Hereinspaziert in den Laden, hier die Boutique Nova an der Weststraße in Kamen. Kunden dürfen ab Montag nach vorheriger Terminvereinbarung wieder in Geschäften einkaufen. © Stefan Milk
Lockerung statt Lockdown

Läden öffnen wieder: Kunden können auf Soforttermine für Spontan-Einkauf hoffen

Der Kunde steht vor der Ladentür und zückt das Telefon. Er ruft an und fragt, ob er kommen darf. Bei einem Ja darf er eintreten. So läuft Einkaufen unter Umständen ab Montag in Kamener Geschäften.

Kamener Geschäfte wollen ab Montag wieder aufmachen – und damit den nächsten erlaubten Öffnungsschritt gehen. Etliche Läden haben Kundeninformationen veröffentlicht, wie das sogenannte Termin-Shopping ablaufen soll. Bundeskanzlerin und Länderchefs haben am Mittwoch verabredet, dass Läden ab 8. März wieder Kunden einkaufen lassen dürfen, sofern diese vorher einen Termin vereinbaren. Bestimmte Läden wie Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte dürfen auch Kunden ohne Termin willkommen heißen.

Expert Brumberg: „Einfach anrufen“

Zwar lagen genaue Ausführungsbestimmungen für NRW zunächst noch nicht vor, aber der Elektrohandel Expert Brumberg an der Kämerstraße meldete bereits: „Offen mit Terminvereinbarung am Montag.“ Nach dem Beschluss von Mittwoch dürfe man wieder Kunden auf die Ladenflächen lassen, die vorher „einen Beratungstermin gebucht haben“. Der Rat an die Kunden lautet: „Ruft einfach in der Zentrale in Kamen oder in Menden an und lasst euch einen Termin geben.“ Die Nummern lauten Tel. 02307/91700 (Kamen) bzw. Tel. 02373/16010 (Menden).

Kamener Geschäfte bereiten sich auf das neue Termin-Shopping vor, hier der Elektromarkt Brumberg an der Kämerstraße. © Carsten Fischer © Carsten Fischer

Mäx weist auf Kontaktliste hin

Beim Innenausstatter „Mäx“ im Kamen-Karree löst die nun erlaubte Minimallösung schon fast Jubel aus. „Hurra, wir dürfen wieder öffnen!“ kündigte das von Karsten Kämmer geleitet Unternehmen an. Kunden bekommen unter Tel. (02307) 972120 ein Zeitfenster genannt, in dem sie sich frei im Markt bewegen oder beraten lassen können. Einmal am Markt angekommen, sollen Kunden „bitte vor Ort das aus der Gastronomie vom letzten Jahr bekannte Kontaktdatenerfassungsformular ausfüllen und einwerfen“.

„Hurra, wir dürfen wieder öffnen!“

Mäx

Boutique Nova und Modehaus Winnefeld startklar

Sabine Bracke von der Boutique Nova an der Weststraße (Tel. 02307/279951) wurde bereits mit Anfragen zu möglichen Terminvereinbarungen überhäuft. Zunächst wartete sie auf „konkrete Infos“ über die Öffnungsbedingungen – sprich eine neue Fassung der Coronaschutzverordnung NRW, die dann im Laufe des Freitags erschien. „Es kann losgehen: Ab Montag könnt ihr 30-Minuten-Shoppingtermine im Geschäft nutzen, um Eure Frühjahrsgarderobe auf den neuesten Stand zu bringen“, schrieb Bracke anschließend.

Auch Mode Winnefeld an der Adenauerstraße steht in den Startlöchern. „Das große neue Thema ist ab Montag Click & Meet. Natürlich werde ich dieses Sondermodell nutzen und freue mich sehr, Kunden mit Termin im Laden begrüßen zu dürfen“, so Inhaberin Claudia Winnefeld.

Ikea plant Öffnung

Bei Ikea im Kamen-Karree wird „Click & Collect“ nun von „Click & Meet“ abgelöst. Im Laufe des Freitags schaltete die schwedische Möbelkette ein Termin-Buchungssystem frei. Auf der Internetseite des jeweiligen Einrichtungshauses lässt sich ein Termin reservieren. Dort stehen verschiedene Zeitfenster zur Auswahl. Ikea schickt Kunden per E-Mail ein Einlassticket mit QR-Code per E-Mail zu, der am Ein- und Ausgang eingelesen wird. Möbelhaus-Chefin Jutta Iskalla sagte am Morgen: „Die Planungen für die Wiederöffnung laufen.“ Man befinde sich auch in Abstimmung mit der Stadt Kamen. So stellte sich die Frage, wie die Kontakterfassung der Kunden läuft. In der neuen Coronaschutzverordnung heißt es: „Zutritt dürfen Kundinnen und Kunden nur nach vorheriger Terminbuchung für einen fest begrenzten Zeitraum und bei sichergestellter einfacher Rückverfolgbarkeit (….) erhalten.“ Name, Adresse und Telefonnummer und Aufenthaltszeit sind zu erfassen.

Die Mitarbeiter der Ikea-Filiale in Kamen tanzen im Video zu dem Hit “Jerusalema”. © Screenshot YouTube © Screenshot YouTube

Soforttermin oder Vorlaufzeit?

Einkaufen erfordert ab Montag wegen der Terminvereinbarungspflicht möglicherweise einen etwas größeren zeitlichen Vorlauf. Allerdings dürften spontane Besuche unter bestimmten Voraussetzungen nicht ausgeschlossen sein.

Im günstigsten Fall läuft der Einkauf für Kunden ab Montag sogar ohne große Planung. Denn sofern im jeweiligen Geschäft kaum etwas los ist und die maximal erlaubte Kundenzahl in dem Moment nicht erreicht ist, können Kunden auf einen schnellen Zugang spekulieren. Wenn sie vor der Ladentür stehen, zücken sie ihr Handy und rufen im Laden an. Der Laden vergibt dann einen Soforttermin – und die Kunden können eintreten.

Bücher kaufen ohne Terminkalender

Buchläden wie die Mayersche Buchhandlung an der Weststraße und Mobile an der Schimmelstraße gehören ab 8. März zu den privilegierten Geschäften, die laut den neuen Regierungsvorgaben keinen Terminkalender führen müssen, um Kunden zu empfangen. Gabriele Schulte von der Buchhandlung Schulte an der Mittelstraße in Heeren-Werve sagte: „Wir sind zu den Öffnungszeiten da und werden jeden Kunden einzeln bedienen.“

Der Einzelhandel befindet sich seit 16. Dezember im sogenannten Shutdown oder Lockdown. Wegen hoher Corona-Infektionszahlen hatte die Regierung Läden geschlossen und nur Abhol- und Lieferservice erlaubt. So sollten Kontakte und damit auch Ansteckungsgefahren reduziert werden.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer
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