Spektakulärer Anblick in der Nacht. Die Kamener Firma Vahle bringt das weltgrößte Riesenrad mit 65.000 LEDs zum Leuchten. © Vahle
Riesen-Attraktion

Mega-Projekt in Dubai: Kamener Firma Vahle baut größtes Riesenrad der Welt

Elektronik-Spezialist Vahle bringt das größte Riesenrad der Welt in Schwung. Mit der Technologie aus Kamen rotiert und leuchtet die neue Attraktion Dubais. Für Vahle ein Millionen-Auftrag.

Kamens Technologie-Firma Vahle dreht am großen Rad und das buchstäblich: Am Riesenrad in Dubai, dem mit mehr als 250 Metern Höhe weltweit größten Riesenrad, für das der heimische Elektronik-Spezialist komplizierte Technik lieferte. Zum Vergleich: das London Eye, größtes Riesenrad Europas, ist 135 Meter hoch. Vahle-Geschäftsführer Achim Dries vermeldete jetzt den Abschluss der aufwendigen Arbeiten an dem Stahl-Koloss, der den Namen Ain Dubai trägt. „Sie waren eine Mammutaufgabe und mit außergewöhnlichen Herausforderungen verbunden“, schildert er.

Mehrere Kilometer Stromschienen aus Kamen sind im Ain Dubai, das am 21. Oktober eröffnet wird, verbaut worden.
Mehrere Kilometer Stromschienen aus Kamen sind im Ain Dubai, das am 21. Oktober eröffnet wird, verbaut worden. © Vahle © Vahle

Technik auch für Achterbahnen oder Free-Fall-Tower

Technik für Achterbahnen oder Free-Fall-Tower. Für vollautomatisierte Straßenbahnen, blitzschnelle Hochhausaufzüge oder wuchtige Containerhafenkrane. Vahle-Technik ist oftmals in ungewöhnlichen Projekten verbaut, für die spezielle Lösungen für die Energiezuführung und Datenübertragung ausgetüftelt werden müssen.

Für das XXL-Riesenrad wurden 15 Kilometer Stromschienen benötigt, die nur für Dubais neue Attraktion entwickelt wurden. Dazu installierten die Vahle-Techniker 100 Doppel- und Einzelstromabnehmer sowie nahezu 100 Schaltschränke. „Diese“, so führt Dries aus, „versorgen 48 Luxus-Kabinen und etwa 65.000 LEDs an den Speichen.“ Wenn es dunkel ist, ein spektakuläres Bild in der eh schon spektakulären Stadt.

Millionenauftrag aus den Vereinigten Arabischen Emiraten

Der größte Industriebetrieb Kamens hatte vor einem Jahr einen massiven Stellenabbau von etwas mehr als 80 Arbeitsplätzen in die Wege geleitet, etwa jeder siebte Arbeitsplatz war betroffen. Der Schritt war mit einer Neuausrichtung, beschleunigt durch die Corona-Krise, begründet worden.

Vahle-Geschäftsführer Achim Dries
Vahle-Geschäftsführer Achim Dries © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Voriges Jahr dann eine aus Kamener Sicht positive Meldung: Vahle übernahm ein Innovations- und Technologiezentrum in Tirol, das in der österreichischen Gemeinde Schwoich im Bezirk Kufstein angesiedelt ist. Ebenso erfreulich für Vahle: Beim jetzigen Projekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten handelt sich um einen Auftrag über mehrere Millionen Euro. Genauere Angaben machte das Unternehmen nicht.

Dubais neues Riesenrad ist fast doppelt so hoch wie das London Eye in der britischen Hauptstadt.
Dubais neues Riesenrad ist fast doppelt so hoch wie das London Eye in der britischen Hauptstadt. © Vahle © Vahle

Auch gegen Blitzeinschlägen gewappnet

Zum Auftrag zählten weitere nicht unwichtige Details, die die Sicherheit der Fahrgäste, die ab 21. Oktober Zuritt haben, gewährleisten sollen. Zum Beispiel die Blitzableitung von Strom. „Wie in Deutschland liegen auch in Dubai gesetzliche Vorschriften für den Personenschutz vor. Denn in solchen Höhen ist die Gefahr für einen Blitzeinschlag natürlich enorm“, führt Dries aus. Etwa 1,5 Kilometer einer offenen Stromschiene übernehmen deswegen die Funktion von Blitzableitern. Im Falle eines Einschlags wird der Blitz über die Spindel und Stützen in den Boden abgeleitet.“

Zuletzt rund um die Uhr gearbeitet

Vor etwa vier Jahren begann die Arbeit an dem Projekt, als die Angebotsphase startete. Danach, so Dries, habe Vahle mehrere Ausschreibungen durchgeführt und alle technischen Details geklärt. „Dabei hat uns das Vorhaben einen sehr straffen Zeitplan für die Konstruktion und Herstellung abverlangt.“ Die Installation sei jetzt nahezu über ein halbes Jahr lang rund um die Uhr erfolgt.

Ein Testlauf, den Experten als „Site Acceptance Test“ bezeichnen, ist nunmehr erfolgreich abgeschlossen worden. Ab 21. Oktober geht es dann mit dem Riesen(rad) in die Luft: Ermöglicht durch die findigen Tüftler aus Kamen.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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