Nach Fliesen-Fund im Container: Kamener Bahnhofshalle steht komplett unter Denkmalschutz

dzBahnhof Kamen

Aus dem Bahnhof Kamen wurden offenbar nicht alle historischen Fliesen herausgerissen. Der restliche Belag ist jetzt ebenso wie die gesamte Bahnhofshalle unter Denkmalschutz gestellt.

Kamen

, 05.12.2019, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kamener Bahnhofshalle steht seit diesem Donnerstag vorläufig unter Denkmalschutz. Damit reagiert die Untere Denkmalbehörde auf den Fund mutmaßlich erhaltenswerter Fliesen in einem Bauschutt-Container vor dem denkmalgeschützten Empfangsgebäude des Bahnhofs Kamen. Bislang hatte sich der Schutz nicht auf das Innere des Baudenkmals erstreckt.

Knapp zwei Wochen nach dem Fund gab der Erste Beigeordnete Dr. Uwe Liedtke am Donnerstag im Stadtrat einen Bericht über den angeblichen Denkmalfrevel ab und verkündete eine Neuigkeit. „Nach dem Fund des bauzeitlichen Fliesenbodens hat die Stadt das Innere im Benehmen mit dem LWL vorläufig unter Schutz gestellt“, sagte Liedtke. Mit LWL ist das westfälische Denkmalamt beim Landschaftsverband (LWL) in Münster gemeint.

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Nichts Erhellendes hatte Liedtke über das Alter der Fliesen mitzuteilen, die wissenschaftlich untersucht werden sollen. Die herausgerissenen gemusterten Fliesen wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt eingebaut. Das Bahnhofsgebäude stammt aus dem Jahr 1854. Eine Vorhalle kam 1906 hinzu. Passanten waren die Bruchstücke vor knapp zwei Wochen im Bauschutt aufgefallen. Auch Ortsheimatpflegerin Edith Sujatta schlug Alarm. Daraufhin teilte die Stadt mit, dass der Belag nicht denkmalgeschützt sei.

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Altes Rathaus, heute Stadtbücherei, am Marktplatz in Kamen.© Stefan Milk
Fünfbogenbrücke über die Seseke in Kamen.© Stefan Milk
Herz-Jesu-Kirche in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Ehemaliges Hotel „König von Preußen“ (Bergheim) in der Nähe des Marktplatzes.© Stefan Milk
Katholische Kirche Heilige Familie.© Stefan Milk
Gaststätte Kümpers an der Bahnhofstraße 1© Stefan Milk
Altes Amtsgericht, heute Haus der Stadtgeschichte an der Bahnhofstraße in Kamen.© Stefan Milk
Pauluskirche in Kamen.© Stefan Milk
Pfarrhaus an der Heerener Straße.© Stefan Milk
Ehemaliges Pförtnerhaus der Zeche Königsborn an der Westfälischen Straße in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Wasserschloss Haus Heeren in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Torbogen des Heerener Schlosses.© Grzelak
Apotheke am Marktplatz in Kamen.© Stefan Milk
Ehemaliges VHS-Haus, Am Geist, in Kamen.© Stefan Milk
Ehemaliges Haus Kaja, Am Geist, in Kamen.© Marcel Drawe
Fachwerkhaus an der Westenmauer 25 in Kamen.© Marcel Drawe
Margaretenkirche in Methler.© Stefan Milk
Handwerkerhaus an der Afferder Straße 6 in Methler.© Marcel Drawe
Bahnhof Kamen.© Stefan Milk

Nun zeigt sich, dass der Denkmalschutz als lückenhaft anzusehen ist. Die vorläufige Unterschutzstellung ermöglicht der Stadt, die Bahnhofshalle und auch die Fliesen näher zu untersuchen. Experten der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Kamen und des Münsteraner Amts haben die momentane Baustelle im Empfangsgebäude bereits in Augenschein genommen und das weitere Vorgehen besprochen. Dabei sei eine „denkmalgerechte Lösung“ mit dem Bahnhofsmanagent erörtert worden.

Diese sieht so aus: „Wesentliche Teile des Inneren werden in den Schutzstatus einbezogen“, sagte Liedtke. Dazu gehören die Arkadenbögen und die Bögen in der Empfangshalle, aber auch Teile des bauzeitlichen Fliesenbodens.“ Dieser wurde offenbar nicht vollständig herausgerissen, als die Deutsche Bahn dort einen neuen „DB Service Store“ baute. Ursprünglich sollte der neue Laden Mitte Oktober eröffnet werden, doch ein Wasserschaden verzögerte das Projekt.

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Bahnreisende bekommen künftig einen Teil des alten Fliesenbodens zu Gesicht, obwohl er 20 Zentimeter unter dem heutigen Bodenniveau liegt. Ein „zusammenhängender Teil des Fliesenbodens“ vor dem Ausgang zum Gleis 1 wird laut Liedtke „fachgerecht abgedeckt“. Eine Fläche von zwei Quadratmetern werde „fachgerecht ausgesägt“ und in den „neuen Boden integriert“. Der barrierefreie Bahnhof schließt eine Tieferlegung des Bodens auf das alte Niveau aus.

Warum Mitte der 1980er-Jahre nicht gleich der ganze Bahnhof unter Schutz gestellt wurde, ist nicht bekannt. Liedtkes Aussagen geben aber einen Anhaltspunkt. „Zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung Mitte der 80er-Jahre war dieser Fliesenboden nicht erkennbar, sondern abgedeckt, 20 Zentimeter vollflächig überdeckt durch Gussasphalt und neuere Fliesen“, sagte er.

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