Kamens Seniorenbeauftragter Markus Fallenberg mit dem städtischen Wegweiser für Senioren und Menschen mit Behinderung. Das Heft stellt Angebote und Hilfen in der Stadt Kamen übersichtlich dar. Während der Corona-Pandemie sind weitere Hilfen notwendig. © Marcel Drawe
Corona und der Impftermin

Leiden unter der Corona-Pandemie: „Senioren würden zu Fuß zum Impfzentrum laufen“

Das Ringen um einen schnellen Impftermin für über 80-Jährige hat auch den Kamener Seniorenbeauftragten beschäftigt, der für Hilfe suchende Senioren selbst einige Termine ausmachte.

Am Montag klingelte es Sturm im Büro des Kamener Seniorenbeauftragten. Markus Fallenberg erreichten im Rathaus zahlreiche Anrufe, als zum Start der Impftermin-Vergabe an über 80-Jährige die Technik im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) den Nutzern einen Streich spielte. Die Online-Plattform war abgestürzt, telefonisch gab es nur Besetztzeichen, Bandansagen oder lange Warteschleifen. „Der Montag war turbulent. Das war aber abzusehen“, sagt Fallenberg, der im Rathaus zahlreiche Angebote für Senioren organisiert. „Das Durchkommen zur Terminvergabe war sehr anspruchsvoll. Das hat zu viel Frust unter den Senioren gesorgt.“


Fallenberg macht kurzerhand Termine für Senioren aus

Frust, den Markus Fallenberg teilweise auflösen konnte. Denn er setzte sich kurzerhand selbst an seinen Rechner, um die teilweise hilflosen Anrufer zu unterstützen.

Am Dienstag buchte er für drei Senioren aus Kamen Termine online. „Morgens ging das noch problemlos, dann war das System wieder überlastet – und ab 15 Uhr wieder erreichbar.“ Er habe die Termine samt der sechsstelligen Identifikationscodes ausgedruckt und in die Post gegeben.

Für Fallenberg eine Selbstverständlichkeit. „Ich helfe gern im Rahmen meiner Kapazitäten. Wo es geht, da mache ich das“, sagt er. Er habe jetzt den Eindruck, dass die Terminvergabe ordentlich laufe.

Mitgeteilt, „dass das Ganze Käse ist“

Am Montag ging das noch nicht – und so hatte er zahlreiche verärgerte Senioren am Apparat, die ihrem Ärger Luft machten und „mitteilen wollten, dass das Ganze Käse ist“, so Fallenberg.

Er kann den Unmut aus der Erfahrung nachvollziehen, dass die zur Hochrisikogruppe gehörenden Senioren besonders unter der Situation zu leiden haben. „Sie sind sehr vorsichtig, haben wenig Kontakte, verlassen selten das Haus – und alle Angebote, die es früher gab, sind ausgefallen.“

Ähnlich hatten sich Senioren gegenüber unserer Redaktion geäußert. „Das ist wie ein Jahr lang Quarantäne“, hieß es. Überwiegend alte Menschen sind in Zusammenhang mit Corona in Kamen gestorben, die Zahl der Todesfälle betrug am Mittwoch 21.

Impftermine jetzt erst ab Mitte März

Die Termine, die Fallenberg für die Senioren ausmachte, lagen für die Erstimpfung jetzt schon bei Mitte März und für die Zweitimpfung im April. Ein Zeichen dafür, wie sehr die Impfungen zeitlich gestreckt werden, weil der Impfstoff selbst für die relativ geringe Zahl an über 80-Jährigen, davon 3080 in Kamen, nur nach und nach zur Verfügung gestellt wird.

Am Montag gab es Ersttermine direkt ab Impfstart zum 8. Februar, am Dienstagmorgen lagen diese bereits Anfang März. Senioren berichteten unserer Redaktion über die Angst, dass sie im Angesicht des Impfstoffmangels erst einmal leer ausgehen könnten. Andere verstanden die Aufregung nicht und sagten im Gespräch mit der Redaktion. „Ich bin auch alt, aber ich kann die Ungeduld nicht verstehen.“

Impfung für die langsame Rückkehr zur Normalität

Fallenberg kann die Sorge aber gut nachvollziehen vor dem Hintergrund, wie dringend die Senioren aus der für sie stark einschränkenden Situation herauskommen möchten. „Ich weiß, dass viele von ihnen zu Fuß zum Impfzentrum gehen würden, damit sich wieder ein wenig Normalität in ihrem Leben einstellt.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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