Weihnachten ist nicht mehr fern und die Menschen suchen in den Geschäften nach letzten Geschenken - sollte man meinen. Denn so viele Geschenke gibt es in diesem Jahr offenbar nicht. Ein Besuch in der Innenstadt.

Kamen

, 15.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir waren ganz erstaunt, wie viel es hier gibt“, sagt Martina Borggreve. Sie war erst mit ihrer Tochter Julia zum Frühstücken in Unna. Auf dem Rückweg nach Werl hielten sie in Kamen, weil sie eigentlich nur kurz in ein bestimmtes Geschäft wollten. Doch nun bummeln sie noch etwas herum. „In Werl gibt es noch weniger Geschäfte“, sagt Julia Borggreve.

Die beiden erledigen ihre Weihnachtseinkäufe persönlich im Geschäft. Im Internet shoppen sie selten. Martina Borggreve besitzt selber ein Geschäft und weiß, wie der Einzelhandel zu kämpfen hat.

Ebenfalls kein Fan von Onlineshopping ist Doro Hakenholz. „Ich lasse mich nur manchmal im Internet inspirieren und kaufe dann im Geschäft.“ Sie ist an diesem Nachmittag beruflich in Kamen unterwegs und nutzt die Zeit für Weihnachtseinkäufe.

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Die Fröndenbergerin sei länger nicht in Kamen gewesen und erschrocken über den Leerstand. Mehr Auswahl als in ihrem Wohnort gibt es aber doch. Hakenholz hat ein Buch für ihren Enkel entdeckt. Es ist eines von wenigen Geschenken, die sie an diesem Weihnachtsfest in weihnachtliches Geschenkpapier verpacken wird. „Wir schenken uns nicht viel“, sagt sie.

Bei ihr ist es wie bei der Kamenerin Anni Rinsche. Auch die Rentnerin verschenkt in diesem Jahr nicht viel. Gestöbert wird in der Weihnachtszeit trotzdem. Rinsche mag es, in den Geschäften neue Artikel zu entdecken und zu sehen, wie sich die Dekoration immer wieder verändert.

Vorweihnachtszeit: Die Geschenke werden hochwertiger

Rinsche und Hakenholz sind nicht die einzigen, die in diesem Jahr auf viele Geschenke verzichten. Dass zwar gestöbert, aber nicht mehr viel verschenkt wird, beobachtet auch Lothar Becher, Juwelier und stellvertretender Vorsitzender der Kamener Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden (KIG).

„Die Leute kaufen eher über das ganze Jahr verteilt“, sagt Becher. Die Geschenke, die in seinem Geschäft an der Weststraße gekauft werden, seien dafür teurer. Vor 35 Jahren hätten die Männer vor Weihnachten noch gesagt „Packen Sie irgendetwas ein, das wird sowieso umgetauscht“. Heute geben sie sich laut Becher mehr Mühe, die Geschenke seien hochwertiger.

Lässt die Lust am Verschenken nach? So läuft das Weihnachtsgeschäft in Kamen

Anni Rinsche stöbert gerne in den Geschäften der Kamener Innenstadt. Viele Geschenke kauft sie in diesem Jahr aber nicht. © Claudia Pott

Teure Geschenke gehen auch bei Elektro Brumberg an der Kämerstraße über die Ladentheke. So gehören Kaffeevollautomaten zu Rennern im Weihnachtsgeschäft. „Stark sind auch Haushaltsgeräte wie Roboterstaubsauger“, sagt Geschäftsführer Andreas Brumberg. Erstaunlich sei auch die Nachfrage nach einem neuartigen Superföhn, der knapp 500 Euro kostet.

Und auch in der Mayerschen Buchhandlung brummt das Weihnachtsgeschäft offensichtlich. Am laufenden Band werden Bücher, Spiele und Dekorationsartikel eingepackt, während auf der anderen Seite kassiert wird. Die Mitarbeiterinnen arbeiten Hand in Hand, um die Kundenflut zu bewältigen.

Die Kamener Händler sind mit dem Weihnachtsgeschäft bislang zufrieden, aber die Konkurrenz durch das Internet spüren sie deutlich, sagt Becher. Man müsse sich etwas einfallen lassen, um dagegenzuhalten. So versucht die KIG dieses Jahr, Kunden mit einem Adventskalender anzulocken. Jeden Tag gibt es in einem anderen teilnehmenden Geschäft besondere Angebote. Wer gerade dran ist, erkennt man an einem großen Weihnachtsmann vor der Tür.

Lässt die Lust am Verschenken nach? So läuft das Weihnachtsgeschäft in Kamen

Auch auf dem diesjährigen Adventsmarkt in der Kamener Innenstadt gab es Gelegenheit, Weihnachtsgeschenke zu kaufen. © Stefan Milk

Geschäfte locken mit besonderen Aktionen

Ob die Geschäfte der KIG für ihren Einfallsreichtum belohnt werden, wird sich noch zeigen. Leute, die sie damit anlocken können, gibt es jedenfalls reichlich - auch wenn viele an jenem Nachmittag spontan, zufällig oder nur zum Bummeln in die Innenstadt gekommen sind.

Denn das Stöbern im Geschäft gewinnt manchmal doch gegen das Onlineshopping. Wie zum Beispiel bei Nele Biernatzki, die eigentlich gerne im Internet kauft. Die Bergkamenerin arbeitet in Kamen und schaut sich in den Läden um, weil sie im Internet kein passendes Weihnachtsgeschenk für ihre Schwester gefunden hat. Sie hofft, dass ihr in den Geschäften eine Idee kommt.

Zum Shoppen fährt sie nicht extra nach Kamen. Aber ein Bummel nach der Arbeit ist dann doch mal drin. Und solange es Menschen in die Innenstadt zieht - aus welchen Gründen auch immer -, gibt es Hoffnung für den Einzelhandel.

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