Ärger über Ernte-Staub: Landwirt soll 112 Euro für Autowäsche bezahlen

dzLandwirtschaft in Kamen

Landwirte müssen sich viel anhören – sei es wegen stinkender Gülle oder Staub, der aufgewirbelt wird. Nach einem bemerkenswert dreisten Fall wirbt Bauer Henrik Wortmann für mehr Toleranz.

Kamen/Kreis Unna

, 24.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mal stinkt es, mal staubt es. Es gibt eben Vor- und Nachteile des Landlebens“, sagt Landwirt Henrik Wortmann. Und das ist freilich nichts Neues. Denn ein jeder weiß, dass ein Bauer sein Feld düngen muss und dass er es im Sommer ernten muss. Und dabei staubt es nun mal. „Das ist eben so, der Staub fliegt je nachdem wie der Wind gerade steht, in alle Richtungen“, weiß Wortmann. Daran ändern kann er freilich nichts.

Und doch gibt es immer wieder Menschen, die die Arbeit der Landwirte kritisieren. Sei es in Form von Beschwerden, die teils direkt an die Landwirtschaftskammer NRW geschickt werden, was noch vor wenigen Monaten für Frust und viel Papierkram bei den Wortmanns gesorgt hatte. Oder auch persönlich, häufig von denselben Menschen.

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Ein aktueller Fall aber ist für ihn derart dreist, dass er sich entschied, nun öffentlich für mehr Toleranz zu werben. Nachdem die Autos eines Anwohners an einem der Felder durch den Staub verschmutzt worden waren, verlangte jener, dass Wortmann die Kosten für die Reinigung der Wagen übernimmt.

Landwirt soll 112 Euro für die Reinigung eines Autos bezahlen

„Wir haben versucht, für beide Seiten das Beste draus zu machen und haben den Staub noch mit einem Laubgebläse weggeblasen. Wir versuchen, ein gesundes Miteinander auf dem Dorf zu pflegen“, schildert Wortmann. Doch dem Nachbarn reichte das offensichtlich nicht. Er habe sich ein Angebot für eine Innen- und Außenreinigung eingeholt und das an Wortmann geschickt. 112 Euro pro Auto sollte Wortmann zahlen beziehungsweise den Wisch seiner Versicherung zukommen lassen.

Jung-Landwirt Henrik (l.) und Vater Hans-Heinrich Wortmann beteiligten sich an der Aktion „Grünes Kreuz“, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die beiden Landwirte wollen aber nicht nur die Politik sensibilisieren, sondern werben auf für mehr Toleranz in der Gesellschaft: Wer frische Produkte aus der Region habe möchte, muss damit leben, dass es manchmal stinkt oder staubt.

Jung-Landwirt Henrik (l.) und Vater Hans-Heinrich Wortmann beteiligten sich an der Aktion „Grünes Kreuz“, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die beiden Landwirte wollen aber nicht nur die Politik sensibilisieren, sondern werben auf für mehr Toleranz in der Gesellschaft: Wer frische Produkte aus der Region habe möchte, muss damit leben, dass es manchmal stinkt oder staubt. © Stefan Milk

Von der hieß es jedoch, dass sie keine Angebote, sondern nur Rechnungen übernehme und dass 112 Euro für eine solche Reinigung freilich viel zu viel seien. „Das ist dreist, es geht viel günstiger“, findet auch Wortmann.

Haben aber nicht geben: Das ist ein gesellschaftliches Problem

Und natürlich ärgert ihn so etwas. Generell sei es ein Widerspruch in der Gesellschaft, von etwas zu schwärmen so lange es nicht einen selbst betrifft oder einschränkt. „Über all wird in Corona-Zeiten von regionalen Produkten geschwärmt und davon, dass wir uns selbst versorgen müssen. Gleichzeitig will keiner mit den Konsequenzen leben.“

So sei das auch mit Windrädern und dem grünen Strom: „Windräder sollen gerne gebaut werden, aber bitte nicht vor meiner Haustür“, sagt Wortmann zu dem Schlag der Gesellschaft, der viel haben will, aber wenig geben möchte. „Das ist ein großes gesamtgesellschaftliches Problem.“

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Und um wieder auf die Beschwerde im beschaulichen Kamen zurückzukommen: Die Wortmanns können die Gülle nicht vom Stinken und den Staub nicht vom Fliegen abhalten – und sie können auch nicht den Mähdrescher, der nun einmal drei Mal so groß ist wie ein Wohnmobil und nur 20 km/h fahren darf, kurz in Luft auflösen, damit ein quengelnder Autofahrer schneller zur Arbeit kommt.

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Aber immerhin kann Wortmann noch darüber lachen. Und es sei zum Glück auch nur ein kleiner Teil, der sich über den Staub beschwere. „Viele Leute akzeptieren es, aber es gibt immer diejenigen, die ein Fass aufmachen“, so Wortmann. Und auch daran können die Wortmanns wohl nichts ändern.

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