Aktuelles, Bürgerfragen und Themen, über die bisher kaum diskutiert wurde: Im Live-Talk mit HA-Redakteur Carsten Fischer beteiligten sich Kamens Spitzenkandidaten an einer unterhaltsamen Diskussion.

Kamen

, 10.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Von aktuellen Themen wie der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem abgebrannten Lager Moria über lokale Dauerbrenner wie Parkgebühren, den Bäder-Neubau bis hin zur Frage, ob die Kamener Politik transparenter für den Bürger werden muss: Im Gespräch mit Redakteur Carsten Fischer diskutierten sechs der sieben Spitzenkandidaten kurz vor der Kommunalwahl noch einmal persönlich miteinander.

Zwar nicht vor Publikum, aber dafür vor Kameras, dank derer die Zuschauer das Gespräch am Mittwochabend live bei www.hellwegeranzeiger.de verfolgen konnten. Es handelte sich dabei um ein Format, das auch für Rats- und Ausschusssitzungen denkbar wäre. Doch dieser Vorschlag von Moderator Fischer stieß nicht bei jedem auf Begeisterung – womit man schon bei einem besonders spannenden Thema des Abends angekommen ist:

„Ich möchte auch nicht, dass Menschen, die sich dort engagieren, die ganze Zeit unter dem Fokus einer Kamera stehen und sich vielleicht möglicherweise nicht trauen, etwas zu sagen“, sagt Daniel Heidler (SPD) auf die Frage hin, ob politische Sitzungen live übertragen werden sollen.

Heike Schaumann zieht als Spitzenkandidatin der FDP bei der Kommunalwahl in Kamen ins Rennen. Beim Live-Talk mit ihren Konkurrenten gab sie auch mal Kontra, was zu einer lebhaften und unterhaltsamen Diskussion führte.

Heike Schaumann zieht als Spitzenkandidatin der FDP bei der Kommunalwahl in Kamen ins Rennen. Beim Live-Talk mit ihren Konkurrenten gab sie auch mal Kontra, was zu einer lebhaften und unterhaltsamen Diskussion führte. © Udo Hennes

Bevor Heidler aber ergänzen kann, dass etwa sachkundige Bürger, die keine eingefleischten Politiker sind, vorher gefragt werden müssten, erhebt Heike Schaumann von der FDP ihre Stimme, denn sie ist da weniger skeptisch: Wer in die Politik gehe, setzte sich für die Bürger der Stadt ein und dann müsse es auch okay sein, wenn man unter der Beobachtung der Bürger stehe. „Dieses Abschotten, weil man nicht von einer Kamera gesehen werden will, das ist doch gerade irgendwo der Beginn von Intransparenz“, findet sie.

Video
Live-Talk zur Kommunalwahl in Kamen

Beim Thema Transparenz in der Arbeit der Verwaltung und des Stadtrates ging es in unserem Live-Talk unter den Spitzenkandidaten der Kamener Parteien SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, die Linke, Freie Wähler und der FDP besonders leidenschaftlich und kontrovers zu.

Neben Schaumann befürwortet auch Helmut Stalz von den Freien Wählern die digitale Übertragung von Rats- und Ausschusssitzungen. Politische Entscheidungsprozesse würden dadurch transparenter und für Bürger sei es so einfacher, an Sitzungen teilzunehmen.

Daniel Heidler (SPD) hätte kein Problem damit, dass man ihn bei einer Sitzung oder einem Ausschuss filmt. Er wünscht sich aber Schutz für andere, die das verunsichern könnte. Das erklärt er im Live-Talk zur Kommunalwahl.

Daniel Heidler (SPD) hätte kein Problem damit, dass man ihn bei einer Sitzung oder einem Ausschuss filmt. Er wünscht sich aber Schutz für andere, die das verunsichern könnte. Das erklärt er im Live-Talk zur Kommunalwahl. © Udo Hennes

Beim Thema Transparenz wurde es im Live-Talk in Kamen leidenschaftlich

Nicht dagegen, aber doch skeptischer zeigten sich die anderen Spitzenkandidaten. Anke Dörlemann (Bündnis 90/Die Grünen) ist zwar grundsätzlich für Aufzeichnungen, verweist aber auf die Kehrseite der Transparenz – dass einzelne Passagen herausgenommen und für andere Zwecke genutzt werden können. Klaus-Dieter Grosch von den Linken wirft ein, dass alles, was einmal im Netz ist, auch dort bleibt. Er ist skeptisch, wäre aber offen dafür, es beim Rat einmal zu versuchen. Grosch glaubt eher, dass das Problem der Transparenz der „enorme Vorsprung an Wissen der Verwaltung“ ist.

Klaus-Dieter Grosch (Die Linke) setzt sich für den Erhalt des Methleraner Bades ein und erinnert an Zeiten, in denen Kamen sechs Bäder hatte.

Klaus-Dieter Grosch (Die Linke) setzt sich für den Erhalt des Methleraner Bades ein und erinnert an Zeiten, in denen Kamen sechs Bäder hatte. © Udo Hennes

Ralf Eisenhardt von der CDU hingegen weist den Vorwurf der Intransparenz zurück, weil die Türen zu Rats- und Ausschussitzungen allen Bürgern offen stehen. „Wenn überhaupt die Stühle erstmal besetzt würden, die in jeder Sitzung frei wären und wir dann nicht mit dem Platz hinkämen, dann können wir uns gerne über Videoaufzeichnungen unterhalten.“

Keine Einigung beim Thema Kombibad und Erhalt des Heerener Bades

Doch die Transparenz war an diesem Abend freilich nicht das einzige Thema, bei dem die Meinungen auseinander gingen – zum Glück, denn dadurch war die Diskussion alles andere als langweilig. Ein Thema, das zwar schon viele Male heiß diskutiert wurde, aber immer wieder neuen Stoff bietet, ist der Neubau eine Schwimmbads in Kamen-Mitte.

Kann vor dem Hintergrund der Coronakrise weiter an dem Plan festgehalten werden, das sogenannte Kombibad zu bauen und gleichzeitig die Kleinschwimmhalle in Heeren zu erhalten, wollte Moderator Carsten Fischer von Daniel Heidler wissen. Der zeigte sich sehr sicher, dass die Förderung vom Land und damit auch das Bad kommen wird. „Ich rechne damit, dass wir nächstes Jahr den Beschluss fassen und es dann zügig losgeht.“

Auch Eisenhardt glaubt, dass die Gespräche mittlerweile zu weit fortgeschritten sind, als dass daran noch etwas zu ändern ist. „Das Kombibad wird kommen, aber auch der Erhalt der Kleinschwimmhalle“. Die sei der CDU sehr wichtig.

Ralf Eisenhardt (CDU) macht klar, dass seine Partei nicht mit der AfD zusammenarbeiten würde.

Ralf Eisenhardt (CDU) macht klar, dass seine Partei nicht mit der AfD zusammenarbeiten würde. © Udo Hennes

Anke Dörlemann zeigt sich über diese Lösung nicht besonders glücklich und kritisiert, dass die Idee eines gemeinsamen Bades mit Bergkamen nicht hinreichender diskutiert worden ist. Grosch hat unterdessen das Methleraner Bad noch nicht aufgegeben und hofft auf einen Deal zwischen Stadt und dem Fußball- und Leichtathletikverband. Stalz brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass die Heerener Kleinschwimmhalle eines Tages so sanierungsbedürftig sein könnte, dass sie neu gebaut werden muss, und Heike Schaumann gab ehrlich zu, dass sie nicht daran glaubt, dass die Kleinschwimmhalle auf Dauer von GSW oder Stadt betrieben werden kann.

Helmut Stalz (Freie Wähler) äußert die Sorge, dass die Kleinschwimmhalle in Heeren eines Tages neu gebaut werden muss und dann hohe Kosten verursacht.

Helmut Stalz (Freie Wähler) äußert die Sorge, dass die Kleinschwimmhalle in Heeren eines Tages neu gebaut werden muss und dann hohe Kosten verursacht. © Udo Hennes

Zusammenarbeit mit AfD ausgeschlossen

Die Meinungen gehen also auch bei diesem Thema auseinander – ebenso wie auch bei der Frage, ob es in Kamen Parkgebühren geben sollte. Doch bei manch einer Frage, die der Moderator an die Spitzenkandidaten richtete, waren sich die Politiker dann doch einig.

Alle Spitzenkandidaten zeigten sich etwa offen dafür, dass Kamen angesichts der Lage auf Lesbos Flüchtlinge aufnimmt. Nicht vorstellen können sich alle fünf Politiker eine Zusammenarbeit mit der AfD, die der Einladung zum Live-Talk übrigens nicht gefolgt war.

Und auch bei der derzeit diskutierten Öffnung des Betriebsweges am Mühlbach, für die gerade ein Gutachten erstellt wird, herrschte weitgehend Einigkeit. Solange das Gutachten nicht aussagt, dass die Natur zu sehr unter einer Öffnung leiden würde, waren alle bis auf Dörlemann für eine Öffnung.

Anke Dörlemann (Grüne) ist als einzige nicht für die Öffnung des Betriebsweges am Mühlbach. Die Natur braucht ihrer Meinung nach einen Rückzugsort.

Anke Dörlemann (Grüne) ist als einzige nicht für die Öffnung des Betriebsweges am Mühlbach. Die Natur braucht ihrer Meinung nach einen Rückzugsort. © Udo Hennes

Die Grünen-Chefin findet, dass die Natur einen Rückzugsort braucht und man stattdessen das Südfeld so umbauen sollte, dass Radfahrer dort sicher und gefahrenlos entlangfahren können. Stalz hob sich mit seiner Aussage ebenfalls etwas ab: Er findet, dass der Betriebsweg an der Körne in Wasserkurl geöffnet hätte werden sollen. Dort sprach sich ein Gutachten dagegen aus und der Weg blieb zu.

Mehr über dieses Thema und weitere Themen erfahren Sie in unserem Livestream, der noch aufgerufen werden kann. Im Video sprechen die Kandidaten offen und ehrlich miteinander – ganz transparent.

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