Dr. Andreo Pedro Garcia versucht, das Hellmig-Krankenhaus vor dem Coronavirus zu schützen. Was schwebende Viren in der Luft aufhält und was er von Stoffmasken hält, erzählt der Hygiene-Experte im Interview.

Kamen

, 30.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie gefährlich ist das Coronavirus für Klinikpersonal, Patienten und Besucher?

Wer gefährdet ist und wer nicht, kann man abschließend nicht sagen. In den Dokumenten des Robert-Koch-Instituts spiegelt sich wider, welche Personengruppen ein höheres Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf haben, zum Beispiel ältere Menschen. Das Virus ist neu und es herrscht noch relativ wenig Erfahrung. Der Übertragungsweg ist festgestellt, ja, über Tröpfchen, aber wie groß ist die Rolle der Aerosole? Diese Frage wird diskutiert. Die Tröpfcheninfektion ist einfacher in den Griff zu bekommen als die Übertragung über winzige Schwebeteilchen in der Luft.

Was ist über die Rolle der Aerosole bekannt?

Wenn man spricht, spuckt man automatisch Tröpfchen. Diese verdunsten schnell, es bleiben die Kerne. Diese Kerne können die Viren enthalten. Die Kerne haben die Eigenschaft, dass sie länger in der Luft schweben. Das ist ungefähr so, als würde ich in einen Raum kommen, in dem geraucht wurde und in dem ich die Rauchschaden noch sehe.

Zur Person

Dr. Andreo Pedro Garcia

Dr. Andreo Pedro Garcia ist Krankenhaushygieniker am Klinikum Westfalen mit den Krankenhäusern Dortmund-Brackel, Kamen, Lünen und Lütgendortmund. Seine Aufgabe ist es, den Infektionsschutz sicherzustellen – zum Beispiel durch Hygiene-Maßnahmen, organisatorische Vorkehrungen und Schulungen. Derzeit dreht sich alles um die Corona-Vorsorge.

Wie schützt das Personal sich und die Patienten?

Wir haben die Vorgabe erlassen, dass alle Mitarbeiter – nicht nur bei Kontakt mit Patienten, sondern auch untereinander, einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Dieser schützt nach derzeitigem Wissensstand vor Tröpfcheninfektionen und in gewissem Maße, aber nicht hundertprozentig, auch vor Aerosolen, wenn man die Maske richtig trägt. Für Patienten haben wir die Maskenpflicht, wenn sie das Zimmer verlassen. Das A und O ist natürlich die Handhygiene und der Abstand.

Welche Masken bieten den besten Schutz?

Die FFP2- und FFP3-Masken. Die sind so gestaltet, dass sie auch kleine Tröpfchenkerne aufhalten. Bei bestimmten Maßnahmen am Patienten, zum Beispiel Intubation, Bronchioskopie und Absaugungen im Nasen- und Rachenbereich tragen die Mitarbeiter FFP2- oder FFP3-Masken. FFP2-Masken filtern ungefähr 95 Prozent der Teilchen, FFP3-Masken 98 Prozent.

„Ich empfehle eher 2 bis 2,5 Meter Abstand.“
Dr. Andreo Pedro Garica

Können Sie im Alltag eine Stoffmaske empfehlen – und welche Maske tragen Sie, wenn Sie zum Beispiel einkaufen gehen?

Meine Meinung: Einen effektiven Schutz im Vergleich zur Stoffmaske bewirkt nur die OP-Maske. Die Stoffmaske verhindert, dass der Träger die großen Tropfen verbreitet. Aber da würde ein vernünftiger Abstand von 1,5 bis 2 Meter reichen. Ich empfehle eher 2 bis 2,5 Meter. Es gibt Menschen, die eine sehr laute Stimme haben, die spucken auch zwei Meter weit. Wenn man näher drankommt, ist es sinnvoller, die sogenannte OP-Maske aufzusetzen.

Was raten Sie?

Ein Punkt, den ich in der Bevölkerung beobachte: Die Nase darf nicht frei sein. Eine aktuelle wissenschaftlichen Publikation aus Aachen stützt die Vermutung, dass der Haupteintrittsweg des Sars-CoV-2-Virus die Nase ist. Das Virus braucht einen bestimmten Rezeptor, und den findet man häufig in der Nase.

Die Einweg-Maske unter dem Kinn tragen oder zerknüllt in der Hosentasche – und dann wiederverwenden: Ist das zur Not okay?

Okay ist das nicht. Sie waren zum Beispiel mit aufgesetzter Maske länger in der Nähe eines Menschen, der coronapositiv ist. Die Viren haften außen auf der Maske. Wenn ich sie in die Tasche stecke und wiederverwende, kann es sein, dass ich mich anstecke. Natürlich ist das im Alltag auch eine Frage der Praktikabilität. Da nimmt man nicht drei, vier Einwegmasken mit. Ideal wäre, die Maske aufzulassen.


Manche Menschen behaupten, dass die Maske krank mache, weil man dadurch weniger Luft bekomme.

Das sind Verschwörungstheorien. Die Wirkung der Maske ist positiv zu bewerten, wobei wir bei den Erkenntnissen noch am Anfang sind. Es gibt wissenschaftliche Publikationen, die zeigen, dass nach dem Einführen der Maskenpflicht die Ansteckungsrate abgenommen hat. Sehen Sie: Im Krankenhaus sind Mitarbeiter, die stundenlang die Maske tragen. Es ist ein gewisser Gewöhnungseffekt nötig. Ich habe Leute im Bekanntenkreis, die sagen: Die Maske ist furchtbar. Mir tun die Ohren weh. Ich sage dann: Man gewöhnt sich dran. Mein Rat: Tragen Sie konsequent die Maske!

Wie gut ist das Hellmig-Krankenhaus zur Behandlung von Covid-19-Patienten gerüstet?

Jedes Krankenhaus im Klinikum Westfalen kann Covid-19-Patienten aufnehmen. Für Patienten ist es gut, dass wir Zentren gebildet haben. Patienten können darauf vertrauen, dass die Pneumologen im Klinikum Westfalen auf dem neuesten Stand sind. Alle Medikamente stehen auch im Klinikum Westfalen zur Verfügung, wir können auch schwerste Beatmungsfälle behandeln.

Im Krankenhaus gilt ein Besuchsverbot, das jetzt bis Ende August verlängert wird. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Die Pandemie ist nicht vorbei, und wir müssen Ende August schauen, wie die Situation ist. Es wird nach der Reisezeit vermutlich nicht besser. Es gibt viele Lockerungen, und wir wissen nicht, wie viele Menschen positiv aus dem Urlaub kommen werden. Und ab Herbst, wenn die Erkältungs- und Grippeviren kommen, könnte sich die Situation zuspitzen. Ich empfehle, dass möglichst viele Leute die Corona-Warn-App installieren.

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