Im Sommer fürchtete er, Tiere verkaufen zu müssen: So geht es Hiddemanns Milchkühen heute

dzLandwirtschaft

Im Sommer war Milchbauer Friedrich-Wilhelm Hiddemann mehr als besorgt. Die Dürre machte dem Rasen zu schaffen, den Kühen gab er schon Winterfutter. Jetzt weiß er, ob das Futter für den Winter reichen wird.

Methler

, 10.10.2019, 10:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Friedrich-Wilhelm Hiddemann ist Milchbauer in Kamen-Methler. Das Wohl seiner Pflanzen und somit seiner Tiere steht und fällt mit dem Wetter. Im Sommer hatte der Bauer noch eine düstere Vorahnung: Wenn die Dürre die Maisernte zerstören würde, dann müsste er Futter nachkaufen – oder im schlimmsten Fall Tiere verkaufen. Oder weniger Jungvieh aufziehen. „Aber dann fehlt der Nachwuchs“, sagte er noch im Juli.

Heute klingt Hiddemann schon viel optimistischer. „Es war nicht so schlimm wie befürchtet.“ Der Mais hat ausreichend Wasser bekommen und die Kühe können im Winter davon fressen. Besonders freuen dürfte das die Tiere, die eher an einseitige Ernährung gewöhnt sind und im vergangenen Jahr mehr Gras zu fressen bekamen, zwar nicht. Aber immer noch besser als Hunger leiden.

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„Momentaufnahme“: Andere Landwirte haben weniger Glück

Hiddemann muss kein Futter zukaufen. Doch damit hat er Glück. „Weiter nördlich an der Lippe, wo es Sandböden gibt, sieht es nicht so gut aus. Da müssen die Bauern zukaufen.“ Er ist sich seines Glückes und dem guten Boden freilich bewusst. Aber: „Das ist nur eine Momentaufnahme.“ Auch Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, war im Sommer besorgt, weil der Boden diesen und letzten Sommer keine Gelegenheit bekam, sich von der Dürre im Jahr 2017 zu erholen.

„Ich habe mehr Mais angebaut, weil ich noch vom letzten Jahr gebrandmarkt bin.“
Landwirt Friedrich-Wilhelm Hiddemann

Hiddemann verlässt sich nicht mehr auf die Gnade des Wettergottes. Es ist nicht nur Glück, das dem Milchbauern den Winter rettet. „Ich habe mehr Mais angebaut, weil ich noch vom letzten Jahr gebrandmarkt bin“, sagt Hiddemann. Die Bauern stellen sich auf das veränderte Klima ein. Anders geht es nicht.

Nichtsdestotrotz nennt er die Maisernte nur „durchschnittlich“. Die Pflanzen haben das Wasser, das den Boden berührt hat, direkt aufgenommen. „Der Wasservorrat im Boden ist noch nicht aufgefüllt.“ Aktuell sollen die Grundwasservorräte aufgefüllt werden, damit der Boden sich wieder erholt.

Im Sommer fürchtete er, Tiere verkaufen zu müssen: So geht es Hiddemanns Milchkühen heute

Friedrich-Wilhelm Hiddemann war im Sommer besorgt. Schlechte Grasschnitte und eine drohende, schlechte Maisernte hätten bedeutet, dass er Futter zu- oder Tiere verkaufen müssen. Der Fall ist zum Glück nicht eingetreten. © Stefan Milk

Bauer will auch im Winter noch Gras schneiden

Mit der Veränderung des Klimas wünscht sich Hiddemann auch eine Gesetzesänderung. Den Bauern werde vorgeschrieben, vor November ein letztes Mal zu mähen und danach Gülle zu fahren. Nach dem 1. November darf keine Gülle mehr gefahren werden, damit die Vegetation ruht. Die Pflanzen hätten in dieser Zeit auch keinen Nährstoffbedarf, heißt es von der Landwirtschaftskammer.

Das sieht Hiddemann anders. Er würde gerne auch nach November noch Gras schneiden. „Es gibt mittlerweile keine Vegetationsruhe mehr. Es gibt kontinuierlich Wachstum“, meint er. Das Gras wachse auch nach November noch und das möchte er nutzen. „Da unterscheiden sich Theorie und Praxis.“

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