Monika Kaiser leitet seit zweieinhalb Jahren die DB-Agentur im Bahnhof Kamen. Die 54-jährige Reiseexpertin hat die zuvor wegen Corona drastisch eingeschränkten Öffnungszeiten wieder erweitert. © Carsten Janecke
DB-Agentur Kamen

Lebenszeichen vom Geister-Bahnhof: „Viele wissen nicht, dass wir geöffnet haben“

Der Betrieb am Bahnhof nimmt Fahrt auf. In der DB-Agentur, die Tickets verkauft, spürt man den Aufwärtstrend, der aber größer ausfallen könnte. „Viele wissen nicht, dass wir geöffnet haben.“

Weniger Züge Richtung Hamm und Dortmund, leer gefegte Bahnsteige und ein geschlossener Shop. Wie ein Geister-Bahnhof wirkte die Kamener Station während der härtesten Phase der Corona-Pandemie.

Durchgängig die Stellung gehalten hat Monika Kaiser, die den Fahrkartenschalter im denkmalgeschützten Hauptgebäude betreut, auch wenn die Öffnungszeiten der DB-Agentur, wie sie sagt, „drastisch gekürzt“ waren. Jetzt geht der Betrieb wieder in Richtung Normalität, der Bahnhof belebt sich wieder.

„Viele wissen aber nicht, dass wir überhaupt geöffnet haben“, sagt die 54-jährige Reiseexpertin aus Kamens Nachbargemeinde Bönen, die einmal in der Woche von ihrer Kollegin Sabine Potrafka unterstützt wird.

Auf dem schmucklosen Aufsteller vor dem Bahnhofsgebäude in Kamen ist nachzulesen, dass die Ticket-Agentur der Deutschen Bahn geöffnet hat. Das hat sich noch nicht überall herumgesprochen.
Auf dem schmucklosen Aufsteller vor dem Bahnhofsgebäude in Kamen ist nachzulesen, dass die Ticket-Agentur der Deutschen Bahn geöffnet hat. Das hat sich noch nicht überall herumgesprochen. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Fahrgastzahlen gehen steil nach oben

Der Bahnverkehr zieht wieder an. Die Fahrgastzahlen im Eisenbahnverkehr waren laut dem IT-Dienstleister des Landes, IT-NRW, im zweiten Quartal 2021 mit rund 28,6 Millionen Beförderten mehr als fünfmal so hoch wie im zweiten Vierteljahr 2020 und auch um 29,6 Prozent höher als von April bis Juni 2019.

Auch die Beförderungsleistung der NRW-Eisenbahnen lag laut des Landesbetriebs, der Daten aus allen Lebensbereichen erfasst, mit 629,1 Millionen Personenkilometern über den Ergebnissen der entsprechenden Vorjahresquartale (2020: 197,2 Millionen; 2019: 560,0 Millionen).

Das spürt auch Monika Kaiser. „Die Fahrgastzahlen steigen, und somit auch der Publikumsverkehr.“ Die früheren Öffnungszeiten der Vor-Corona-Zeit sind aber wegen zurzeit fehlender Umsätze noch nicht wieder machbar. Statt wie früher von 6.30 bis 18.30 Uhr ist die Agentur zurzeit von 8 bis 12.30 Uhr und 13 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Reisen im Verkauf – auch ohne Bahntickets

Kaum bekannt ist, dass die Kamener DB-Agentur auch Reisen verkauft. „Auch unabhängig von Bahntickets“, berichtet Kaiser. Wie überall in der Corona-Zeit, in denen Auslandsreisen nur eingeschränkt möglich waren: Das Inland war bei Kamener Kunden Trumpf. Wie Wyk auf Föhr auf der gleichnamigen Insel im Kreis Nordfriesland oder die niedersächsische Insel Borkum.

Mehr und mehr werden jetzt wieder Auslandszeile angefragt. „Viel nach Frankreich. Aber meist nicht weit über die Grenze“, so Kaiser. Oder nach Paris – wie zur Verfüllung des Arc de Triomphes, wo seit diesem Wochenende eine Aktion des verstorbenen Aktions-Künstlers Christo in Szene gesetzt wird. Kaiser nutzt die Bahn selbst vorrangig. „Autobahn ist mir zu stressig. Das Bahnfahren, das genieße ich.“ Und man merkt, das sie das nicht nur sagt, weil sie es als Servicekraft der Deutschen Bahn so sagen muss.

Zeitaufwendige Beratungen sorgen schon mal Ärger

Beratungen für derlei Reisen sind indes nicht ohne. „Weil sie zeitaufwändig sind“, so Kaiser. Das sorgt in der Corona-Zeit schon mal für Ärger in der Warteschlange. „Es heißt dann schon mal: Macht mal voran“, sagt Kaiser, die seit über zwölf Jahren in der Branche arbeitet. „Die Menschen sind ungeduldiger geworden.“

Zudem: Wegen Corona ist der Wartebereich mit zwei Sitzplätzen nicht nutzbar. Kaiser empfiehlt, nicht auf den letzten Drücker zu kommen, wenn ein Zug noch schnell erreicht werden muss.

Bei den jüngsten Bahnstreiks standen die Bahnkunden am Schalter, nicht immer freundlich, wenn der Fahrkarten-Umtausch nicht gelang. „Das hat zwar fast immer geklappt. Wenn nicht, dann sind wir der erste Prellbock.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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