Männer in Schutzanzügen besichtigen Kamener Geisterhaus

dzSchrottimmobilie

Menschen in weißen Overalls mit Mundschutz haben das sogenannte Kamener Geisterhaus besichtigt. Das Hochhaus mit 32 Wohnungen steht leer und gammelt vor sich hin. Nun hat sich der Eigentümer zu einer möglichen Revitalisierung geäußert.

Kamen

, 14.02.2020, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einem leer stehenden Wohnblock an der Blumenstraße 5 fuhren diese Woche Autos mit auswärtigen Kennzeichen vor. Daraus stiegen unbekannte Besucher, schoben den Bauzaun an die Seite und näherten sich dem sogenannten Kamener Geisterhaus.

Die Szene, die sich dort abspielte, erinnerte entfernt an einen Spielfilm über den Ausbruch einer Virus-Epidemie. Leute in weißen Overalls und mit Masken vor dem Mund wurden gesichtet, als sie das teilweise zugemauerte Gebäude betraten. Die Besucher machten sich offenbar ein Bild vom Zustand der bekanntesten Schrottimmobilie in der Stadt und lösen damit Spekulationen über eine bevorstehende Revitalisierung des Objekts aus.

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Männer in Schutzanzügen besichtigen Kamener Geisterhaus

Vandalen und Eindringlinge haben das Hochhaus beschädigt. In seiner langen Geschichte hat es zahlreiche Eigentümerwechsel gegeben. © Stefan Milk

Das Mehrfamilienhaus mit 32 Wohnungen steht seit einer Zwangsräumung vor sechs Jahren leer und gammelt vor sich hin. Die letzten Mieter, darunter Armutsflüchtlinge aus Südosteuropa, zogen freiwillig oder gezwungenermaßen aus, weil unhaltbare Zustände herrschten. Großflächige Schimmel-Kolonien an den feuchten Wänden war noch das kleinste Problem. Im verdreckten Hausflur wimmelte es nur so von Fliegen. Die Haustür hatte kein Schloss und die Flure und Keller waren so verdreckt, dass es von Fliegen nur so wimmelte. „Der Vermieter hat große Scheiße gebaut“, sagte damals einer der letzten Mieter.

Nach der Pleite des Eigentümers, einer Immobilienfirma namens Scheino Holding mit Sitz in einem sozialen Brennpunkt in Hameln-Rohrsen, ließ der eingesetzte Zwangsverwalter aus Kamen im Jahr 2014 die Fenster im Erdgeschoss und im Keller zumauern. 2015 wurde das Objekt zur Zwangsversteigerung aufgerufen – für einen geschätzten Verkehrswert von 310.507 Euro.

Männer in Schutzanzügen besichtigen Kamener Geisterhaus

Zugewucherter Zugangsweg zur Haustür des über 50 Jahre alten Hochhauses: Von Februar bis November 2005 ersteigerten Spekulanten das Haus Blumenstraße Nr. 5 in einem Paket mit 256 Kamener Wohnungen. Innerhalb von etwa 15 Monaten wurde die gesamte Anlage renoviert. Als die Braut hübsch war, wurde sie im Jahr 2007 wieder verkauft. Seitdem ging es bergab. © Stefan Milk

Schon bald wechselte das Haus wie schon oft in seiner Geschichte den Eigentümer. Derzeit gehört der leer stehende Wohnblock der Degag/Altro-Mondo-Gruppe aus Hannover, die mit dem vorherigen Niedergang des Hauses nichts zu tun hat. Degag/Altro Mondo besitzt die Ruine an der Blumenstraße 5, seit die Unternehmensgruppe ihren zuvor von der Berliner Firma Elad erworbenen Immobilienbestand rund um die Blumenstraße arrondierte. Altro Mondo gilt selbst als Problemvermieter und wurde 2019 bei Kontrollen in zehn NRW-Kommunen auf Initiative der Kamener Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) ins Visier genommen.

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Nun hat Altro Mondo eine vorigen Herbst gestellte und im Januar erneuerte Anfrage unserer Zeitung zur Blumenstraße 5 beantwortet. Das Objekt war nämlich voriges Jahr in einem von Altro Mondo herausgegebenen 60-seitigen Dokument mit dem Titel „Erfolgreich abgeschlossene Revitalisierungen“ aufgetaucht. Das war aber ein Versehen, denn ein Vorzeigeobjekt ist das Haus aus naheliegenden Gründen nicht. „Das Haus Blumenstraße wurde vor rund vier Jahren zusätzlich zu den umliegenden Gebäuden erworben, um es zu gegebener Zeit zu sanieren. Davor hatte es viele Jahre lang brach gelegen“, heißt es nun in der Stellungnahme. Eine konkrete Sanierung ist noch nicht in Sicht. „Wann die Sanierung dieses Gebäudes erfolgen wird, steht noch nicht fest und ist eine unternehmerische Entscheidung“, lässt Altro Mondo durch eine Kölner PR-Agentur ausrichten. „Für die Zeit, bis die Sanierung beginnen kann, wurden im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes umgesetzt. Um das Gebäude herum wurde ein Bauzaun aufgestellt. Die Eingangstür wurde zugemauert, die Kellerfenster verschweißt.“

Und so bleibt das Haus an der Blumenstraße 5 weiter ein mahnendes Beispiel für das Scheitern von Immobilienspekulationen und eine Herausforderung für die Stadt Kamen, die vor Jahren in einem „Handlungskonzept Wohnen“ das Ziel formuliert hat, das Viertel aufzuwerten.

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