Krimiautor Simon Beckett sorgt in Kamen für tosenden Applaus

dzMord-am-Hellweg-Lesung

Mit Simon Beckett kommt einer der großen Stars der Kriminal-Literatur in die Kamener Stadthalle. Mit dabei hat er seine Romane und die Stimme eines Tatort-Arztes.

von Jan Dreher

Kamen

, 21.11.2018, 10:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ruhe kehrt in den randvollen Saal ein. Wo gerade noch ein Getuschel die Halle erfüllte, durchdringt nun eine sonore, klare Stimme den Raum: „Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen“, setzt sie an. Der Saal scheint luftleer zu sein, jedes Geräusch durch diese deutlichen und bedrohlich wirkenden Worte im Keim erstickt.

Es sind die ersten Worte aus dem Debüt-Roman der Krimi-Serie rund um David Hunter. Jener fiktive forensische Anthropologe, der seit dem Jahr 2006 das krimiaffine Publikum in Begeisterung versetzt wie kaum ein anderer. Mehr als zehn Millionen Auflagen hat der aus Großbritannien stammende Beckett allein in Deutschland abgesetzt und nach mittlerweile zwölf Jahren besteht allein die Hunter-Reihe aus fünf erfolgreichen Thrillern. Mit diesem Repertoire und einem Teaser zum nächsten Roman in der Hinterhand sitzt der Bestsellerautor in der Stadthalle und ist damit sicherlich der populärste Autor, der im Rahmen des Krimifestivals „Mord am Hellweg“ in Kamen gastiert.

Wäre es aber Simon Beckett selbst, der das Publikum in Stillschweigen versetzt, würde der prägnante Romananfang wohl auf Englisch durch die Reihen schallen. Denn obwohl Beckett sagt, er „hätte gerne mehr Deutschstunden genommen“ und augenzwinkernd ergänzt, dass er aber mit dem Schreiben beschäftigt sei, ist es die Stimme von Joe Bausch, die die Übersetzung von Becketts Werken zum Leben erweckt.

Der Mann mit dem lichten Haar und der markanten Stimme dürfte vielen in seiner Rolle als Dr. Joseph Roth im Kölner Tatort bekannt sein. Den roten Faden des Abends hat unterdessen Günter Keil in der Hand. Der Journalist komplettiert als Moderator des Abends das Trio auf der Bühne und sorgt mit seinen Fragen an Autor und Vorleser für eine interessante Rahmung der eigentlichen Lesung.

Krimiautor Simon Beckett sorgt in Kamen für tosenden Applaus

Der Schauspieler Joe Bausch lieh Beckett bei der Lesung seien Stimme. © Stefan Milk

Den Organisatoren des Krimi-Festivals ist mit dieser Besetzung ein Glücksgriff gelungen. Die kernige Stimme von Joe Bausch, nach eigener Aussage durch „trinken, rauchen und wenig schlafen“ antrainiert, bringt die Textzeilen aus den Büchern Becketts mit Nachdruck zum Publikum. Dabei verfällt Bausch, selbst Autor, nie in Hektik oder überbetontes Vortragen. Im Gegenteil, seine sachliche Vortragsart passt perfekt zur Inszenierung der Figur David Hunters. Aus der Ich-Perspektive berichtet der Protagonist meist sachlich kühl und mit zumindest scheinbar wissenschaftlich validem Wissen in der Hinterhand von seinen Erlebnissen. Beckett selbst sagt, er „wollte einen Charakter, der anders ist als der typische Krimi-Kommissar.“ Ein „normaler Mann, der auch mal Fehler macht.“

Zwischen den Versatzstücken, die Bausch aus den Romanen Becketts vorträgt, schafft es Günter Keil als Moderator, auf sympathische Art und Weise den Autor einzubeziehen und ihm interessante Details zur Entstehung der Bücher zu entlocken. Die Tatorte seiner Romane sind Beckett zum Beispiel „sehr wichtig, da er beim Schreiben die Geschehnisse für sich visualisiert“. Er versetzt sich also an den Ort des Geschehens und „fühlt, sieht und riecht“ was er später zu Papier bringt.

„Ich bin gespannt, was die Leute sagen werden“, sagt Beckett im Bezug auf die im Februar erscheinende sechste Hunter-Fortsetzung. Was das Publikum an diesem Abend dazu denkt, hört Beckett jedenfalls am tosenden Applaus.

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