Das Waffelcafé „Bubble & Beans“ am Kamener Marktplatz: Die innovative Neugründung aus dem Jahr 2018 schließt. © Stefan Milk
Gastronomie

Ladensterben trifft Waffelcafé am Kamener Marktplatz

Der Marktplatz von Kamen verliert ein gastronomisches Original. Ralf Falkowski schließt das Waffelhaus „Bubble & Beans“. Corona ist nicht der Hauptgrund, der ihn zur Aufgabe bewogen hat.

Zurück von einer Weltreise, setzte Ralf Falkowski eine originelle Geschäftsidee in Kamen um. Der Globetrotter richtete ein Ladenlokal am Marktplatz so ein, wie man sich eine gemütliche WG-Wohnküche vorstellt. Mit seinem Waffelcafé „Bubble & Beans“ wagte er eine Neugründung in einer Innenstadt, die eher Leerstandsmeldungen gewöhnt ist.

Falkowski steht als Barista hinter der Theke und hantiert mit routinierten Bewegungen an der chromblitzenden Espresso- und Kaffeemaschine. „Das hat sich eingespielt“, sagt der Gastronom. Könnte es dann nicht einfach so weitergehen – mit leckeren Kaffee- und Waffelkreationen? „Es könnte“, sagt Falkowski, „muss es aber nicht.“ Zum 31. August gibt der Mann, der mit seinem Gründergeist einen Akzent am Marktplatz setzte, das Waffelhaus auf.

Corona nicht der Hauptgrund für die Schließung

Für das Aus nennt Falkowski mehrere Gründe. „Corona ist ein Faktor, aber nicht der Hauptgrund“, sagt er. Den sieht er darin, dass die Kamener Fußgängerzone zu wenig Kundschaft anlockt.

Eine Stammkundin kommt in den Laden und erkundigt sich nach dem Inventar, das Falkowski zum Verkauf stellt. „Alles, was hängt, ist noch da“, sagt er und zeigt auf die Deckenlampen. Tische, Stühle – das ist alles schon an Interessenten vergeben, sobald er Ende August den Laden räumt. „Geht es dir gut?“, fragt die Stammkundin. „Seitdem die Entscheidung getroffen ist, hat die Seele ihren Frieden“, antwortet er.

Die Corona-Krise hat Falkowski die Entscheidung einfacher gemacht. Zwei Monate habe er schließen müssen, das könne er nicht aufholen. Bevor er sich als Gastronom selbständig machte, arbeitete er als Referent für Abrechnungswesen. „Wir sind ja keine Kfz-Produktion, die 1000 Teile mehr produzieren kann.“ Falkowski geht davon aus, dass die Corona-Krise noch lange anhalten und die Gäste vom Ausgehen abhalten wird. „Sei es wegen Kurzarbeit, wegen Entlassungen oder weil man ängstlich ist, sich irgendwo hinzusetzen. Solange wir keinen Impfstoff haben, wird es kein normales Leben geben.“

Falkowskis Waffelcafé braucht viel Laufkundschaft, um erfolgreich zu sein. „Kamen ist lebens- und liebenswert, aber kein Erlebnis“, meint er ernüchtert. Die Fußgängerfrequenz sei „unterdurchschnittlich“, an manchen Tagen gleiche die Fußgängerzone „einer Geisterstadt“. Es werde von der Stadt zu wenig unternommen, um Attraktionen zu schaffen. Es gebe „immer dieselben Veranstaltungen“ und es gebe „keinen Ansporn, nach Kamen zu kommen.“ Er verstehe auch nicht, warum der Wochenmarkt als Frequenzbringer nicht auf dem Marktplatz selbst stattfinde.

Vandalen hinterlassen Messer vor der Ladentür

Und dann seien da noch die Leute, „die keinen Respekt vor fremdem Eigentum haben“ oder in Sichtweite des Cafés mit Drogen handeln. Falkowski macht junge Leute, die sich nach Ladenschluss unter den Arkaden und im Eingangsbereich aufhalten, für beschädigte Möbel, Blumenkübel und Scheiben verantwortlich. Er spricht von „Drogen- und Jugendkriminalität“, einmal habe er ein Messer vor der Tür gefunden, neben herausgerissenen Blumen. Er habe nach einzelnen Vorfällen auch die Polizei eingeschaltet.

Lust auf „ordentlichen Kaffee“

Mit einer Feier für Freunde und Stammkunden wird „Bubble & Beans“ sich Ende August verabschieden. Wie es für ihn weitergeht, weiß Falkowski noch nicht. Aber er will nicht ausschließen, dass er in einer anderen Stadt noch einmal startet. Denn von seiner Geschäftsidee zeigt er sich weiter grundsätzlich überzeugt. „Wir geben auf, aber wir gehen mit erhobenem Haupt raus, weil wir viele treue Stammgäste und viele positive Bewertungen im Internet haben“, sagt der 51-Jährige über sich und seine Mitarbeiterin Regina Bresinski. „Die Leute haben gelechzt nach ordentlichem Kaffee.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
Zur Autorenseite
Carsten Fischer
Lesen Sie jetzt