Der Verkehrslärm an der Lünener Straße veranlasste Anwohner zu einem Hilferuf: „Wir sind am Limit.“ Ist ein LKW-Durchfahrtverbot eine Lösung? So reagieren Politiker auf den Appell.

Kamen

, 28.06.2019, 14:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

? Wird der LKW-Verkehr in Kamen zum Fluch für die Lebensqualität?

Daniel Heidler (SPD): „Wir haben sehr viel Verständnis für die Situation der lärmgeplagten Anwohner, halten aber auch fest, dass LKW-Lärm nicht nur ein Problem rund um die Lünener Straße ist. Die Lage und die verkehrsgünstige Erschließung Kamens über die A1 und A2 sowie die Bundes- und Landesstraßen führen mehr und mehr zu Problemen.“

LKW-Verkehr

Antworten auf den Hilferuf

Die Lünener Straße, eine Landstraße, führt vom Kamener Verkehrsring nach Westen zur A2-Anschlussstelle Kamen/Bergkamen. Sie ist Teil einer Umleitungsstrecke des Kamener Kreuzes. Die Anwohner Ute Dixon, Gudrun Externbrink, Sabine und Siegfried Dahlke beklagen insbesondere starken LKW- Verkehr und haben sich kürzlich mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt. Ähnliche Beschwerden gibt es von Peter Streich, Anwohner der Landstraße Werver Mark in Heeren-Werve. Auf den Hilferuf antworten nun Daniel Heidler (SPD), Ralf Eisenhardt (CDU) und Helmut Stalz (FW/FDP). Bündnis 90/Die Grünen und Linke/GAL ließen Anfragen der Redaktion unbeantwortet, sodass von ihnen keine Antworten vorliegen.
LKW-Durchfahrtverbot in Kamen: Das sind die Antworten auf den Anwohner-Hilferuf

Daniel Heidler (SPD) © J.Stipke/archivWest

LKW-Durchfahrtverbot in Kamen: Das sind die Antworten auf den Anwohner-Hilferuf

Ralf Eisenhardt (CDU) © Carsten Fischer

LKW-Durchfahrtverbot in Kamen: Das sind die Antworten auf den Anwohner-Hilferuf

Helmut Stalz (FW/FDP) © privat

Ralf Eisenhardt (CDU): „Hier liegt Segen und Fluch nahe beieinander. Arbeit und Leben müssen in einer Kommune zusammen gestaltet werden. Segen sind die mit der Logistik verbundenen Arbeitsplätze, Fluch der Verkehr, der eine Belastung bedeutet. Die CDU-Fraktion hat schon früh die Einführung eines LKW-Lenkungskonzeptes im Jahr 2012 in die politische Diskussion gebracht. Es sollte auch schon ein LKW-Navigationskonzept der Metropole Ruhr implementiert werden, das Thema verlor an Aufmerksamkeit in den vergangenen Jahren.“

Helmut Stalz (FW/FDP): „.Ja, Logistikbetriebe rund um das Kamener Kreuz haben stark zugenommen mit weiter steigender Tendenz. Deswegen sollte der LKW-Durchgangsverkehr auf der A1 und der A2 bleiben.“

? Halten Sie ein im Lärmaktionsplan vorgeschlagenes LKW-Nachtfahrverbot für ausreichend?


Daniel Heidler (SPD): „
Die nächtliche Temporeduzierung auf der Lünener Straße war ein wichtiger und richtiger Schritt. Ein LKW-Nachtfahrverbot halten wir perspektivisch nicht für ausreichend. Erforderlich sind hier ein kompletter Umbau der Straße und der Einbau von lärmlinderndem Asphalt. Auch der Radverkehr kommt viel zu kurz. Hier sind, ebenso wie an einigen anderen Stellen im Stadtgebiet auf Bundes- und Landesstraßen wie beispielsweise Dortmunder Allee und Werver Mark, bauliche Maßnahmen notwendig, um geeignete Rad- und Gehwege vorzuhalten.“

Ralf Eisenhardt (CDU):
„Die CDU-Fraktion nimmt die Eingaben der Anwohner an der Lünener Straße auf und ernst. Sie erwartet von der Stadtverwaltung dazu mehr Hintergrundinformationen. Die geschilderte Situation muss analysiert, dann müssen Lösungswege aufgezeigt werden. Ob das im Lärmaktionsplan vorgesehene Nachtfahrverbot ausreichend ist, muss nach dessen Einführung überprüft und bewertet werden. Dazu sollten die Anwohner einbezogen werden. Ein Fahrverbot für LKW wird für eine Landstraße kaum durchsetzbar sein und liegt auch nicht im Ermessen der Kommunalpolitik.“

Helmut Stalz (FW/FDP): „Nein. Der LKW-Durchgangsverkehr soll auf der A1 und der A2 bleiben. Lärm, Feinstaub und Abgase machen nachweislich krank und schädigen die Umwelt. Als Anwohner der Lünener Straße kann ich den Hilferuf sehr gut nachvollziehen. Vor zehn Jahren habe ich einen Bürgerantrag zur Verbesserungsmaßnahmen gestellt und dafür über 330 Unterschriften gesammelt. Der Erfolg waren zusätzliche Querungshilfen, Radschutzstreifen und Tempo 30 nachts. Allerdings wurde die zentrale Forderung eines nächtlichen LKW-Durchfahrverbotes bisher nicht umgesetzt.“

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? Welche Maßnahmen für die Lünener Straße schlägt Ihre Fraktion vor - und wie wollen Sie die Realisierung erreichen?

Daniel Heidler (SPD): „Es braucht regionale LKW-Lenkungskonzepte, die auf lokaler Ebene wirken: Durch geschickte Beschilderungen müssen LKW-Verkehre konsequent über die Autobahnen führen. Im Ergebnis dürfen auch LKW-Durchfahrverbote kein Tabu sein. Gesundheit und Wohnqualität müssen im Vordergrund stehen. Daher fordern wir von Bund und Land, mehr in Bundes- und Landesstraßen zu investieren, hier muss das Land NRW und das Bundesverkehrsministerium in die Pflicht genommen werden.“


Ralf Eisenhardt (CDU):
„Zunächst sehen wir die Umsetzung der Lärmaktionsplanung. Wenn das nicht ausreicht, werden wir die Verwaltung auffordern weitere Maßnahmen abzustimmen und vorzuschlagen.“

Helmut Stalz (FW/FDP): „Als Ratsmitglied der Freien Wähler Kamen und als Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative werde ich mich weiterhin für ein LKW-Durchgangsfahrverbot, außer Ziel- und Quellverkehr, einsetzen. Nur so werden Lärm, Feinstaub und Abgase stark reduziert, und damit wird die Gesundheit der Anwohner besser geschützt.“


? Halten Sie das LKW-Nachtfahrverbot bzw. ein weitergehendes LKW-Durchfahrtverbot für sinnvoll, machbar und durchsetzbar?

Daniel Heidler (SPD): „Durch die Einbringung der dritten Runde des Lärmaktionsplanes sind diese Probleme auch im Fokus der parlamentarischen Beratungen. Bürger werden im Laufe des Jahres die Möglichkeit haben, sich in dieses Verfahren einzubringen. Gerade wegen des mehr werdenden Verkehrs hoffen wir auch auf einen baldigen Start der umfassenden Sanierung der Hochstraße. Hier bieten sich dann endlich Chancen für erhebliche Lärmreduzierungen, u.a. durch den alternativlosen Einbau von lärmminderndem Asphalt. Auch die Erweiterung der Lärmschutzwände muss ermöglicht werden.“

Ralf Eisenhardt (CDU): „Die Lünener Straße ist eine Landstraße eine Straße mit überregionaler Bedeutung. Alle Maßnahmen müssen mit dem Straßenbaulastträger abgestimmt werden. Hier müssen die Fachleute Lösungen vorschlagen, die mit den Belangen der Anwohner in Einklang zu bringen sind. Als Kommunalpolitiker haben wir zwar dazu eine Meinung, nämlich, dass hier Verbesserungen im Sinne der Anwohner zu untersuchen sind, aber nicht eine fertige Lösung zu diesem Problem im Hut.“

Helmut Stalz (FW/FDP): „Ja, für sehr sinnvoll und machbar, wenn man will. Es gibt Bundesstraßen, wo dies praktiziert wird. Kaum ein Anwohner der Lünener Straße kann verstehen, warum LKW die Lünener Straße als Abkürzung oder zur Stauumfahrung benutzen dürfen, nur weil der Landesbetrieb Straßen NRW es so vorsieht. Ein Behördenvertreter sollte dies einmal in einer Bürgerversammlung den Anwohnern plausibel erklären! Wenn die Autobahn wegen schwerer Unfälle gesperrt ist, haben sicher die meisten Anwohner Verständnis, dass der Verkehr über die Lünener Straße abfließt.“

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