Laith Al-Deen steht am Freitag auf der Bühne in der Konzertaula. Was die Kamener genau erwartet, weiß er selbst noch nicht – das kommt nämlich auf die Kamener an. Ein Interview.

Kamen

, 25.09.2019, 16:12 Uhr / Lesedauer: 4 min

Freitag stehen Sie in Kamen auf der Bühne. Waren Sie schon einmal in Kamen oder im Ruhrgebiet?

In den letzten 20/25 Jahren war ich das eine oder andere Mal in der Region, aber nicht unbedingt im Umkreis von Kamen. Aber im Ruhrgebiet zweijährlich. Also das Terrain ist nicht unbekannt. Die NRWler sind ein Feiervölkchen und es macht Freude, dort Konzerte zu spielen. Deswegen kommen wir immer wieder gern.

Was erwartet die Kamener?

In Kamen spiele ich das aller aller letzte Konzert in der Konzertreihe unter dem Motto „Bleib unterwegs“. Das lief jetzt über drei Jahre seit Erscheinen des Albums 2016 und unter dem Motto „Never ending Tour“. Jetzt findet es doch mal sein Ende. Und das ist für mich besonders. Kamen ist das letzte Konzert dieser Art und danach wird alles ein bisschen anders.

Also schon ein ganz besonderes Konzert?

Auf jeden Fall. Es ist im Prinzip ein Programm, das sich über drei Jahre entwickelt und stetig selbst verändert hat. Wir testen auch neue Songs aus. Mindestens einen oder zwei vom neuen Album, um zu gucken, was passiert.

Das Leben bietet viele Geschichten. Es müssen nicht immer die eigenen sein.
Laith Al-Deen

Es hat sich sehr viel Interaktion eingeschlichen, also sehr viel Spontanes. Das kann man machen, vermeidet man aber ganz gerne mal aufgrund von Kontrollverlust. Aber meine Jungs und ich haben das aufgegeben. Je mehr wir das laufen lassen, desto besser wird es. Das Programm besteht aus immer weniger Songs und immer mehr spontanen Entwicklungen während des Konzerts und das ist ganz großartig.

Also kann sich spontan vor Ort entscheiden, welche Songs gespielt werden?

Je nachdem wie die Kamener so drauf sind. Es wäre nicht das erste Konzert, auf dem sich aus einem Song eine 15-Minuten-Version entwickelt, die nur an dem Ort aufgeführt wird und dann nicht mehr.

Wie finden Sie es, dass auf Ihren Hit „Bilder von dir“ auch nach 20 Jahren immer wieder Bezug genommen wird?

Da ich mich als Traditionalisten bezeichnen würde, gehöre ich zu den Leuten, die bestimmte Songs immer wieder spielen. Es ist schön, Leute die zum ersten Mal oder nicht oft auf einem Konzert sind, dabei zu beobachten, wie sie feststellen ‚Ach das Lied ist auch von dem!‘.

„Bilder von dir“ führt die Leute ein Stück weit zusammen und gibt einen guten Startpunkt bei solchen Konzerten. Aber gerade auf den Konzerten stelle ich immer häufiger fest, dass „Bilder von dir“ im Verhältnis zu den medialen Außenwirkungen überhaupt nicht der Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist, sondern bei den Konzertbesuchern ist es das Gesamte und das, was jedes Mal passiert. Also inklusive der anderen Singles, die auch ganz gut gelaufen sind. „Bilder von dir“ bleibt medial gesehen der Aufhänger, solange bis ich was neues raushaue. Das habe ich jetzt vor.

Video
Laith Al-Deen: "Bilder von dir"

Also pünktlich zum 20. Bühnenjubiläum, das Sie nächstes Jahr feiern. Ist etwas Besonderes geplant?

Ja, ich werde mein Album promoten, das vielleicht noch dieses Jahr erscheint. Geplant ist eine Tour. Ich habe ein Auge auf ein paar Orchesterkonzerte nächstes Jahr. Ich habe schon Konzerte mit Orchester und Big Band gemacht und ich möchte das alles in einer Huldigung der letzten 20 Jahre zusammenbauen. Und das mit Leuten, die ich in den Jahren kennengelernt habe.

Um zu den Anfängen Ihrer Karriere zurückzukommen: Sie haben im Jahr 2008 beim Bundesvision Song Contest mitgemacht und sind gegen andere Musiker angetreten. Wir haben in Kamen auch ein junges, aufstrebendes Talent – Lukas Rieger. Haben Sie einen Tipp für ihn?

Der Lukas ist ja Instagram-mäßig wenig von der Bildfläche zu schieben. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es wenige auf der Musikerseite, die so gut am Start sind, wie er. Also im Verhältnis zu seinem Status. Ich würde einfach so weitermachen, wie bisher. Der einzige wertvolle Tipp, den ich immer gegeben habe und den ich auch selbst immer bekommen habe, ist Beständigkeit und Hartnäckigkeit. Er ist schon gut dabei. Er gehört zur der Generation von Menschen, die solche Plattformen nutzen, um sich zu verbreiten. Wie sagt man so schön in Mannheim? Weitermachen!

Laith Al-Deen über seinen Auftritt in Kamen und Künstler, die ihre Meinung laut sagen

Laith Al-Deens aktuelles Album „Bleib unterwegs“ landete auf Platz Eins der Albumcharts. Al-Deen wurde unter anderem mit den Hit „Bilder von dir“ bekannt. © Pressefoto Laith Al-Deen

Es gibt Musiker, die ihre politische Meinung sehr laut sagen und auch in ihre Konzerte einbringen. Zum Beispiel Herbert Grönemeier. Was sagen Sie dazu? Setzen Sie auch Zeichen oder sagen Sie, dass so etwas nicht auf die Bühne gehört?

Auf Touren oder auf Veranstaltungen habe ich die eine oder andere Aktion versucht – also ins Publikum zu gehen und alle dazu zu bringen, eine Gemeinschaftsaktion abzuziehen. Solche Aktionen sind tatsächlich einem Ziel gewidmet, nämlich Kommunikation. Kommunikation und Verständnis ist gleich Toleranz. Das war‘s dann aber auch schon.

Infos und Gewinnspiel


Meet und Greet mit Laith Al-Deen

  • Laith Al-Deen tritt am Freitag um 20 Uhr in der Konzertaula Kamen auf. Es gibt noch Tickets: Karten können im Kulturbüro der Stadt Kamen im Rathaus, online im Ticketshop oder eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Theaterkasse erworben werden. Ein Ticket kostet 34 Euro.
  • Wer nicht nur seine Musik hören, sondern Laith Al-Deen persönlich treffen will, hat am Freitag die Möglichkeit dazu. Wir verlosen 5 x 2 Meet and Greets mit dem Künstler. Es wird gegen 19 Uhr in der Konzertaula stattfinden.
  • Die Teilnahme ist ganz einfach: Senden Sie uns bis spätestens Freitag, 10 Uhr, eine E-Mail mit ihrem Namen und ihrer Telefonnummer an kamen@hellwegeranzeiger.de.

Ich finde es persönlich besser, sich für Tendenzen einzusetzen. Für Kommunikation, für das Miteinander, gegen Rechts – als Beispiel. Aus Musikersicht finde ich es wichtig, zu sensibilisieren und die Leute auf etwas aufmerksam zu machen, bevor sie die Meinung anderer annehmen. Eine eigene Meinung zu schaffen klappt nur, wenn man sich damit auseinandersetzt. Darin sehe ich die Aufgabe eher.

Wie entstehen ihre Lieder?

Entweder alleine oder im kleinen Team, mit dem ich schreibe. Es gibt alles: Von Songs, die ich komplett schreibe bis hin zu Songs, die mir angeboten werden. Das Leben bietet viele Geschichten. Es müssen nicht immer die eigenen sein.

Welche Musik hören Sie selbst gerne?

Ich gehöre zur Alles-außer-Volksmusik-Fraktion. Die Bandbreite ist sehr groß. Der Schwerpunkt liegt auf Rock und Jazz.

Der einzige wertvolle Tipp, den ich immer gegeben habe und den ich auch selbst immer bekommen habe, ist Beständigkeit und Hartnäckigkeit.
Laith Al-Deen

Wie hat sich ihre eigene Musik entwickelt?

Was immer mehr mit einfließt sind Soul, Blues und Jazz. Das findet man an allen möglichen Stellen. Und wenn man es nicht findet, dann ist es alles etwas rockig angelehnt und das zieht sich durch die letzten 20 Jahre durch.

Ihr aktuelles Album „Wir bleiben unterwegs“ war auf Platz Eins der Albumcharts. Wie sehr freut man sich nach 20 Jahren und vielen gewonnen Preisen noch darüber?

Es ist natürlich schon schön. Das erste Mal war schöner keine Frage. Ich habe mich tatsächlich das Gleiche über Peter Maffay gefragt, den ich ja kenne und der jetzt bei der 19. Nummer Eins ist. Wahnsinn. Und man stellt sich vor, dass so jemand dann sagt „Ach komm, ist ja nett.“

Aber ich freue mich darüber sehr. Es ist ein Zeichen von außen und eine schöne Bestätigung für mich, die mich sehr stolz macht.

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