Noah Hübner auf einem E-Lastenrad, das er mühelos manövriert. Auch mit schwereren Lasten ist das Fahrrad leicht zu handhaben. Es gibt viele Gründe, ein Lastenfahrrad zu fahren, aber auch einen dagegen. © Stefan Milk
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Lastenrad: Fünf Gründe, das Auto stehen zu lassen – und einer dagegen

Fünf Gründe, warum ein Lastenrad den Alltag bereichert und das Auto beim Einkauf auch mal stehen bleiben kann. Aber es gibt auch einen, der gegen das Transportrad spricht.

In die Pedalen treten statt mit dem Auto zum Supermarkt. Mit dem Lastenrad, das auch als Transportrad, Cargo-Bike oder Cargo-Velo bekannt ist. Egal ob Zweirad, Dreirad und sonstige erfindungsreiche Konstruktionen. Die Vielfalt der Modelle ist in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen.

Doch kann man im Alltag auch sein Auto stehen lassen? Lohnt sich die Anschaffung, die als zusätzlicher Luxus durchaus kostspielig ist? Der Kamener Zweiradmechatroniker Noah Hübner weiß, dass es für jedes Bedürfnis das entsprechende Lastenrad gibt. Hier sind fünf Gründe, warum Lastenräder im Alltag nützlich sind.

Fünf Gründe, das Auto stehen zu lassen

1. Kurze Wege bis zum Supermarkt: Die belastbaren Räder können so einiges verpacken, womit der Begriff Drahtesel seine wahre Bedeutung entfaltet – sozusagen als Drahtpackesel. Und viele Einkaufswege sind nicht länger als ein, zwei oder drei Kilometer – schließlich heißt es nicht umsonst Nahversorgung. Selbst Strecken über fünf Kilometer können mit einem elektrisch angetriebenen E-Bike problemlos gemeistert werden. „Man braucht das Auto für diese Kurzstrecken nicht“, sagt Noah Hübner (20), der im Kamener Fahrradfachgeschäft „Rad und Tat“ seine Ausbildung Anfang des Jahres abgeschlossen hat. Wer längere Strecken fahren will? Kein Problem. „Die Reichweite langt bis 100 Kilometer. Man kann das verdoppeln, wenn man einen zweiten Akku einbauen lässt.“

Noah Hübner packt eine Kiste Wasser in die Transportbox. Der Stauraum reicht auch für einen Großeinkauf.
Zweiradmechatroniker Noah Hübner packt eine Kiste Wasser in die Transportbox. Der Stauraum reicht auch für einen Großeinkauf. © Stefan Milk © Stefan Milk

2. Es passt fast alles: Drei Kisten Bier, ein Weber-Grill und eine Bierzeltgarnitur? Passen nicht. Aber ein bis zwei Getränkekisten, dazu zwei, drei oder vier große Einkaufstüten können die gängigen Modelle buchstäblich locker verpacken. Die aufgeschraubten Holzkisten und aufgesetzten Körbe sind je nach Modell unterschiedlich platziert, es gibt Kabinen für Kinder, die oft auch für den Vierbeiner benutzt werden. „Ein Verdeck bietet Schutz, dann wird auch nichts nass“, so Hübner. Es gibt auch dreirädrige Ladenräder mit einer mitlenkenden Achse, die in der Kurve eine leichte Schräglage ermöglichen, sodass dass sich die Vorderräder nicht heben, wenn man sich in die Kurve legt.

Cargobikes sind vielseitig einsetzbar – im Verkehr tun sich allerdings einige Hürden auf.
Cargobikes sind vielseitig einsetzbar – im Verkehr tun sich allerdings einige Hürden auf. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

3. Das Auto bleibt stehen: Wer das Auto nicht gleich abschaffen will, lässt es einfach mal öfter stehen. Das spart im Angesicht steigender Kraftstoffpreise ordentlich Geld. Auch der Kilometerstand steigt nicht so schnell. An der Tankstelle bremst man nur noch an, wenn man den Luftdruck der Reifen überprüfen möchte – oder sich wegen des neuen Fahrgefühls ein Kaltgetränk oder Eis spendiert.

Auch Kinder können mitfahren – es gibt entsprechende Auf und Einsätze für den sicheren Transport.
Auch Kinder können mitfahren – es gibt entsprechende Auf und Einsätze für den sicheren Transport. © picture alliance / Felix Kästle/dpa © picture alliance / Felix Kästle/dpa

4. Gut für die Umwelt: Weniger CO2-Ausstoß bei mehr eingesetzter Muskelkraft. Akkus von E-Lastenräder werden bestenfalls über die eigene Solaranlage oder Ökostrom geladen, was aber wohl eher noch eine Ausnahme ist. Gleichwie: Die mögliche Ersparnis wird am Rechenbeispiel von Pendlern deutlich. Wer mit einem einfachen Arbeitsweg von fünf Kilometern Rad statt Auto fährt, stößt laut bei 210 Arbeitstagen im Jahr 340 Kilogramm weniger an CO2 aus, wenn man einen Verbrauch von sieben Litern Benzin auf 100 Kilometer errechnet. Nicht nur gut für die Umwelt, auch gut für den Menschen, falls es weniger Starkregen gibt.

Die Anschaffung eines Lastenfahrrads durch die Stadt Kamen könnte Kamener Einzelhändler ermuntern, ein neues Transportmittel auszuprobieren.
Die Anschaffung eines Lastenfahrrads durch die Stadt Kamen könnte Kamener Einzelhändler ermuntern, ein neues Transportmittel auszuprobieren. © picture alliance/dpa (Symbolfoto) © picture alliance/dpa (Symbolfoto)

5. Wer strampelt, ist gesünder. Radfahren stärkt nicht nur die Muskeln, sondern auch das Herz-Kreislaufsystem. Wer noch zusätzlich Lasten fährt, schult den Gleichgewichtsinn noch einmal besonders. Wer im Alltag sein Rad öfter nutzt, ist für die Freizeitradtouren noch besser vorbereitet – und fährt nicht mehr hinterher (falls das mal geschehen sein sollte).

Und ein Faktor, der dagegen spricht

Der Platz-Faktor: Wohin mit dem Lastenrad, wenn man es nicht gerade bewegt? „Wenn man nicht eine Garage hat, und die hat ja nicht jeder, dann wird es schon kompliziert“, sagt Noah Hübner. Denn die Räder sind nicht nur sperrig, sondern auch schwer. Mal eben in den Keller tragen? „Das ist nicht so einfach“, so Hübner. Wer sich für ein Lastenrad entscheidet, muss also auch wissen, wohin damit, wenn er – ausnahmsweise – mal Auto fährt.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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