Mario Schwiderowski verkauft am Stand von „Claudis Reibekuchen“ auf dem Kamener Wochenmarkt unter anderem auch Bratwürste und Suppen. © Marcel Drawe
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Markthändler ohne Kunden: „Da zahle ich am Ende noch drauf“

Eigentlich ist der Alte Markt Kamens gute Stube. Beim Wochenmarkt ist freilich das Gegenteil der Fall, die Händler fühlen sich auf verlorenem Posten. Einer ist schon weg, andere üben Kritik.

Mit der Zählung seiner Tageseinnahmen ist Mario Schwiderowski am Freitagmittag schnell fertig. Auf magere 64 Euro kommt der Mann, der am Wochenmarkt-Stand von „Claudis Reibekuchen“ neben Kartoffelpuffern auch Bratwurst und Suppen im Angebot hat. „Da zahle ich am Ende noch drauf“, sagt er kopfschüttelnd mit Blick auf Kosten für An- und Abfahrt, seine Produkte und die Standgebühr.

Schwiderowskis Problem: Sein Wagen steht auf dem Alten Markt – und am Freitag ist er damit allein auf weiter Flur. Kaum ein Besucher des Wochenmarkts „verläuft“ sich an seinen Stand. „Man wird hier oben nicht gesehen, die Kleiderständer verdecken alles“, erklärt Schwiderowski mit Blick auf die Händler am Eingang zur Fußgängerzone.

Pilzhändler kommt nicht mehr, Bäcker nur noch freitags

Eine Woche zuvor hatte er immerhin noch Gesellschaft von Pilzhändler Dirk Engler und von Martin Kersting am Verkaufswagen von Bäcker Terjung. Während Engler vorerst gar nicht mehr zum Kamener Wochenmarkt kommt, ist der Stand von Bäcker Terjung am Freitag woanders zu finden: gegenüber des Eiscafés am Willy-Brandt-Platz/Ecke Weststraße. Also mittendrin statt nur dabei. „Das ist hier ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Verkäufer Martin Kersting und meint die Kundenfrequenz im Vergleich zum Standort auf dem Alten Markt. „Da oben steht man sehr versteckt und fühlt sich auf verlorenem Posten.“

Martin Kersting von der Bäckerei Terjung ist mit dem Standort Alter Markt unzufrieden. Ein Platz mitten in der Fußgängerzone, den er am Freitag einnehmen durfte“, mache einen Unterschied „wie Tag und Nacht“. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Entsprechend froh war er, als ihm der Marktmeister am Freitag kurzfristig den Umzug ermöglichte, weil urlaubsbedingt ein Platz frei geworden war. Dauerhaft ein Platz mit mehr Laufkundschaft, das wäre sein großer Wunsch. Auch an den Wochenmarkt-Dienstagen, an denen es sich zuletzt ebenso wenig lohnte. „Da habe ich ganz alleine gegen die Tauben gekämpft“, berichtet Kersting. An Dienstagen werde er deshalb nicht mehr kommen. Er richte aber, das ist ihm wichtig, keinen Vorwurf gegen die Textilhändler. Es sei nur sehr betrüblich, von so vielen Kunden zu hören: „Ach, ich wusste gar nicht, dass Sie hier sind, man sieht Sie hier ja gar nicht.“

Die Stadt spricht von „1b-Lage“ und kündigt Veränderungen an

Stadtsprecher Rüdiger Büscher räumt ein, dass es sich auf dem Alten Markt um eine „1b-Lage“ handele. Zur Einordnung sagt er aber auch, dass sowohl Reibekuchen- als auch Brot- und Pilzhändler sogenannte „neue Händler“ seien, die erst in den letzten Monaten hinzukamen. „Die sehr guten Plätze im Mittellauf haben erstmal die etablierten, alteingesessenen Händler“, erklärt Büscher. Aber er kündigt Veränderungen an. Es werde in den nächsten Wochen dazu kommen, „dass wir im gesamten Marktbereich das Angebot nochmal sichten. Wir wollen natürlich auch verhindern, dass drei Händler mit dem gleichen Angebot direkt nebeneinander stehen.“ Man warte aber noch darauf, dass die Baustelle bei Apollo Optik an der Ecke Weststraße fertig werde.

Eine andere Baustelle, nämlich die an der Bahnhofstraße, erschwert derweil den Händlern auf dem Alten Markt zusätzlich das Geschäft. Weil die Bushaltestellen wegen der Straßensperrung an den Sesekedamm verlegt wurden, fehlt weitere Laufkundschaft.

Lieferwagen statt belebtes Treiben auf dem Wochenmarkt: Dieses Foto machte Mario Schwiderowski am Freitag selbst. Links im Bild sein Verkaufsstand, an den sich nur wenige Kunden „verirrten“. © Mario Schwiderowski © Mario Schwiderowski

Und Mario Schwiderowski führt noch einen weiteren Kritikpunkt ins Feld: die vielen Lieferwagen, „die rein und raus fahren und parken, wie sie wollen“. Kürzlich habe er beobachtet, wie der Fahrer eines Paketwagens fast einen kleinen Jungen überfahren hätte. „Warum dürfen die hier überhaupt drauf?“, fragt Schwiderowski und führt an, dass dies auf anderen Wochenmärkten wie in Unna, Schwerte oder Hamm während der Marktzeiten verboten sei.

Der Alte Markt bietet zu Wochenmarkt-Zeiten derzeit ein ziemlich leeres, trostloses Bild. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Rüdiger Büscher begründet die Situation grundsätzlich mit der Mischlage mit dem stationären Handel, der natürlich ein berechtigtes Interesse an der Warenanlieferung habe. „Wobei das Problem mehr die Paketdienste mit ihren zunehmenden Just-in-Time-Lieferungen sind“, so Büscher. „Dieses Problem haben wir noch nicht in den Griff nehmen können.“ Die Anregung einer Fahrverbotsregelung für bestimmte Zeiten nehme er gerne mit.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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