Lesung der besonderen Art: Untergrundexpedition in die Höhlen des Dustertals

dzAutor Michael Wrobel

Michael Wrobel nimmt sein junges Publikum in Kamen mit auf eine Reise durch verschlungene Grotten voller Rätsel. Die Zuhörer in der vollen Stadtbücherei lauschen gespannt.

von Jan Dreher

Kamen

, 18.11.2018, 12:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Treppenhaus der Stadtbücherei ist mit bunten Laternen geschmückt, die den Weg in die Welt von Nystagia leiten. Kaum über die Türschwelle getreten, befindet man sich in einem Paralleluniversum: Ein dunkler Raum, Neonfarben bekleiden Wände und Decke, auf schwarzem Stoff zeigen neonfarbene Umrisse dem unwissenden Zuschauer, dass er sich jetzt inmitten von Höhleneingängen und fremd anmutenden Wesen befindet.

Es ist die Welt von Michael Wrobel, zumindest wenn er gerade mal nicht im Freizeitzentrum an der Lüner Höhe, sondern als Autor der Dustertal-Geschichten unterwegs ist. Auch wenn er dem Publikum gegenüber beteuert, dass er die Geschichten selbst nur bei einer Höhlenexpedition gefunden und die komplett schwarzen Seiten mittels „modernster Lichttechnologie“ zum Sprechen gebracht habe, so stammen die Texte doch aus seiner Feder.

Besonderes Erlebnis

Von einer Autorenlesung im klassischen Sinne kann aber ganz und gar nicht die Rede sein. Spätestens wenn der in eine Lichterkette gehüllte Wrobel anfängt, mit einer Taschenlampe über den Seiten seines Werks sitzend das Publikum in seine Welt zu entführen, merkt man, dass es eine besondere Art der Lesung ist. Die Zuhörerinnen und Zuhörer, egal ob klein oder groß, sind nämlich viel mehr Teil der Geschichte, als nur bloße Beobachter. Immer wieder löst sich der Überbringer der Dustertal-Erzählungen von seinem Platz und richtet sich direkt an seine Zuhörer. „Wir brauchen Sie als Dekoration“, wendet er sich an die anwesenden Eltern. Im nächsten Moment werden aus den Erwachsenen steinerne Statuen in Pose. Und als „plötzlich das Geräusch eines wilden Tieres ertönt – ungefähr das eines Wal-Löwen“, verwandelt sich die Kindermeute kurzerhand in eine Horde brüllender Kreuzungen aus Meeressäugern und Raubkatzen.

Volle Stadtbücherei

Mitmach-Lese-Hörspektakel bezeichnet der Schöpfer der Dustertal-Geschichten das erlebnispädagogische Vorlese-Event selbst. Dass das Konzept aufgeht, zeigt nicht zuletzt der Ansturm der jüngeren und älteren Zuhörer. Bis auf den letzten Platz ist der hergerichtete Raum in der Stadtbücherei belegt. Die Kinder drängen sich bis an die Bühne, während die hinteren Reihen mit Vätern und Müttern gespickt sind. Aber auch am Mitmachwillen der Kleinen und Großen lässt sich der Zuspruch für das Format erkennen. Geduldig erhebt sich die ältere Generation ein ums andere Mal, um ihre Funktion als Statuen wahrzunehmen. „Ihr dürft euch gerne wieder setzen und erst mal Pause machen“, muss Wrobel die Versteinerten auffordern, die passioniert ihrer Rolle nachgehen. Und als der Autor zu der Stelle kommt, an der der Hölenboden vibriert, stampfen und trommeln die Kinder mit einer Begeisterung auf den Boden der Bücherei, dass das historische Gebäude auf seine Standfestigkeit geprüft wird.

Auch die selbstgezeichnete Begleitanimation und das Lichtspiel fesseln die Zuschauer. Das Herabschweben einer riesigen, selbst gebastelten Spinne dürfte auch dem ein oder anderen einen längeranhaltenden Schreck eingejagt haben.

In Zeiten abnehmender Lesebegeisterung ist es ein gutes Zeichen, dass Michael Wrobel es schafft, das junge Publikum für komplexere Geschichten zu begeistern und das Lesepublikum von morgen anzusprechen.

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