Landwirte warnen: Goldgelbe Rapsfelder verschwinden aus der Landschaft

dzBedrohte Blütenpracht

Landwirte unterwegs auf Feldrundfahrt: Von katastrophalen Zuständen sind die Anbauflächen zwar entfernt, aber auf einigen Feldern sind Folgen des vorigen Sommers zu sehen. Raps ist auf dem Rückzug.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 23.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Auf dem Hof Middendorf in Westick steigen Methleraner Landwirte auf einen Planwagen. Die alljährliche Feldrundfahrt steht auf dem Programm – die Bauern wollen sich einen Überblick verschaffen. In den vergangenen Tagen sind die Temperaturen gestiegen, nur einige Gewitter sorgten für Abkühlung. Heiße und trockene Bedingungen, wie an diesem Wochenende erwartet, können die Ernte bedrohen.

Der Raps macht den Landwirten zu schaffen

Während das Getreide recht solide steht, macht vor allem der Raps den Landwirten zu schaffen. Schon im vergangenen Jahr blühte er äußerst schlecht, die Schotendichte an den Pflanzen war gering. Auch in diesem Jahr rechnen die Bauern mit rund 40 Prozent Ernteeinbußen.

Landwirte warnen: Goldgelbe Rapsfelder verschwinden aus der Landschaft

Methleraner Landwirte brechen zur Feldrundfahrt aus: Sie wollen sich einen Überblick über die Felder verschaffen. © Borys Sarad

Über die Gründe können auch die Fachleute nur spekulieren. Im vergangenen Jahr könnte es die anhaltende Dürre gewesen sein, in diesem Jahr berichten Fachzeitschriften von einem höheren Schädlingsbefall. Doch obwohl auf den Feldern von Martin Middendorf kein extremer Schädlingsbefall festzustellen ist, sind auch seine Rapspflanzen wieder stark von der Blütenwelke betroffen. „Woran das wirklich liegt, weiß niemand“, erklärt Siegfried Eickelberg, Ackerbauberater der Landwirtschaftskammer NRW. „Die Schädlinge können ein Grund sein, allerdings auch deren Bekämpfung mit Insektiziden, die die Pflanzen unter Stress setzen.“

Die goldgelb blühenden Raps-Felder sind rar

Das bedeutet: Auch in diesem Jahr sind die sonst für die Region so typischen, goldgelb blühenden Felder rar. Für viele Rapsbauern stellt sich die Frage, wie lange sich der Anbau der Pflanze überhaupt noch lohnt. Schon jetzt schreiben einige Betriebe mit den Rapsfeldern rote Zahlen. Irgendwann werden die Betriebe nach Alternativen suchen müssen. Landwirt und Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbands Ruhr-Lippe Hans-Heinrich Wortmann meint: „Auch Landwirtschaft ist Teil der Wirtschaft und negative Bilanzen kann sich niemand leisten.“ Der Preis für Raps sei sowieso schon gering, so Wortmann. Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis der Raps ganz aus dem ländlichen Bild verschwunden ist?

Landwirte warnen: Goldgelbe Rapsfelder verschwinden aus der Landschaft

Kreislandwirt Hans-Heinrich Wortmann (r.) sagt, dass der Preis für Raps gering ist. © Borys Sarad

Ebenfalls betroffen von dem Problem sind Imker wie Ralf Moser. „Nach der Frühjahrsblüte kommt traditionell der Rapshonig, in diesem Jahr gab es allerdings kaum Ertrag.“ Statt Raps pflanzen immer mehr Landwirte deshalb Ackerbohnen an. Auf die Frage der Landwirte, ob auch diese Pflanze leckeren Honig bringt, findet Moser eine klare Antwort: „Honig ist immer lecker!“ Einige Landwirte haben um ihre Mais- und Kartoffelfelder sogenannte Blühstreifen gepflanzt, die bis zum Herbst blühen werden und eine Bienenweide darstellen.

Die stärksten Kartoffeln setzen sich durch

Das Kartoffelfeld der Wortmanns ist von klimatischen Veränderungen betroffen. Das Wurzelwerk der Pflanze, die Henrik Wortmann aus dem Boden zieht, ist ausgeprägt, trotzdem hängen nur wenige Kartoffeln daran. „Durch die Trockenheit kann die Pflanze nicht so viele Früchte versorgen“, erklärt er. „Also setzen sich nur die stärksten Kartoffeln durch, der Rest wird nicht versorgt und geht ein.“ Letztendlich bedeutet das weniger Ertrag pro Pflanze.

Landwirte warnen: Goldgelbe Rapsfelder verschwinden aus der Landschaft

Siegfried Eickelberg (l.) und Friedrich-Wilhelm Hiddemann haben Hiddemanns Weizenfeld begutachtet. © Niklas Mallitzky

Die Getreidesorten stehen bei fast allen Landwirten gut, auch der Mais wächst zufriedenstellend. Die Dürre vom vergangenen Jahr hat die lokale Landwirtschaft nicht in die Knie zwingen können aber das liege auch an den guten Böden hier. „Die Humusböden in Verbindung mit der Lehmschicht speichern sehr viel Wasser, deswegen war die vergangene Ernte nicht die befürchtete Katastrophe“, meint Eickelberg. Vor allem im Frühjahr habe es in diesem Jahr mehr geregnet, trotzdem brauchen die Landwirte in den nächsten Wochen noch mehr Regen. „Das Getreide ist gerade in der Kornfüllungsphase, reichert sich also mit Stärke an. Zu wenig Wasser führt zu kleineren Körnern also weniger Ertrag.“ Für andere Region rät Eickelberg dringend, in Zukunft mehr Humus unterzupflügen, um auch dort eine bessere Wasserspeicherung zu gewährleisten.

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Siegfried Eickelberg (l.) und Friedrich-Wilhelm Hiddemann haben Hiddemanns Weizenfeld begutachtet. © Niklas Mallitzky

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