Uwe Hasche, Gesundheitsdezernent des Kreises Unna, äußert sich zum Stand der Dinge bei den geplanten kostenlosen Corona-Schnelltests. © Archiv/Udo Hennes
Coronavirus im Kreis Unna

Kostenlose Schnelltests im Kreis Unna: „Jetzt nicht die Leute verrückt machen“

Kostenlose Schnelltests für alle im Kampf gegen Corona: Was verheißungsvoll klingt, ist zum 1. März noch nicht umsetzbar. So ist der Stand im Kreis Unna.

Sie gelten als Waffe gegen die weitere Ausbreitung des Virus – und zugleich als große Hoffnung im Hinblick auf Lockerungen: Gratis-Schnelltests für alle Bürgerinnen und Bürger, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ursprünglich für den 1. März angekündigt hatte. Das wäre dieser Montag gewesen, doch schon vor einigen Tagen musste der Minister zurückrudern. Der 1. März war als Termin nicht zu halten, bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch (3. März) steht das Thema nun zur Beratung an. Grundsätzlich sieht der Plan Spahns vor, dass Bürger von geschultem Personal mit Antigen-Schnelltests getestet werden können, etwa in Testzentren, Arztpraxen oder Apotheken – ohne dass den Getesteten dafür Kosten entstehen.

Landrat verweist aufs Sitzungsprotokoll

Das wirft freilich viele Fragen auf, und nicht wenige davon wurden im Kreistag von der Gruppe Freie Wähler/Familie an Landrat Mario Löhr (SPD). Unter anderem wollte die Gruppe wissen, wie viele Schnelltests der Kreis Unna erhalten wird, ob der Kreis selbst die Testungen durchführen wird oder inwieweit Arztpraxen und Apotheken eingebunden werden. Keine dieser Fragen beantwortete der Landrat in der Sitzung am Donnerstagabend, sondern er verwies darauf, dass von den Fragestellern niemand mehr anwesend sei. Die Antworten würden dann im Protokoll zur Sitzung nachgereicht.

Kreis verweist auf Bund-Länder-Beratungen am 3. März

Wegen des großen öffentlichen Interesses hakte unsere Redaktion beim Kreis Unna nach. Doch der weiß ob der unklaren Lage im Bund selbst noch nichts Genaues. Gesundheitsdezernent Uwe Hasche sagte, dass es zu den kostenlosen Schnelltests weder aus Düsseldorf noch aus Berlin Informationen gebe. „Das Thema ist zurückgestellt und geht jetzt in die Bund-Länder-Konferenz am 3. März“, erklärte Hasche.

Der Kreis habe sich zwar schon Gedanken dazu gemacht, aber man wolle jetzt keine Pferde scheu machen. „Wir müssen uns schlicht und ergreifend in Geduld üben und abwarten, wie das Schnelltest-Konzept dann tatsächlich aussieht“, erklärte Hasche. Wenn es ein Bestandteil der nationalen Test- und Öffnungsstrategie werde, wonach es derzeit aussehe, „macht es absolut keinen Sinn, jetzt die Leute verrückt zu machen.“

„Keine eigenen Schnelltest-Kapazitäten auf den Markt bringen“

Der Gesundheitsdezernent machte aber auch klar, dass er froh und dankbar sei über jede helfende Hand, wenn sich demnächst wirklich jeder jeden Tag testen lassen können wird. Hasche verwies in diesem Zusammenhang auf die Initiative von Apotheker Dr. Matthias Coen aus Unna, der eine ehemalige Filiale der Deutschen Bank neben seiner Apotheke zum Corona-Schnelltest-Zentrum umfunktionieren will.

Der Kreis könne nicht eigene oder zusätzliche Schnelltest-Kapazitäten auf den Markt bringen, denn jeder positive Schnelltest müsse durch einen PCR-Test auf seine Richtigkeit überprüft werden. Denn der Schnelltest liefert zwar, vergleichbar mit einem Schwangerschaftstest, innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis, doch das ist nicht hundertprozentig sicher.

Mehraufwand bei PCR-Tests würde den Kreis Unna treffen

Laut Hasche werde es dann zu einem erheblichen Mehraufwand im Bereich der PCR-Testungen kommen. „Ich glaube nicht, dass die Hausarztpraxen das auffangen können. Das fällt dann auf uns zurück“, so der Gesundheitsdezernent des Kreis Unna.

Über den Autor
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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
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