, weil ein Traditionslokal verschwindet. Das Gastronomieangebot in Methler schneidet im Stadtteilcheck mit der Note 7,2 ab.

Verkehrsbelastung: Die Aussage „Die Belastung durch den Straßenverkehr ist erträglich“ erhält in der Umfrage 6,9 Punkte. Angelina Knipping, die im Dorf wohnt, hat neun Punkte vergeben. Die Belastung durch den Straßenverkehr, etwa an der Wasserkurler Straße, wird von einzelnen Umfrageteilnehmern gezielt angemerkt. Karin Peltzer, eine Seniorin, regt an, dass die Germaniastraße „verkehrsberuhigt“ wird. Das Ergebnis des Umbaus vor einigen Jahren reicht aus ihrer Sicht noch nicht. „Es wird wird da einfach viel zu schnell gefahren, das geht bis nachts ca. 23 Uhr und fängt morgens um 5 Uhr wieder an. Da wäre eine 30er Zone angebracht“, meint sie.

Blick auf das alte Dorf mit der Margaretenkirche – mit Streuobstwiese und Seniorenwohnungen am Pastoratsfeld.
Blick auf das alte Dorf mit der Margaretenkirche – mit Streuobstwiese und Seniorenwohnungen am Pastoratsfeld. © Stefan Milk © Stefan Milk

Tempo 30 für die Germaniastraße ist kein neuer Vorschlag. Die Stadt Kamen riet früher auch unter Verweis, dass dies keine rein städtische Entscheidung ist, von einem solchen Tempolimit ab. Ortsvorsteher Klein meint, dass die bisherigen Radschutzstreifen, Kreisverkehre und Zebrastreifen den Verkehr ausreichend entschleunigt haben. Ob die bundesweite Diskussion über die flächendeckende Einführung von Tempo 30 innerorts auch den Forderungen für die Germaniastraße Rückenwind verleihen könnte, sei schwierig einzuschätzen.

Seit 1968 gehört Methler zu Kamen

  • Methler wurde erstmals im Jahr 989 urkundlich erwähnt. 1967 wurden Westick und Wasserkurl eingemeindet, bevor Methler im Jahr darauf zum Kamener Stadtteil wurde.
  • Methler hat zwei Grundschulen, vier Kindergärten, drei Kirchen und ein reges Vereinsleben. Das Sportcentrum Kaiserau ist Sitz des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen.
  • Die evangelisch-lutherische Margaretenkirche mit dem ältesten Dachstuhl in ganz Westfalen ist ein Zeugnis der Methleraner Geschichte.
Die Kaiserau Sektion 8, heute Röntgenstraße. Das Bild ist auf das Jahr 1965 datiert.
Die Kaiserau Sektion 8, heute Röntgenstraße. Das Bild der Zechensiedlung ist auf das Jahr 1965 datiert. © Archiv Wilfrid Loos © Archiv Wilfrid Loos
Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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