Landwirte protestieren in Kamen mit grünen Kreuzen – daran gibt es Kritik

dzGegen Agrarpaket

Grüne Kreuze stehen an Äckern und Wiesen in Methler und Heeren-Werve. Heimische Bauern reihen sich damit in einen stillen Protest gegen Regulierungen in der Landwirtschaft ein.

Kamen

, 15.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hans-Heinrich Wortmann aus Methler ist nicht nur Kreisvorsitzender der Landwirte im Raum Ruhr-Lippe, sondern auch CDU-Mitglied. Das ist insofern bemerkenswert, als er eine prominente Parteikollegin, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), jetzt scharf für das von ihr gemeinsam mit Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) geschnürte Agrarpaket kritisiert. „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen“, sagt der Bauer aus Altenmethler.

Die Sorge vor zunehmender Regulierung und steigendem bürokratischen Aufwand hat Landwirte in ganz Deutschland zu Protestaktionen veranlasst. Sie demonstrierten in Traktor-Kolonnen, und außerdem stellten sie als Zeichen des stillen Protests Tausende grüne Kreuze an Felder und Wiesen auf – auch in Kamen sind sie zu sehen.

Kreislandwirt befürchtet „Strukturbruch“

Wortmann befürchtet ein beschleunigtes Höfesterben. Neue politische Vorgaben würden dazu führen, dass „ein Betrieb nach dem anderen aufgeben wird“. Einen Strukturwandel in der Landwirtschaft habe es immer gegeben. „Aber wenn alle Gesetze verabschiedet werden, kommt es zu einem Strukturbruch“, mahnt er.

Sofern sich Landwirte in agrarpolitischen Fragen bislang von der CDU am stärksten vertreten fühlten, so ist nach Wortmanns Einschätzung eine Veränderung zu spüren. Landwirte würden der CDU als Wähler davonlaufen.

Jetzt lesen

Eine Kritik von Wortmann lautet auch: „Die Landwirtschaft wird nicht mehr gehört.“ Gehört wird der Landwirte-Funktionär aber jetzt bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung am Montag (20.1.), 20 Uhr, in der Gaststätte Schulze-Beckinghausen an der Mühlenstraße. Dort wird er auf Einladung der CDU Methler über die Protestaktionen, die Situation der Landwirte vor Ort und den Flächenverbrauch in der Region informieren. Ortsunionsvorsitzender Karsten Diederichs-Späh hat jetzt zu der Diskussion über die Aktion „Grüne Kreuze“ eingeladen.

Ostendorff kritisiert Aktion „Grüne Kreuze“

Während Wortmann die Aktion „Grüne Kreuze“ begrüßt, kommen von seinem Berufskollegen, dem Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die Grünen) aus Bergkamen, kritische Töne. „Ich verstehe den Unmut und die Unsicherheit der Landwirte“, sagt er. Ein „Weiter so“ könne es aber nicht geben, die Mitwirkung der Landwirte sei erforderlich.

Das Agrarpaket soll die Landwirtschaft umweltfreundlicher machen. Vorgesehen sind unter anderem mehr Geld für Umwelt- und Klimaschutz, ein freiwilliges Tierschutzlabel und ein Aktionsprogramm für den Insektenschutz sowie Einschränkungen für den Unkrautvernichter Glyphosat. „Wir wissen, dass es drastische Rückgänge bei den Insekten gibt und dass die Landwirtschaft mit Verantwortung dafür hat, dass wir zu viel Nitrat im Grundwasser haben“, sagt Ostendorff. Deutschland habe beim Gewässerschutz nicht gehandelt und sei jetzt zu wirksamen Maßnahmen durch die EU-Kommission gezwungen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Konzert am Sonntag
Ein Zeichen gegen Rechts: Mit Musik jüdischer Künstler, die im Konzentrationslager starben
Hellweger Anzeiger Gastronomie in Kamen
L’Osteria geht auf Personalsuche: Im neuen Mega-Restaurant jeden Tag Bella Italia erleben
Meistgelesen