Seit fast zehn Jahren gibt es die Mayersche Buchhandlung in Kamen, die zufrieden mit dem Standort ist. Dort weiß man: Die Kamener sind passionierte Krimileser. Wir blicken hinter die Kulissen.

Kamen

, 06.11.2019, 17:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als das Spielzeuggeschäft „Karrenberg“ vor genau zehn Jahren ankündigte, den traditionsreichen Laden zu schließen, war das ein Schock für die Innenstadt. Als dann ein Jahr später, September 2010, die Mayersche Buchhandlung an gleicher Stätte öffnete, war die Skepsis unter manchen Kamenern groß - ein Buch-Filialist in Kamen, so die oftmals zweifelnde Frage, kann das klappen?

„Am Anfang war es tatsächlich schwierig“, erinnert sich Leiterin Meike Westermann zurück. „Doch die Kamener haben uns eine Chance gegeben.“

Im zehnten Jahr des Bestehens ist die Buchhandelskette, die ihren Sitz in Aachen hat, „mit dem Standort total zufrieden“, konstatiert Westermann.

Die 45-jährige Buchhändlerin aus Dortmund ist seit 2012 Leiterin des zentral gelegenen Ladenlokals an der Weststraße, in dem fünf Kräfte beschäftigt sind. In der Innenstadt ist die Mayersche die einzig verbliebene Buchhandlung - in Methler gibt es Lesestoff bei „Mobilé“ an der Schimmelstraße und in Heeren-Werve in der Buchhandlung Willi Schulte an der Mittelstraße.

Mayersche Buchhandlung in Kamen: Dank der vielen Krimileser - der Standort ist sicher

Jonas (6) ist von der neuen Spielzeugabteilung begeistert. In Erinnerung an den früheren Spielzeugladen-Standort Karrenberg ist Anfang Oktober das neue Sortiment aufgenommen worden. © Stefan Milk Stefan Milk

Einziger Filialist, der Mitglied der Händlergemeinschaft ist

Die Mayersche. Das ist die Buchhandelskette, die Jacob Anton Mayer im Jahr 1817 in Aachen gründete und seitdem im Familienbesitz war, bevor man sich Anfang des Jahres mit Thalia zusammenschloss.

Und auch im Kamener Ladenlokal die familiäre Aura inhabergeführter Geschäfte. Kein Zufall, dass die Mayersche Kamens einziger Filialist ist, die Mitglied der örtlichen Händlergemeinschaft ist - die „Kamener Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden“ (KIG).

50 weitere Mayersche-Standorte gibt es im Westen Deutschlands; prominenteste Buchhandlung in der Region ist dabei jene am Westenhellweg in Dortmund. Und dort hat Westermann in den Abteilungen Belletristik und Kinderbuch gearbeitet, bevor sie dann die Leitung in Kamen übernahm. „Ich musste mich erst einmal umgewöhnen. Dort war man Spezialist, hier muss man sich in allen Bereichen auskennen.“ Das gefiel ihr nach kurzer Zeit so gut, dass Kamen jetzt ihre feste berufliche Heimat ist. „Ich möchte nie wieder woanders hin“, sagt sie schmunzelnd.

Mayersche Buchhandlung in Kamen: Dank der vielen Krimileser - der Standort ist sicher

Nina Riepe berät Hiba Altrahn (13, M.) und ihre Schwester Saba beim Buchkauf für den kleinen Bruder. © Stefan Milk Stefan Milk

Ein Drittel Stammkundschaft: Die Namen sind bekannt

Total zufrieden am Standort? Und das, obwohl immer mehr Traditionsgeschäfte aufgeben und bei vielen Kamenern das Gefühl entstanden ist, die Innenstadt ist austauschbar geworden?

Ganz so schlecht ist Kamen offenbar nicht. Das hatte auch Bernd Wenge, Vorsitzender der KIG festgestellt, als jüngst das Thema Einzelhandel im leer stehenden Edeka-Markt an der Adenauerstraße diskutiert wurde. „Unser Standort ist sicher“, beteuert Westermann. Eine gute Nachricht für die Innenstadt.

Die Umsatzzahlen, so Westermann, seien gut, die Anteile zwischen Stammkundschaft (ein Drittel) und Laufkundschaft (zwei Drittel) zudem gut verteilt. Spezifische Zahlen für Kamen nennt das Unternehmen nicht, aber es gibt auch andere Werte: „Ein Drittel unserer Kunden können wir mit Namen ansprechen. Und so ist die Ansprache hier auch ganz anders als in großen Filialen“, ist Westermann zufrieden.

Auch ihre vier Kolleginnen prägen das Gesicht der örtlichen Filiale: Jana Linke, Nina Riepe als weitere Vollzeitkräfte, Denise Körner als Teilzeitkraft und Lisa Beka als Auszubildende.

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Ein bisschen Karrenberg-Flair zurückgewonnen

Das Spielzeuggeschäft Karrenberg. Auch wenn das Aus jetzt zehn Jahre her ist, die Kamener haben es nicht vergessen. „Immer wieder sind wir auch noch jetzt darauf angesprochen worden, dass es schade ist, hier kein Spielzeug mehr einkaufen zu können“, so Westermann. Darauf stellte sich die Buchhandlung nun ein, indem sie Anfang Oktober eine eigene Spielzeugabteilung im hinteren Bereich des Ladenlokals einrichtete.

Bücher indes bilden weiterhin das zentrale Geschäft. Mehrere Zehntausend sind vorhanden, wie viele genau, vermag die Leiterin nicht zu sagen. Stark nachgefragt sind Werke von Krimi-Autor Sebastian Fitzek, Geschichten aus einem Genre, das auch das Hauptinteresse der Kamener Leser widerspiegelt: „Das sind passionierte Krimileser“, weiß Westermann. Auch die Regionalabteilung mit Werken heimischer Künstler laufe gut. Gefragt seien das neue Buch über „Die Zechen Monopol und Haus Aden“ und das Werk von BVB-Geschäftsführer Watzke „Echte Liebe: Ein Leben mit dem BVB“. Und natürlich der neue Asterix.

Den ganzen Arbeitstag nur lesen? Das wäre schön!

Meike Westermann ist eigentlich Diplom-Pädagogin und hat nach dem Studium umgesattelt. Sie selbst, so sagt sie, sei mit Büchern groß geworden. „Meine Mutter hat mir immer viel vorgelesen, mein älterer Bruder war eine Leseratte. Später habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Das ist auch ihr Antrieb, bei anderen die Freude am Lesen zu wecken, nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei Kindern im Rahmen von Leseförderaktionen, die das Unternehmen unterstützt. „Vorlesezeit ist wertvolle Zeit“, sagt sie. Einerseits als Erlebnis, das die Bindung stärke, andererseits zur Steigerung von Wortschatz und Lesekompetenz. Selbst zum Lesen kommt sie aber erst abends, nach getaner Arbeit schon im Zug nach Dortmund. „Viele denken, dass wir hier den ganzen Tag lesen. Das wäre schön!“

Etwa 50 Standorte

Die Mayersche Buchhandlung

  • Die Mayersche Buchhandlung ist ein von Jacob Anton Mayer im Jahr 1817 in Aachen gegründetes Buchhandelsunternehmen. Seitdem ist die Mayersche Buchhandlung in Familienbesitz.
  • Das inhabergeführte Unternehmen ist eine der größten Buchhandlungen Deutschlands. Der Jahresumsatz betrug 165 Millionen Euro im Jahr 2013.
  • Anfang 2018 gab es 55 Mayersche Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Neben kleineren Filialen in Stadtteil- und Kleinstadt-Lagen befinden sich beispielsweise in folgenden Großstädten Niederlassungen in 1A-Lage: Aachen, Bochum, Herne, Köln, Mönchengladbach, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Dortmund.
  • Im Mai dieses Jahres nickte das Bundeskartellamt die Fusion von Thalia und der Mayerschen ab.
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