Bequemer in den Bus einsteigen: 17 Haltestellen in Kamen sollen in den nächsten zwei Jahren fußgängerfreundlicher werden. Wo es zuerst losgeht und welche Haltestellen noch ein Jahr länger warten müssen, erklären wir hier.

Kamen

, 25.09.2019, 15:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vorsicht, Stolperfalle: Viele Bushaltestellen sind nicht optimal gestaltet für Menschen, die mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind. Lücken und Stufen beim Einstieg sollen möglichst verschwinden – und dafür hat Kamen nun einen ersten Schritt gemacht.

Acht Bushaltestellen sollen im kommenden Jahr umgebaut werden, darunter der Stopp „GSW“ an der Poststraße. Weitere neun Bushaltestellen sollen bis zum Jahr 2021 folgen, darunter der Busbahnhof am Marktplatz. Insgesamt sollen 17 Bushaltestellen in allen Stadtteilen auf einen modernen Stand gebracht werden. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten „Empfehlung zum barrierefreien Haltestellenausbau“ hervor.

Marktplatz und mehr: Diese Bushaltestellen in Kamen werden ausgebaut

Höhere Bordsteine und ein Blindenleitsystem fehlen noch: Die Bushaltestelle „Südfeld“ in Heeren-Werve kommt 2021 an die Reihe. © Stefan Milk

Umbau kostet knapp eine Million Euro

Der Titel des Papiers klingt unverbindlich, aber zur Umsetzung gibt es bereits konkrete Schritte. Matthias Breuer, Fachbereichsleiter im Rathaus, hat nun erklärt, wie die Stadt Kamen den Ausbau angeht.

Zunächst haben sich die Fachleute um die Finanzierung des Haltestellen-Ausbaus gekümmert. Gespräche mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gaben den Wink, dass aus einem Förderprogramm für 2020 Geld für neun Haltestellen zur Verfügung steht. Die Stadt Kamen stellte einen Förderantrag. „Wir warten für neun Haltestellen auf eine Bewilligung“, sagte Breuer. Insgesamt soll dieser erste Bauabschnitt rund 467.000 Euro kosten. „Wir würden 270.000 Euro bekommen“, so Breuer. Die Umsetzung sei für 2020 vorgesehen. Der zweite Bauabschnitt mit acht Haltestellen ab 2021 wird auf rund 466.000 Euro beziffert. Wie viel davon über Zuschüsse abgedeckt wird, ließ Breuer offen.

Marktplatz und mehr: Diese Bushaltestellen in Kamen werden ausgebaut

Die Bushaltestelle „GSW“ an der Poststraße ist 2020 für den barrierefreien Ausbau vorgesehen. © Marcel Drawe

16 Zentimeter hoher Bordstein

Der Umbau einer Bushaltestelle kostet nach den vorliegenden Angaben durchschnittlich rund 55.000 Euro. Gaby Freudenreich von der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) erklärt, was unter einer barrierefreien Bushaltestelle zu verstehen ist. „Der Bordstein sollte mindestens 16 Zentimeter hoch sein, sodass man mit dem Rollator oder Rollstuhl mehr oder weniger ebenerdig rein- und rauskommt“, sagt sie. Dazu gehöre auch ein Blindenleitsystem, also Pflaster aus genoppten oder geriffelten Steinen.

Die Standards für die barrierefreien Bushaltestellen sind im Nahverkehrsplan für den Kreis Unna definiert. Darin wurde auch festgelegt, welche Haltestellen vorrangig umzubauen sind. „Dort, wo viele Ein- und Aussteiger sind oder soziale Einrichtungen wie Altenheime oder Jugendzentren“, erläutert Freudenreich. Die 17 Haltestellen, die die Stadt Kamen jetzt aufgelistet hat, gehören zur sogenannten Kategorie 1 mit vorrangigem Bedarf bis Ende 2021. „Wenn das umgesetzt wird, werden wir uns an Haltestellen der zweiten Kategorie machen“, sagte Matthias Breuer. Also ab 2022.

Marktplatz und mehr: Diese Bushaltestellen in Kamen werden ausgebaut

Bushaltestellen im Bereich von Sozialeinrichtungen sollen vorrangig barrierefrei ausgebaut werden – hier die Haltestelle „DasDies“ in der Nähe der Arbeiterwohlfahrt an der Unnaer Straße in Südkamen. © Stefan Milk

Bushaltestellen

Umbauprogramm

  • 17 Haltestellen empfiehlt die Stadt Kamen für den barrierefreien Umbau bis zum Jahr 2021. Zuständig dafür sind die Stadt und Straßen NRW. Das Projekt ist in zwei Bauabschnitte eingeteilt.
Erster Bauabschnitt der Kategorie 1 (ab 2020):
  • Methler: Methler Bahnhof, Einsteinstraße, Pastoratsfeld, Lutherplatz; Kamen-Mitte/Südkamen: Perthes-Werk, GSW; Heeren-Werve: Denkmal, Lenningser Straße, Märkische Straße
Zweiter Bauabschnitt der Kategorie 1 (ab 2021):
  • Kamen-Mitte/Südkamen: Second-Hand-Kaufhaus DiesDas, Markt, Ostring, Am Hang; durch Straßen NRW: Kamen Karree, Friedhof, Awo, Hochstraße, Gutenbergstraße; Methler: Max-Planck-Straße, In der Kaiserau, Händelstraße; Heeren-Werve: Südfeld; durch Straßen NRW: Heeren Friedhof
Ausbau in Kategorie 2 (ab 2022)
  • Kategorie 2a: Abzw. Lüner Höhe, Altenmethlerheide, Am Barenbach, Auf dem Spiek, Bergstr., Bloomfieldstr., Bückeburger Str., Eichendorffhalle, Friedhofstr., Heimstr., Hemsack, HenryEverling-Str., Im Hagen, Jahnschule, Käthe-Kollwitz-Schule, Klothmanns Kamp, Körnebrücke, Körnerstr., Kreuzweg, Lämpelstr., Lanstroper Str., Lünener Str. (West), Lüner Höhe, Lütge Heide, Margarethenweg, Mühlbachbrücke, Nietzscheweg, Nordring, Pröbstingstr., Schimmelstr., Schlägelstr., Schmiedeweg, Siegeroth, Spiekerstr., Steinacker., Stormstr., Waldstr., Waterkamp, Werkstr., Westring, Wickeder Str., Wideystr.2
    Kategorie 2b (erhöhter Bordstein schon vorhanden; Ausbau im Anschluss an Kategorie 2a vorgesehen): Kamen Bf., Konzertaula, Otto-Hahn-Str., Stadthalle, Stammer-Hausgeräte, Südfeld

Nicht alle Haltestellen der Kategorie 1 werden von der Stadt Kamen umgebaut. Neben den 17 Haltestellen im Zuständigkeitsbereich der Stadt gibt es noch sechs Haltestellen an Land- und Bundesstraßen in der Verantwortung des Landesbetriebs Straßen NRW, zum Beispiel Kupferbergsiedlung, Ostring und Friedhof Heeren. „Wir haben keine Infos, wann Straßen NRW beabsichtigt, tätig zu werden“, sagte Breuer. Eine Anfrage der Redaktion an den Landesbetrieb blieb bislang unbeantwortet.

Seniorenverbände mahnten Umbau an

Die Modernisierung von Bushaltestellen ist auch eine Forderung von Seniorenverbänden. 2018 tagte die Kreisseniorenkonferenz in der Begegnungsstätte „Pförtnerhaus“ in Heeren-Werve und thematisierte die Frage: „Sind Busse und Bushaltestellen seniorenfreundlich genug?“ Die Antwortet lautete oft nein. Das Personenbeförderungsgesetz sieht zwar einen barrierefreien Bahn- und Busverkehr bis Januar 2022 vor, also auch barrierefreie Bushaltestellen, aber weder die finanziellen noch personellen Ressourcen der Kommunen im Kreis Unna reichen aus, um alle relevanten Standorte barrierefrei auszubauen. Im Zuge der Nahverkehrsplanung stimmten sich Kreis und Kommunen daher ab, welche Haltestellen vorrangig an die Reihe kommen.

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