Lust auf das Erlebnis Innenstadt

dzMarktschreier punkten

Eher verhalten starteten die Kamener Markschreiertage am leicht verregneten Freitagmorgen auf dem Alten Markt. Trotzdem machten Wurst-Achim und Michels Blütenpracht Lust auf mehr.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 11.10.2019, 14:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich braucht „Wurst-Achim“ gar kein Mikro. Vielleicht nur, um auch in den Nachbarstädten noch gut gehört zu werden. Für die möglichen Kunden auf dem Alten Markt würde seine appetitanregende Stimme locker ausreichen. Laut genug ist der 59-Jährige allemal, um das immer wieder frisch zusammengestellte 20-Euro-Ensemble um Lachsschinken und Salami erfolgreich anzupreisen.

Achims erster Kunde am Freitagmorgen, ein radelnder Rentner, war ohnehin schon kurz vor der Markteröffnung zur Stelle. So offensichtlich von Preis-Leistungsverhältnis wie Qualität der Würste überzeugt, dass Achim fast gar nichts sagen musste. Machte der natürlich trotzdem - denn das Marktschreien gehört für Achim nicht nur zum Handwerk, sondern auch zum Leben. 31 Jahre ist er schon unterwegs. Jede Woche vier bis fünf Tage nicht zuhause. Das muss man schon mögen.

Vielleicht auch aus der Überzeugung heraus, wirklich etwas für die von Umsatzflaute bedrohten Innenstädte zu tun. „Bitte liebe Kamener, kauft in eurer Stadt“, sagte stv. Bürgermeister Martin Köhler zur offiziellen Eröffnung der Marktschreiertage, „das ist das beste Mittel gegen die Leerstände - und nur wenn ihr kommt, kommen auch die Händler wieder.“

Michel punktet durch frisch Blütenpracht

Solche wie Achim oder Michel Saarloos. Durch die Blume erreicht der seine Kundinnen und Kunden. „Das Wichtigste ist die Freundlichkeit“, lächelt der 57-jährige Holländer. Der beste Blumenmarktschreier Europas übrigens, wie Haarloos in verschiedenen Wettbewerben in Nachbarländern bewiesen hat. Die Menschen glauben ihm, wenn er versichert, die ganze Woche für die Blütenpracht unterwegs zu sein. Für die Orchideen zum Beispiel, von denen Saarloos am Freitag noch 563 verkaufen musste, um neuen Marktweltrekord für die schönen Exoten aufzustellen.

Der Start gelang am Freitagmorgen. Schon nach einer halben Stunde waren die ersten Kästen leer - obwohl das regnerische Wetter den Marktschreiertagen einen eher schlappen Auftakt bescherte.

Wer aber da war, konnte die Rufe der Fisch-, Wurst-, Nudel- oder Kekshändler genießen - und sei es auch nur von seinem lauschigen Café-Platz aus. Die Gespräche, zum Beispiel über Trump und dessen drohende Wiederwahl, wurden dadurch nicht gestört, sondern eher bereichert: Als wohltuende Hintergrund-Geräusche in einer Stadt, die noch versucht, ihrn kommunikatives Flair und ihre Attraktivität trotz der Folgen des Online-Einkaufens zu bewahren.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Konzert

Chorgemeinschaft zeigt, wie aktuell Haydns „Schöpfung“ nach über 200 Jahren noch ist

Hellweger Anzeiger Strom sparen

Advent, Advent, noch ein LED-Licht brennt: Weihnachtsbeleuchtung wird weiter umgerüstet

Hellweger Anzeiger Carina Felske

Keine Angst vor Anschlägen: Liebeserklärung einer Kamenerin ans „schönste Land der Welt“

Hellweger Anzeiger Zeichen gegen Clankriminalität

Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars: Illegales Casino muss Betrieb einstellen

Meistgelesen