Mehr Strafanzeigen: In Kamen steigt die Kriminalität gegen den Trend

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Weniger Raubüberfälle, weniger Körperverletzungen, aber mehr Diebstähle und Brandstiftungen. Die neue Kriminalstatistik in Kamen liefert ein differenziertes Bild. Im Kreisvergleich schneidet die Sesekestadt schlecht ab.

Kamen

, 04.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst überfiel ein 34-jähriger Kamener am 6. Mai die Bäckerei Braune in der Nordstadt, dann am 10. Mai das Tabak- und Lottogeschäft Jung an der Weststraße. Der Täter wurde gefasst. Zuvor war schon am 21. Februar der benachbarte SB-Bäcker Middelberg beraubt worden – ein bis heute ungeklärter Fall.

Alle drei Raubüberfälle spiegeln sich nun in der Kriminalstatistik des Jahres 2019 für Kamen wider, die Landrat und Polizeichef Michael Makiolla (SPD) vorgelegt hat. Insgesamt verzeichnete die Polizei 27 Raubüberfälle in der Stadt. Mitgezählt sind dabei neben den drei Überfällen auf Geschäfte unter anderem auch vier Handtaschenraube, ein Raubüberfall in einer Wohnung sowie zwölf Überfälle an öffentlichen Orten.

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Diskussion um öffentliche Sicherheit

Die Frage, wie sicher es ist, abends durch die Kamener Innenstadt zu gehen, sorgte im Frühjahr 2019 für Diskussionen. Gastronomen hatten sich über Störungen beklagt, die von verschiedenen Gruppen junger Leute ausgehen, die sich rund um den Alten Markt treffen. Die Polizei stellte eine Häufung von Einsätzen fest, unter anderem wegen Schlägereien.

Die Kriminalstatistik zeigt jetzt ein differenziertes Bild. Die Zahl der Raub- und Körperverletzungsdelikte sowie der Sachbeschädigungen in der Stadt ist rückläufig, während die Zahl der erfassten Sexualstraftaten, Beleidigungen, Bedrohungen, Diebstähle und Brandstiftungen gestiegen ist.

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219 Körperverletzungen wurden in Kamen angezeigt, das sind 56 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der gemeldeten Raubüberfälle sank um acht auf 27 Fälle. Sachbeschädigung wurde in 402 Fällen angezeigt, das sind 18 weniger.

Die Polizei registrierte eine Zunahme bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 15 auf 35 Fälle. Zugenommen haben auch folgende Delikte: 110 Beleidigungen (+12), 104 Fälle von Bedrohung, Stalking, Nötigung und Freiheitsberaubung (+4), 36 Brandstiftungen (+22) und 1235 Diebstähle (+178). Insbesondere die Zahl der Fahrraddiebstähle stieg stark auf 257 Fälle (+92).


Es wird nicht mehr, aber heftiger geprügelt

Alle Straftaten zusammengerechnet, ergibt sich das Bild einer Stadt, in der wieder mehr Kriminalität sichtbar wird. Unter dem Strich gingen in Kamen im vorigen Jahr 2921 Straftaten (+130) in die Statistik ein. Der prozentuale Anstieg um ungefähr 4,7 Prozent ist insofern bemerkenswert, weil in keiner anderen Kommune im Revier der Kreispolizei die erfasste Kriminalität so stark gestiegen ist. Auf die Frage, warum Kamen nicht vom rückläufigen Trend profitieren kann, gibt es noch keine Antwort.

Unter Gewaltkriminalität (u.a. schwere und gefährliche Körperverletzung) fallen 97 Fälle (+24). 919 Taten wurde bei Straßenkriminalität einsortiert (+135). Der jeweilige Anstieg wird unter anderem getrieben von einer erhöhten Zahl schwerer Körperverletzungsdelikte bzw. der gestiegenen Zahl von Diebstählen. Sprich: In Kamen wird nicht mehr, aber heftiger geprügelt, und mehr geklaut.

Alle 400 Jahre ein Einbrecher zu erwarten

Am sichersten können sich die Kamener vermutlich in der eigenen Wohnung fühlen. Mit insgesamt 50 Wohnungseinbrüchen (-15) setzt sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre fort. Noch vor fünf Jahren verzeichnete die Polizei die vierfache Zahl an Wohnungseinbrüchen. Bei schätzungsweise 20.000 Haushalten in Kamen muss man also statistisch gesehen 400 Jahre warten, bis einmal ein Einbrecher die eigene Wohnung heimsucht.

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