MäX-Fachberater René Herrmann übergibt seinen Kunden kontaktlos Muster auf der Rückseite des Gebäudes im Kamen-Karree. Der Fachmarkt fiebert dem Ende des Lockdowns entgegen. © Stefan Milk
Einzelhandel will öffnen

MäX im Kamen-Karree: „Egal, wie hoch die Latte liegt: Alles ist besser als der Shutdown!“

Der Fachmarkt MäX im Kamen-Karree fiebert angesichts großer Verluste dem Ende des Lockdowns entgegen. „Wir machen alles möglich, um wieder zu öffnen“, sagt Geschäftsführer Karsten Kemmer.

„Es hat uns sehr hart und übel erwischt.“ Karsten Kemmer nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er über die aktuelle Lage im Dauer-Lockdown spricht. Der Geschäftsführer des Fachmarkts MäX im Kamen-Karree setzt alle Hoffnungen auf die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch, wenn mögliche Lockerungen beschlossen werden.

Falls dann Baumärkte wieder öffnen dürfen, würde das auch für MäX gelten – in dem Fachmarkt gibt es unter anderem Farben, Tapeten, Bodenbeläge, Teppiche, Jalousien und Gardinen.

Geschäftsführer Karsten Kemmer vor Teppich-Mustern in seinem Fachmarkt „MäX“ im Kamen-Karree. Er hofft darauf, dass sein Markt rasch wieder öffnen kann.
Geschäftsführer Karsten Kemmer vor Teppich-Mustern in seinem Fachmarkt „MäX“ im Kamen-Karree. Er hofft darauf, dass sein Markt rasch wieder öffnen kann. © Stefan Milk © Stefan Milk

Eines der ersten Unternehmen im Kamen-Karree

Das Kamener Familienunternehmen, das seinen Markt einst in der City und dann am Zollpost hatte, war Anfang der 2000er-Jahre eines der ersten Unternehmen, das im neuen Kamen-Karree eröffnete – noch einige Monate vor dem großen Nachbarn Ikea.

Seitdem, so Kemmer, habe er den Schritt in das Gewerbegebiet an der Stadtgrenze zu Unna nicht bereut, weil die Strahlweite und damit die Kundenzahl viel größer sei. Auch 2020 sei noch ein gutes Jahr gewesen, weil man von den Schließungen nicht betroffen war. Seit dem zweiten Lockdown Mitte Dezember habe sich das schlagartig geändert. „Wir haben hier 2000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche“, sagt der 54-Jährige. „Das ist schwierig ganz ohne Kunden.“

Die provisorische Übergabestelle am Rolltor auf der Rückseite des Gebäudes. Dort werden die im Internet oder telefonisch bestellten Waren kontaktlos ausgehändigt.
Die provisorische Übergabestelle am Rolltor auf der Rückseite des Gebäudes. Dort werden zurzeit die im Internet oder telefonisch bestellten Waren kontaktlos ausgehändigt. © Stefan Milk © Stefan Milk

Provisorische Übergabe-Theke mit Paletten

Das Prinzip Click & Collect gibt es auch bei MäX: Auf der Rückseite des Gebäudes ist eine provisorische Übergabe-Theke mit Paletten aufgebaut, an der die bestellten Waren ausgehändigt werden.

Für den eingeschränkten Betrieb sind zurzeit nicht alle der insgesamt 20 Mitarbeiter notwendig. „Für Verkauf und Verwaltung haben wir teilweise Kurzarbeit angemeldet“, berichtet Kemmer. Gut ausgelastet sind die Handwerker und Raumausstatter.

Doch sowohl das Prinzip „Click & Collect“, bei dem sich die Zugriffe vervielfacht haben, als auch Handwerksleistungen fingen laut Kemmer nur einen kleinen Teil des bisherigen Umsatzes auf. „Das kostet nicht nur Nerven, sondern auch viel Geld.“

Fachberater Matthias Stork stellt Bodenbeläge und Leisten für einen Auftrag zusammen. Kunden dürfen den Fachmarkt zurzeit nicht betreten, es sei denn es sind gewerbliche Kunden wie Maler und Handwerker.
Fachberater Matthias Stork stellt Bodenbeläge und Leisten für einen Auftrag zusammen. Kunden dürfen den Fachmarkt zurzeit nicht betreten, es sei denn es sind gewerbliche Kunden wie Maler und Handwerker. © Stefan Milk © Stefan Milk

„Wir machen alles möglich, damit wir wieder öffnen können“

Kemmer weiß, dass es vielen Unternehmen in seiner Branche schlecht geht. Er steht in regelmäßigem Austausch mit anderem Fachfirmen, damit man sich in der Krise Tipps geben kann. Die Schlagrichtung ist aber klar: „Bei aller gebotenen Vorsicht vor dem Virus: Egal, wie hoch die Latte hängt – wir machen alles möglich, damit wir wieder öffnen können.“

Dabei sei es nahezu egal, ob in der neuen Verordnung 20 Quadratmeter oder 50 Quadratmeter pro Kunden festgeschrieben werden. Kemmer: „Wir werden jeder Regelung zustimmen. Alles ist besser als der Shutdown.“

Corona vergrößert das Schaufenster im Internet

Die MäX-Kräfte dürfen zurzeit im Rahmen ihrer handwerklichen Tätigkeiten für Bodenverlegung, Gardinendekoration und Sonnenschutzmontage beraten und die Arbeiten dann auch ausführen. Über Telefon und Internet gibt es zudem fast alle Waren, die es auch sonst vor Ort zu kaufen gibt. „Das einzig Positive? Dass wir Zeit hatten große Sortimente auf unsere Internetseite zu stellen“, so Kemmer. Ein Angebot, das auch nach der Pandemie aufrecht erhalten bleiben soll. „Corona hat das Internet-Schaufenster durchaus vergrößert.“

Der Fachmarkt könnte sofort wieder öffnen

Doch nicht das digitale, sondern das Schaufenster zum Anfassen zählt für den Einzelhändler, die echten Gespräche mit den Kunden. „Wir könnten von heute auf morgen die Türen aufmachen“, sagt Kemmer mit Blick auf den Mittwoch. Falls nicht, ginge der Überlebenskampf weiter. „Wir lassen uns nicht versenken. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich ein paar Jahre länger arbeiten muss.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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