Lehrerin zum Schulstart: „Selbstverständlich lasse ich mich testen“

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Am Mittwoch ist der erste Schultag nach den Sommerferien. Eine Grundschullehrerin aus Kamen sagt, dass sie sich schon viel früher Corona-Tests gewünscht hätte – auch für die Kinder.

Kamen

, 08.08.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über die Schlagzeile in der Zeitung hat sich Sigrid Z. (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert) geärgert. „Ärzte fürchten Lehrer-Ansturm“ war dort zu lesen im Bezug auf die Möglichkeit eines freiwilligen Corona-Tests, der Lehrern ab Montag alle zwei Wochen beim Hausarzt oder in Testzentren offen steht. „Warum wieder gegen die Lehrer?“, fragt sich Z., die selbst Lehrerin an einer Grundschule in Kamen ist.

Und sie stellt eine Reihe weiterer Fragen, die im Grunde rhetorischer Art sind: „Ist es nicht vielmehr so, dass die Lehrerinnen und Lehrer Verantwortung zeigen, indem sie sich testen lassen, wenn sie in den Präsenzunterricht gehen? Hätten diese Tests nicht vor Schulbeginn ermöglicht werden sollen? Hätten diese Tests nicht bereits vor den Präsenztagen vor den Sommerferien erfolgen müssen?“

Lehrerin fühlte sich wie das „Versuchskaninchen der Nation“

Vor den Sommerferien, sagt Z., habe sie sich wie „das Versuchskaninchen der Nation“ gefühlt, als plötzlich für zwei Wochen zum Regelunterricht zurückgekehrt wurde. Frei nach dem Motto: Danach haben die Lehrer ja genug Zeit sich zu erholen.

Schon damals habe sie sich gefragt, warum nicht viel mehr getestet wurde, bei den Schülern zum Beispiel Fieber gemessen wurde.

Jetzt, wo die Testmöglichkeit zumindest für die Lehrer kurzfristig kommt, will Sigrid Z. sich „selbstverständlich“ bei ihrem Hausarzt testen lassen. „Da siegt einfach die Vernunft“, sagt sie.

Einen Termin hat sie bereits vereinbart, muss aber vorher noch ins Schulsekretariat, das ihr eine Bescheinigung ausstellen muss.

Grundschüler brauchen Nähe – und keine Maske im Unterricht

Wie es dann ab Mittwoch wird im Unterricht mit ihren Schülern, darauf ist Z. natürlich gespannt. Die Abstandsregeln seien für Grundschüler kaum einzuhalten, weil sie die körperliche Nähe zu ihrer Lehrerin suchen und brauchen. Froh ist die Pädagogin darüber, dass die von der Landesregierung beschlossene Maskenpflicht im Unterricht an den Grundschulen nicht gilt. Mit einer Maske vor die Kinder zu treten, „wie gruselig ist das denn?“, fragt Sigrid Z. wieder rhetorisch.

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Im Gebäude und auf dem Schulhof ist die Maske freilich vorgeschrieben. Am Dienstag werden in der Lehrerkonferenz die Einzelheiten besprochen. Doch die erfahrene Lehrerin geht davon aus, dass die Klassen wie vor den Ferien zeitversetzt die Schule betreten und verschiedene Eingänge nutzen.

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Auf dem Schulhof und dem angrenzenden Spielplatz hatten die ihre Pausen ebenfalls zeitlich versetzt verbracht, um Kontakte außerhalb des eigenen Klassenverbundes zu vermeiden.

Nicht mal einen Stift durften die Kinder weiterreichen

Den Unterricht, das räumt Sigrid Z. unverblümt ein, beeinträchtigte die Vielzahl an Regelungen enorm. So durften die Kinder aus Sorge vor der Infektionsgefahr untereinander nicht mal einen Stift weiterreichen.

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