Liebling, ich habe den Kamener Bahnhof geschrumpft

dzBaudenkmal geht in Serie

Der Kamener Bahnhof passt jetzt in jedes Wohnzimmer. Das Baudenkmal ist als Miniaturmodell in Serie gegangen. Marcel Hagemann erklärt voller Begeisterung für das Gebäude, warum der erste Versuch im Papierkorb landete.

Kamen

, 27.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mann mit Vollbart und Brille öffnet vor dem Bahnhof Kamen einen großen Pappkarton. Das ist kein typisches Reisegepäck, aber Marcel Hagemann ist auch kein Reisender, wie das Umfeld vermuten lässt.

Der 33-Jährige aus Haan arbeitet für die Modellbahn-Union, einen in Kamen ansässigen Händler und Produzenten für Modelleisenbahnen und Zubehör. Jetzt greift der Kaufmann und Marketing-Chef in den Karton und holt ein eingewickeltes Objekt heraus. Hagemann befreit es von den Schutzhüllen und hält es in die Höhe: Es ist der Kamener Bahnhof als Modell, 87-mal kleiner als das Original.

Kamener Bahnhofsgebäude vor 165 Jahren eröffnet

Am 15. Mai 1847 wurde die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn bei Kamen, damals „Camen“, eröffnet. Etwa zwei Wochen zuvor, am 2. Mai, hielt der erste Personenzug. Das Empfangsgebäude wurde 1854 fertiggestellt, 1906 wurde es noch um eine Vorhalle erweitert. Und dieses Empfangsgebäude hat Hagemann und seinen Kollegen fasziniert.

Liebling, ich habe den Kamener Bahnhof geschrumpft

Das Modell im Maßstab 1:160 und das Original vom Bahnsteig aus gesehen: Der Kamener Bahnhof wurde nach einem Musterentwurf aus der Schule Karl-Friedrich Schinkels gebaut. © Stefan Milk

Im Zuge des Umzugs der Modellbahn-Union aus Dortmund zur Gutenbergstraße nach Kamen entstand die Idee, ein Modell des Kamener Bahnhofs zu schaffen. „Einen Bahnhof braucht jeder Modelleisenbahner“, sagt Hagemann. Für das Projekt sprach, dass der Kamener Bahnhof in seiner Art „beinahe einzigartig“ sei und eine „imposante Geschichte“ habe. „Alles was Geschichte hat, lässt sich gut verkaufen“, sagt Hagemann.

Zunächst recherchierten die Kollegen zum Bahnhof und suchten im Internet nach öffentlich verfügbaren Fotos und Informationen. Originalpläne standen nicht zur Verfügung. Außerdem fuhren sie selbst zum Bahnhof und fotografierten das Baudenkmal aus allen möglichen Perspektiven. So entstand ein erstes Computermodell der Station. Verantwortlich dafür war ein Bauzeichner aus dem Team.

Die erste Fassung landete im Papierkorb

Doch mit dem Ergebnis des Prototypen waren die Modellbauer nicht zufrieden. „Das konnten wir den Kamenern nicht antun“, sagt Hagemann. Dem Modell fehlte das gewisse Etwas. Also beschlossen die Modellarchitekten, mit mehr Liebe zum Detail vorzugehen. „Stück für Stück wurde das Modell nachgezeichnet, sodass jeder Stein nachgebildet ist“, erklärt Hagemann. Das Ergebnis ist eine von den Fenstersprosssen bis zu den Dachbalken detailgetreue Miniatur.

Liebling, ich habe den Kamener Bahnhof geschrumpft

Von Karl-Friedrich Schinkel inspirierte klassizistische Formensprache: Der Kamener Bahnhof im Maßstab 1:87 (Spur H0) und Maßstab 1:160 (Spur N). © Stefan Milk

Fertig aus dem Karton gibt es den Kamener Bahnhof nicht zu kaufen. Die Teile des Bausatzes bestehen laut Hagemann aus einem hauchdünnen Holzfaserstoff („MDF“), der in dickerer Form auch aus dem Möbelbau bekannt ist. Produziert wird der Kamener Bahnhof, wie auch andere Modelle vom Stellwerk bis zur Logistikhalle, nach Bedarf in der hauseigenen Produktion im niederrheinischen Issum. Dort ist die Schwesterfirma „DM-toys“ angesiedelt. Mit Lasercut-Maschinen wird das Grundmaterial exakt zugeschnitten. Selbst winzige Fenstersprossen lassen sich mit dieser Technik darstellen – viel detaillierter als mit herkömmlichen Plastikbausätzen.

Kamener Förderturm noch nicht auf der Liste

Ob die Modell-Architekten auch noch weitere Kamener Gebäude nachahmen wollen, steht noch nicht fest. „Ausgeschlossen ist nichts“, sagt Hagemann. Was wäre zum Beispiel, wenn der Wunsch nach einer Nachbildung des Kamener Förderturms die Modellbahn-Union erreichen würde? „Für Vorschläge sind wir offen“, sagt Hagemann. Auch Auftragsarbeiten werden umgesetzt. Das Unternehmen arbeitet auch mit dem Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath zusammen.

Thomas Hagemann packt den Kamener Bahnhof behutsam wieder in den großen Pappkarton, damit das federleichte Vorzeigeobjekt keinen Schaden nimmt. Er hat auch noch einen kleinen Karton im Gepäck. Neben einer Ausführung im Maßstab 1:87 (Spur H0) gibt es den Bahnhof noch im Maßstab 1:160 (Spur N).

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