Lernblockade und zu großer Druck? Neuer Ratgeber für Eltern

dzVon der Kita zur Grundschule

Aus der Kita in die Schule. Oft geht die Vorfreude auf den Unterricht verloren, wenn der Druck zu groß wird. Eltern, Erzieherinnen und Lehrer haben aufgeschrieben, was dann zu tun ist.

Kamen

, 12.09.2019, 15:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einigen Kindergärten werden die Junioren geschubst. Direkt aus der Tür. Als symbolhafte Aktion dafür, dass sie jetzt ihre Gruppe verlassen und bald in die Grundschule gehen.

Mit diesem Schubs in den neuen Lebensabschnitt, aber auch noch viel mehr, hat sich eine 15-köpfige Arbeitsgruppe aus Eltern, Erzieherinnen, Lehrerinnen und städtischen Mitarbeitern beschäftigt.

Als Ergebnis präsentierten sie jetzt eine 24-seitige Broschüre in DIN-A4-Format. Unter dem Titel „Übergang Kita-Schule. Wissenswertes für Eltern in Kamen“.

Die Broschüre soll Eltern als Nachschlagewerk zum Thema dienen, gibt Tipps für die schwierige Übergangszeit und hält Kontaktadressen vor, über die man sich vernetzen kann.

Lernblockade und zu großer Druck? Neuer Ratgeber für Eltern

Vertreter der 15-köpfigen Projektgruppe stellten die Broschüre im Kindergarten Monopoli vor (v.l.): Nicole Börner, Elke Kappen, Christina Pusch, Sigurd Sander und Antje Schnepper. © Marcel Drawe

Was sind die Probleme, die beim Wechsel entstehen können?

Die Broschüre liegt ab sofort in allen Kindertagesstätten aus und ist auch online über die Seite der Stadt Kamen abzurufen.

Was sind die Probleme, die beim Wechsel vom Kindergarten in die Schule entstehen können? „Dass der Druck so groß ist, dass die Kinder keinen Zugang zu ihren Möglichkeiten haben und eine Lernblockade entsteht“, sagt Antje Schnepper vom DRK-Kindergarten „Monopoli“ . Und Christina Pusch, Leiterin der Friedrich-Ebert-Schule, sagt: „Als Maxi-Kind sind sie im Kindergarten die Größten. Als Schulkind sind sie plötzlich wieder die Kleinsten unter der Sonne.“

Es sei deswegen ratsam, den Kindern das Gefühl zu geben, dass sie nicht gleich alles können müssen und dass nicht alles auf Anhieb klappen kann. Der Druck, so weiß auch Bürgermeisterin Elke Kappen, laste oftmals auch auf den Eltern. „Sie treibt ja nicht der Egoismus, wenn sie das Beste für ihre Kinder wollen. Sie wollen ja nur, dass ihr Kind gut zurecht und möglichst weit kommt.“ Manchmal empfehle sich aber mehr Gelassenheit. Wenn man sich Biografien bedeutender Persönlichkeiten anschaue, dann werde einem bewusst, dass diese durchaus nicht immer den geraden Weg genommen hätten und auch noch Kind sein durften. Pusch: „Wichtig ist: Das Kind soll sich in der Schule wohlfühlen.“

Lernblockade und zu großer Druck? Neuer Ratgeber für Eltern

Die Projektgruppe, die an der Broschüre „Übergang Kita-Schule" gearbeitet hat. Lehrerinnen, Erzieherinnen, Eltern und Vertreter der Stadt haben sich über Monate ausgetauscht, einmal monatlich immer spät am Nachmittag. © Stadt Kamen

Wertvolle Tipps für den Übergang

In der Broschüre gibt es Tipps, wie man den Übergang gut gestalten kann. Es gibt Informationen zur Sprachstandsfeststellung und Tipps für zuhause. Fähigkeiten, die den Kindern in der Schule helfen, werden formuliert. Zudem gibt es Abschnitte über die Schulanmeldung, die Schuleingangsuntersuchung und die Schuleingangsphase. Und außerdem erfahren Eltern, wie sie die Betreuung in den Sommerferien im Übergangsjahr organisieren können. „Das ist eine Broschüre, die nicht von anderen über andere gemacht wurde. Sondern eine Broschüre, an der alle Betroffene mitgearbeitet haben“, betont Jugendhilfeplanerin Nicole Börner. Sigurd Sander, 2. Vorsitzender des Jugendamtselternbeirats, bestätigt das als Vertreter der Eltern. „Diese Arbeit war sehr aufschlussreich und hat für alle eine Menge gebracht.“ Und davon sollen jetzt und in Zukunft jene Eltern profitieren, deren Kinder vor dem Wechsel in die Schule stehen.

„Das ist ja wie Geburtstag!“

Die Friedrich-Ebert-Schule und der Kindergarten „Monopoli“ arbeiten schon lange zusammen, um den Übergang zur Schule zu erleichtern. Es gibt ein Lesekumpelprojekt, bei dem die Drittklässer den Maxikindern etwas in der Schulbücherei, dem Leseplaneten, vorlesen. Und es gibt Schnuppertage, bei denen die Maxikinder die ersten Unterrichtsstunden erleben dürfen. Schnepper: „Unsere Kinder freuen sich riesig auf die Schule. Sie sind nur noch cool, weil sie jetzt die Größten im Kindergarten sind.“ Und Kappen ergänzt: „Ein Kind sagte mir mal: Das ist ja wie Geburtstag!“

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