Das Radparkhaus in der City entwickelt sich binnen weniger Monate zur Erfolgsgeschichte. 105 kostenlose Zugangschips hat der Betreiber bereits ausgegeben. Platz ist trotzdem noch vorhanden.

Kamen

, 03.01.2020, 16:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kostenlose Parkplätze mitten in der Innenstadt. Und das in einem Parkhaus. Allerdings nicht für Autofahrer, sondern für Radfahrer. Kamens erstes Radparkhaus auf dem Willy-Brandt-Platz ist sechs Monate nach der Eröffnung schon sehr gut nachgefragt. 105 Verträge hat die Awo-Tochter „DasDies“ bisher abgeschlossen.

Dabei gibt es nur 98 Stellplätze.

Das allerdings ist kein Problem, wie sich bei regelmäßigen Stippvisiten unserer Redaktion herausgestellt hat: Mehr als die Hälfte der Plätze sind in der Regel frei. Das gilt auch für die neuen Schließfächer, in denen beispielsweise Einkäufe zwischenzeitlich gebunkert werden können.

Eine weitere Neuerung kündigt sich an: Der chipfreie Zugang über eine Smartphone-App. Die befindet sich noch in der Testphase, so dass es noch keinen Einführungstermin gibt.

Kostenlos Parken mitten in der City: In diesem Parkhaus gibt´s trotzdem noch viele freie Plätze

Praktische Schließfächer ergänzen das Angebot des Fahrradparkhauses. Das Parkhaus, das sehr gut angenommen wird, wird damit noch attraktiver. © Stefan Milk

Weitere Zugangschips sind verfügbar

Noch viel Platz im Parkhaus – das ist auch der Eindruck, den Stefan Rose, Betriebsleiter der Awo-Radstationen, in den vergangenen Monaten gewonnen hat.

Deswegen kann er auch noch weitere Radler, die an einem der kostenfreien Stellplätze interessiert sind, mit den Zugangschips bedienen. Voraussetzung ist der Abschluss eines Vertrages, beispielsweise in der Awo-Radstation am Bahnhof, und das Hinterlegen eines Pfands in Höhe von 20 Euro. Dann kann der Chip an den Schlüsselbund geklickt werden.

Mit ihm öffnet sich die elektrische Schiebetür, durch die es in das Parkhaus geht, das zwischen der Kamener Sparkassen-Hauptstelle und dem Drogeriemarkt „DM“ ganz zentral liegt.

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Fahrradparkhaus Kamen

Es musste noch niemand draußen parken

Grund dafür, dass noch weitere Verträge abgeschlossen werden können, ist das unterschiedliche Nutzerverhalten. „Die Radfahrer kommen zu sehr unterschiedlichen Zeiten“, weiß Rose. Während tagsüber zahlreiche Berufspendler einen Stellplatz benötigen, mehren sich die Räder der Anwohner eher nach Feierabend. „Im Tagesverlauf tauschen sich die Räder nahezu einmal komplett aus. Die Nutzung ist also sehr zeitabhängig“, so Rose. Spitzen gebe es vor allem an den Wochenmarkttagen dienstags und freitags. „Dann ist es zwar voller - draußen parken musste dennoch noch keiner.“

Kostenlos Parken mitten in der City: In diesem Parkhaus gibt´s trotzdem noch viele freie Plätze

Das Radparkhaus ist ein ziemlich großer Baustein in einem noch viel größeren Puzzle, um die Stadt Kamen fahrradfreundlicher zu machen. 98 Stellplätze gibt es. © Stefan Milk

Zurzeit keine konkrete Grenze bei der Chip-Ausgabe

Rose hatte bei der Eröffnung am Freitag, 5. Juli, zunächst angekündigt, nicht mehr als 80 Chips ausgeben zu wollen, um erst einmal abzuwarten, wie sich der ruhende Radverkehr entwickelt.

Denn auch die Nutzer der Radstation am Bahnhof, die einen kostenpflichtigen Vertrag für den Bahnhofsstellplatz abgeschlossen haben, können mit ihrem Chip zusätzlich das Radparkhaus am Willy-Brandt-Platz nutzen.

Sie haben mit ihm zudem Zugang zu allen anderen Awo-Radstationen und Abstellanlagen im Kreis Unna. Diese stehen unter anderem in Unna, Schwerte, Lünen und Werne.

Wie viele Chips noch ausgegeben werden, hängt davon ab, wie sich die Auslastung in Zukunft entwickelt. „Zurzeit gibt es keine konkrete Grenze“, so Rose.

Kostenlos Parken mitten in der City: In diesem Parkhaus gibt´s trotzdem noch viele freie Plätze

Die Doppelstockparker, vier an der Zahl, haben 62 Plätze. Sie haben Schienen wie Fahrradträger auf dem Autodach. © Stefan Milk

Awo-Kräfte sind zwei Mal täglich vor Ort

Die Kräfte der Awo-Tochter „DasDies“ können die Situation am Willy-Brandt-Platz so gut einschätzen, weil sie zwei Mal täglich vor Ort sind. Dann wird nicht nur einmal durchgewischt, sondern auch nach möglichen Vandalismus-Schäden geguckt. Bisher hat es keine gegeben.

Das liegt vermutlich an der Video-Überwachung, über die die Aufzeichnungen drei Tage lang gespeichert bleiben, bevor sie überschrieben werden. In dieser Zeit sollten mögliche Schäden gemeldet werden. „Wenn es danach passiert, können wir das nicht mehr über die Videos nachvollziehen“, so Rose. Derlei Vorfälle gab es ebenso noch nicht.

Schließlich punktet das Radparkhaus auch damit, dass es sicherer ist als herkömmliche Stellplätze. Diese Rückkopplung hat Rose auch von zahlreichen Radlern erhalten. „Viele stellen hier auch ihre teuren E-Bikes ab.“ Abschließen sollte man die Räder im Radparkhaus immer. Durch die langen Abstellbügel ist das bequem machbar.

Kostenlos Parken mitten in der City: In diesem Parkhaus gibt´s trotzdem noch viele freie Plätze

Nur wer einen Chip hat, der an der Radstation am Bahnhof für einen Pfand von 20 Euro an die Nutzer abgegeben wird, hat Zugang zu den Stellplätzen - ansonsten ist das Angebot kostenlos. Zudem gibt es in dem Pavillon eine Toilette, die über einen eigenen Eingang erreichbar ist. © Borys Sarad

98 Stellplätze in zwei Ausführungen

Die 98 Stellplätze gibt es in zwei Ausführungen - einmal in Form dreier sogenannter Fahrradkarusselle mit jeweils zwölf Plätzen. Und als Doppelstockparker, vier an der Zahl, mit 62 Plätzen.

Sie haben Schienen wie Fahrradträger auf dem Autodach. Die wuchtigen Spezialgestelle, die sich in der Fahrradstadt Münster bewährt haben, stammen von der Firma Orion aus Biebesheim am Rhein.

Um ins obere Regal zu kommen, muss man eine Schiene herausziehen, die diagonal zu Boden klappt und über die das Rad nach oben zu schieben ist. Bei den Fahrradkarussellen handelt es sich um große Metallständer, an dem man sein Fahrrad hängen kann wie ein T-Shirt an eine Wäschespinne. Dabei muss der Radler einen Bügel kraftvoll herunterziehen. Der rastet dann ein, damit das Vorderrad eingehängt werden kann. Durch eine Feder wippen dann selbst schwere Drahtesel wie von selbst nach oben.

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