Mann auf gestohlenem Fahrrad ohne Licht wehrt sich heftig gegen die Polizei

dzGerichtsprozess

Eigentlich wollten Polizisten einen Mann auf einem Fahrrad nur darauf aufmerksam machen, dass er das Licht einschalten muss. Für das, was folgte, bekam der Fahrradfahrer sechs Monate mit Bewährung.

von Jana Peuckert

Kamen

, 05.09.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte die Besatzung eines Streifenwagens einen Mann, der ihnen im Dunkeln auf der Ostenallee in Kamen mit einem unbeleuchteten Fahrrad aufgefallen war, lediglich darauf hinweisen, dass er sein Licht einschalten oder vom Rad steigen sollte. Doch die Reaktion des Mannes ließ die Situation völlig eskalieren. Die Streife musste Verstärkung herbeirufen, um den Mann zu bändigen. Einer der Polizisten, die bei dem Einsatz dabei waren, trug blutende Schürfwunden an Knie und Ellenbogen, sowie eine Schnittwunde am Finger davon.

Tätlicher Angriff auf Beamte und Körperverletzung

Im Amtsgericht Kamen musste sich der Mann nun wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und wegen Körperverletzung verantworten. Der Angeklagte stritt ab, die Beamten angegriffen zu haben. Als Lkw-Fahrer habe er eine Tour nach Kamen gehabt, sagte er aus. Zum Zeitvertreib sei er ein wenig in die Stadt gegangen.

Plötzlich habe er einen Anruf bekommen, dass er schnell zurück zum Laster sollte: „Da stand ein Fahrrad, das habe ich mir geschnappt.“ Als die Polizisten kamen, habe er das Rad fallen lassen und sei weggelaufen. Auf einmal habe er einen Druck im Brustkorb verspürt und seine Beine hätten nachgegeben. Dass die Personen um ihn herum Polizisten waren, habe er nicht gewusst. Angegriffen habe er jedenfalls niemanden.

Polizist und Polizistin bei Einsatz verletzt

Diese Angaben wurden durch Zeugenaussagen von zwei der an dem Einsatz beteiligten Beamten widerlegt. Der Angeklagte habe das Fahrrad weggeworfen, sei über einen Zaun gesprungen und geflohen, sagten sie aus. Einer der Polizisten nahm die Verfolgung auf und erwischte den 40-Jährigen. Dieser wehrte sich heftig gegen eine Fixierung. „Ich habe ordentlich mit ihm zu kämpfen gehabt. Wir haben ihn selbst zu zweit nicht gebändigt gekriegt“, erklärte der Polizist. Erst mit vier Einsatzkräften sei es gelungen, den Mann unter Kontrolle zu bekommen.

Schmerzensgeld und sechs Monate Haft auf Bewährung

Bei der Auseinandersetzung habe er sich blutige Knie und Ellenbogen, sowie eine Schnittwunde am Finger zugezogen. Seine Kollegin trug Hämatome davon. Am Ende glaubte der Richter im Amtsgericht den Polizisten und nicht dem Lkw-Fahrer. Er verurteilte den 40-Jährigen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Als Auflage muss er 500 Euro Schmerzensgeld an den Polizisten mit dem verletzten Finger, 100 Euro Schmerzensgeld an die Kollegin und weitere 150 Euro an die Gerichtskasse zahlen.

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