Kurz vor Weihnachten wird eine schöne Bescherung für die Freiwillige Feuerwehr in Kamen bekannt: Ein Mann hat der Löschgruppe Westick genau 150.000 Euro vermacht. Es gibt auch schon konkrete Pläne, was damit geschieht.

Kamen, Methler

, 04.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Ölfleck auf der Straße, eine Türöffnung wegen eines Notarzt-Einsatzes: Die Einsätze der Feuerwehr in Westick klingen meist wenig spektakulär. Doch auch wenn es wirklich brennt, sind die ehrenamtlichen Mitglieder der Löschgruppe zur Stelle – so wie kürzlich bei einem Küchenbrand an der Robert-Koch-Straße.

Die Dankbarkeit für den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr in Kamen kommt selten so spektakulär zum Ausdruck wie nun in einem Beispiel aus Westick. Ein namentlich nicht genannter Bürger hat der Löschgruppe des Dorfes insgesamt 150.000 Euro aus seinem Vermögen hinterlassen. Die unverhoffte Erbschaft erreichte die Feuerwehreinheit bereits im vorigen Jahr, wurde aber erst jetzt öffentlich. Bei dem Bürger soll es sich dem Vernehmen nach um ein ehemaliges passives Feuerwehrmitglied aus Methler handeln.

Erbschaft löst Haushaltsprobleme

Die Freude über das Vermächtnis war groß bei Löschgruppenführer Fabian Krause und seinen Kameraden. Denn die Ehrenamtlichen sahen sich plötzlich in die Lage versetzt, bekannte Probleme an ihrem Stützpunkt zu lösen. Probleme, für deren Bekämpfung aus dem Feuerwehr-Haushalt der Stadt Kamen kein Geld in Sicht war.

Die Freiwillige Feuerwehr in Westick mit 37 aktiven Einsatzkräften, 9 Jugendfeuerwehrleuten und 13 Ehrenmitgliedern besitzt unter allen drei Löschzügen und sieben Löschgruppen im Stadtgebiet das vermutlich schönste Feuerwehrhaus. Das Gebäude am Heidkamp aus dem 19. Jahrhundert wurde 1994 in mehr als 6000 Arbeitsstunden komplett renoviert. In einer Selbstdarstellung der Löschgruppe heißt es, dass es damals „zu einem richtigen Schmuckstück gestaltet“ wurde. Damals packte auch der junge Rainer Balkenhoff mit an, heute Chef der Freiwilligen Feuerwehr Kamen, die rund 250 ehrenamtliche und 50 hauptamtliche Mitglieder hat.

Mann hinterlässt der Kamener Feuerwehr 150.000 Euro

Kamener Feuerwehrchef Rainer Balkenhoff (r.), Westicker Löschgruppenführer Fabian Krause: Eine Erbschaft über 150.000 Euro stärkt das Ehrenamt und entlastet den städtischen Haushalt. © Marcel Drawe

Fahrzeug für den Katastrophenschutz

25 Jahre später gibt es einige Verbesserungswünsche für das Gebäude. Das Einsatzfahrzeug, ein LKW vom Typ LF 20 KatS („Katastrophenschutz“), passt nach Aussagen von Feuerwehrleuten nur knapp in die Halle hinein. Daneben hat die Löschgruppe noch einen VW-Mannschaftsbulli, für den bislang kein Stellplatz unter dem Dach des Feuerwehrhauses vorhanden ist.

Wenn die Feuerwehrleute vom Einsatz kommen, müssen sie die verrauchte und verschmutzte Kleidung ausziehen, duschen und ihre Alltagskleidung wieder anziehen. Schwarz-Weiß-Trennung heißt die strikte Abgrenzung von Einsatz- und Sozialbereichen, die verhindert, dass sich Schadstoffe schleichend ausbreiten. Auch hier gibt es Optimierungswünsche. So sind Damen- und Herren-Umkleide erstens zu klein und zweitens liegen sie nicht auf einer Ebene. Was auch noch fehlt, sind technische Gebäudeausstattungen wie eine „ortsfeste Abgasabsauganlage“ und ein Notstromaggregat.

Neubau einer doppelten Fahrzeughalle

Das Geld aus der Erbschaft soll für den Neubau einer Fahrzeughalle mit Einstellplätzen für zwei Feuerwehrfahrzeuge verwendet werden. Daneben entsteht Stauraum unter anderem für eine Feuerwehrspritze. Zudem gibt es die Idee, ein auf die Jugendfeuerwehr laufendes Löschfahrzeug („LF 20“), das bislang an der Feuerwache Kamen-Mitte stationiert ist, in Westick unterzubringen. Der Förderverein der Löschgruppe, der das Projekt aus formellen Gründen abwickelt, hat der Stadtverwaltung eine detaillierte Planung für den Neubau vorgelegt und Angebote für die Arbeiten eingeholt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 173.000 Euro, Eigenleistungen der Ehrenamtlichen bereits eingerechnet.

Mann hinterlässt der Kamener Feuerwehr 150.000 Euro

Der Mannschaftsbulli steht im Freien. Die Doppelgarage, in der er bisher stand, ist abgerissen. © Stefan Milk

Stadtrat entscheidet über Unterstützung

Nachdem die Erbschaft intern bekannt geworden war, sorgten die Feuerwehrchefs dafür, dass das Projekt der Fahrzeughalle in den neuen Brandschutzbedarfsplan der Stadt aufgenommen wurde. Darauf bezieht sich jetzt die Stadtverwaltung in ihrem Vorschlag, das Projekt des Fördervereins mit einer „außerplanmäßigen Auszahlung“ von 68.000 Euro zu unterstützen. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am Donnerstag, 5. Dezember, darüber entscheiden. Vertraglich abgesichert wird das Projekt so, dass das Eigentum an der Fahrzeughalle nach Abschluss der Bauarbeiten an die Stadt übergeht.

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Was das Finanzamt wegnahm, schießt die Stadt wieder zu

Die städtische Finanzspritze fällt viel höher aus, als der vererbte 150.000-Euro-Betrag vermuten lässt. Das liegt daran, dass das Finanzamt bereits seine Hand aufgehalten hat. „Bis zum heutigen Tag ist aufgrund von Steuern und weiteren Abgaben eine Restsumme 105.000 Euro auf dem Konto des Fördervereins vorhanden“, heißt es. Ohne die Abzüge hätte die Stadt also nur 23.000 Euro zuschießen müssen, um das Ehrenamt bei der Feuerwehr zu stärken.

Fertigstellung für 2020 angepeilt

Schon Ende 2020 könnten die Feuerwehrleute aus dem Neubau zum Einsatz starten. Die Genehmigungen liegen vor, die Vorbereitungen auf den Bau haben begonnen. Das Grundstück ist vermessen und eine Doppelgarage neben dem Feuerwehrhaus ist abgerissen. Der Mannschaftsbulli parkt in der Zwischenzeit eben draußen.

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