Meisterpflicht für Fliesenleger kommt: Die Qualität könnte steigen und der Preis auch

dzHandwerk in Kamen

In Kamen gibt es über 70 Betriebe, die Fliesen verlegen. Nur sechs davon sind in Meisterhand. Wenn die Meisterpflicht kommt, kann nicht mehr jeder selbstständig werden. Das wird Folgen haben.

13.12.2019, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem die Meisterpflicht im Jahr 2004 für viele Berufe abgeschafft worden war, kehrt sie im kommenden Jahr für zwölf Handwerksberufe zurück. Unter anderem gilt die Pflicht ab 2020 für Fliesenleger. Konnte sich bisher jeder Geselle selbstständig machen, ist das bald nur noch Meistern vorbehalten. Das bringt Vorteile mit sich – aber nicht nur.

Norbert Stecker hat seinen „Fliesen-, Platten- und Mosaikleger“-Meister erlangt. Er führt sein 1932 gegründetes Kamener Unternehmen in der dritten Generation. Stecker begrüßt es, dass die Meisterpflicht zurückkommt. Er ist seit sechs Jahren Lehrlingswart der „Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Innung Hellweg-Lippe“ und nimmt die praktische Prüfung der angehenden Fliesenleger ab.

Den Nachwuchs hat Stecker also im Blick – und auch die Probleme, die immer mehr Fliesenleger haben, welchen zu finden. Die Lage sei wie bei den anderen handwerklichen Berufen auch, sagt Stecker. Umso wichtiger sei es, dass mehr junge Menschen Interesse an handwerklichen Berufe entwickeln und Ausbildungen machen.

Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe begrüßt die Meisterpflicht

Ausbilden dürfen in zulassungspflichtigen Handwerken allerdings nur Meister – und Betriebe, die sich um eine entsprechende Berechtigung bemüht haben. Stecker hofft, dass durch die Zulassungspflicht für Fliesenleger nun mehr Gesellen ihren Meister machen und dann auch selber ausbilden.

Obwohl Stecker sich nicht über mangelnde Aufträge beklagen kann, ist ihm auch die Konkurrenz durch Betriebe ohne Meisterbrief ein Dorn im Auge. Die Betriebe bieten ihre Arbeiten günstiger an. Die Qualität bleibe dafür in manchen Fällen auf der Strecke. Denn „jeder kann sich selbstständig machen“, sagt Stecker. In Kamen und Bergkamen gebe es nur noch wenige Meisterbetriebe.

Das bestätigt Thomas Behrning, Sprecher der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe. Laut Behrning sind 72 Betriebe in Kamen eingetragen – Meisterbetriebe, die auch Mitglied in der Innung sind, gibt es in Kamen nur sechs. Laut Behrning gebe es viele Ein-Mann-Betriebe, die nicht ausbilden. Nachwuchs wird so nicht angelockt.

Meisterpflicht für Fliesenleger kommt: Die Qualität könnte steigen und der Preis auch

Ein Handwerker arbeitet an einem Messestand in Erfurt an Fliesen für ein Bad: Fliesenleger die sich im Jahr 2020 selbstständig machen wollen, müssen einen Meistertitel vorweisen. © dpa

Auch Behrning sieht der Meisterpflicht positiv entgegen. Wie Stecker hofft auch er auf steigende Ausbildungszahlen und steigende Qualität. Es gebe Betriebe, die viele unterschiedliche Leistungen anbieten. Viele Meister haben sich hingegen auf ein Handwerk spezialisiert und sich die Mühe gemacht, einen Kurs und die Prüfung zu absolvieren, obwohl sie es – Stand jetzt – nicht müssen.

Doch einen möglichen Nachteil will Behrning nicht von der Hand weisen. Es kann tatsächlich sein, dass es in ein paar Jahren weniger Betriebe gibt und es schwer ist, dann einen Handwerker zu finden. Dafür gebe es aber mehr Meisterbetriebe, die gute Arbeit leisteten.

Auch Nicht-Meister können motiviert und kompetent sein

Dass Meister ihre Arbeit besser machen, kann man freilich nicht sicher sagen. Vor allem Fliesenleger, die schon lange ohne Meisterbrief im Geschäft sind, dürfte es nicht gefallen, dass die Pflicht aus Gründen der Qualität wieder eingeführt werden soll. Ein Beispiel ist der Kamener Betrieb von Bastian Benedikt Bense. Bense habe mehrere Gesellenprüfungen abgelegt und besuche viele Lehrgänge, sagt Tanja Steiner, eine Sprecherin des Unternehmens.

Ihrer Meinung nach reiche viel Erfahrung aus, um einen Betrieb zu eröffnen – außerdem könne ein Betrieb auch Meister einstellen, um bestimmte Fachkompetenzen abzudecken. Die Fliesenlegerei Bense will zudem im kommenden Jahr den Schein beantragen, um selbst ausbilden zu können. Sie setzt sich dann für den Nachwuchs ein – und das ohne Meistertitel.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger An Seseke, Körne, Mühlbach
Ein Blutsauger wird wieder aktiv: Nach Biss Juckreiz, Schwellungen und kleinere Blutergüsse
Hellweger Anzeiger Wohnen in Kamen
Größere Balkone, neue Fenster und Fassaden: Millionen-Invest der WBG in ihre Mietshäuser
Hellweger Anzeiger Verkehr
Frontalzusammenstoß auf der Lenningser Straße: Fahrer verliert Kontrolle über seinen Wagen